Tod nach Brechmitteleinsatz Widerstand gegen Denkmal für Laye-Alama Condé

Eine Initiative fordert ein Denkmal für Laye-Alama Condé, der vor zehn Jahren in Polizeigewahrsam durch den Einsatz von Brechmittel starb. Doch das Vorhaben stößt bei manchen Bremern auf Empörung.
Gedenktag zehn Jahre nach seinem Tod: Mit Kerzen und Blumen erinnern in Bremen Menschen an Laye-Alama Condé

Gedenktag zehn Jahre nach seinem Tod: Mit Kerzen und Blumen erinnern in Bremen Menschen an Laye-Alama Condé

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Bremen - Zum zehnten Mal versammelten sie sich in Bremen vor einer improvisierten Gedenkstätte für Laye-Alama Condé. Zum zehnten Mal erinnerten sie an den Westafrikaner, der 2005 in Polizeigewahrsam starb, nachdem ihm ein Arzt Brechmittel verabreicht hatte. Es soll nicht das letzte Mal sein, dass sie an die Folter erinnern, die Condé erlitt. Aber es soll das letzte Mal sein, dass es kein vernünftiges Denkmal gibt.

Zehn Jahre nach dem Tod des 35-Jährigen am 7. Januar 2005 hat die "Initiative in Gedenken an Laye-Alama Condé" einen Standort für eine mögliche Gedenkstelle vorgestellt. Gegenüber der Bremer Kunsthalle, nahe dem Stadtzentrum, nahe der Weser. Vier Stühle wollen sie vor dem Kunstmuseum aufstellen, Stühle wie sie in Condés Heimat Sierra Leone genutzt werden. Einer davon ist umgekippt. Daneben: Gedenktafel und Infomaterial.

Man habe bereits mit der Kulturbehörde und den verantwortlichen Beiräten verhandelt und entsprechende Anträge gestellt, heißt es auf der Homepage  der Initiative. "Der Platz wurde mit Bedacht gewählt", wird Mitglied Gundula Oerter zitiert. Der Standort verbinde das Viertel, in dem die meisten derer festgenommen wurden, die unter dem Einsatz von Brechmitteln zu leiden hatten, mit demjenigen aus Politik und Bürgerschaft, die für den Einsatz verantwortlich waren.

Condé war in der Nacht des 27. Dezembers 2004 in Bremen wegen des Verdachts auf Drogenhandel festgenommen worden. Er soll seine Ware verschluckt haben, um sie vor der Polizei zu verstecken.

Weil Condé sich weigerte, den brechreizfördernden Sirup des Ärztlichen Beweissicherungsdienstes zu trinken, führte ihm der zuständige Mediziner das Mittel mit Gewalt über eine Nasensonde ein. Condé versuchte, das Erbrochene zu schlucken statt auszuspucken. Mageninhalt und Wasser landeten schließlich in der Lunge. Es kam zu Sauerstoffmangel im Blut. Condé wurde bewusstlos und war bald nicht mehr ansprechbar. Der behandelnde Arzt rief zwar den Notarzt, fuhr aber mit der Praxis fort. Zu spät wurden Lebensrettungsmaßnahmen getroffen. Später starb Condé im Krankenhaus an den erlittenen Hirnschäden.

Neun Jahre dauerte es, bis der Fall 2013 endlich juristisch aufgearbeitet und abgeschlossen wurde. Dreimal wurde der Fall verhandelt, dreimal nach einem Schuldigen gesucht. Schließlich wurde das Strafverfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge eingestellt, der verantwortliche Arzt musste 20.000 Euro an die Mutter des Toten zahlen.

Nach all der Zeit hatte sich auch abgezeichnet: Mehrere Faktoren führten zu dem tragischen Tod von Laye-Alama Condé. Unter anderem die Tatsache, dass der Einsatz von Brechmitteln in Bremen damals politisch gewollt und gefördert wurde. Es war eine Antwort auf die wachsende Drogenproblematik in der Stadt, deren Bekämpfung auch von der Bürgerschaft gefordert wurde. "Ich fühlte mich in einer gesicherten, innerhalb der Justiz nicht umstrittenen Beweismittelsicherungspraxis", sagte der damalige Bürgermeister und Justizsenator Henning Scherf (SPD) 2013 vor dem Landgericht Bremen aus. Diese "Beweismittelsicherungspraxis" wurde 2006 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als Verstoß gegen das Folterverbot klassiert.

An den Tod von Condé, an diese Folter, will nun die Initiative erinnern. Die Entscheidung der Stadtgremien steht noch aus. Doch mit dem Vorhaben stoßen die Aktivisten schon jetzt teilweise auf Empörung. "Denkmäler für Verbrecher", lautet der Einwand , den viele Denkmal-Kritiker beispielsweise im Diskussionsforum von Radio Bremen vorbringen. Der Mann habe schließlich Kokain vertickt. Auch SPD und CDU hielten sich mit Forderungen zurück.

Rückenwind bekommen die Aktivisten vom Bremer Polizeipräsidenten Lutz Müller, der damals noch als Referatsleiter bei der Innenbehörde arbeitete, sich aber dennoch bei der Familie Condés entschuldigte. Der Polizeichef hatte 2013 eine Aufarbeitung angekündigt, "eine Nachbetrachtung", wie er dem Sender sagte . Condé sei unter "menschenunwürdigen Umständen ums Leben gekommen".

Das Argument, Condé habe ja Drogen verkauft, sei für ihn "irrelevant", sagte Müller nun der "taz" . "Niemand darf unter polizeilicher Obhut ums Leben oder nachhaltig zu Schaden kommen - Punkt."

gam
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