Bremen Neue Vorwürfe gegen Jugendamt

Nach dem Tod des zweijährigen Kevin werden dem Bremer Jugendamt auch in einem anderen Fall Versäumnisse vorgeworfen. Ein verwahrsloster Junge sei erst vor kurzen in eine Pflegefamilie gekommen, obwohl Bürgermeister Böhrnsen bereits Anfang des Jahres eine Überprüfung angeordnet hatte.


Bremen - Der inzwischen 13-jährige Florian aus dem Stadtteil Hemelingen sei erst nach dem Fund von Kevins Leiche am 10. Oktober in einer Pflegefamilie untergebracht worden, berichteten "Focus" und Radio Bremen heute. Bis dahin habe der Junge bei seiner Mutter gewohnt, bei der menschenunwürdige Verhältnisse geherrscht haben sollen.

Bereits Ende Oktober 2005 hätten Polizisten Florian aus seinem Elternhaus geholt und ins Hermann-Hildebrand-Kinderheim gebracht, hieß es in den Berichten. Die Polizei habe die Wohnung als "Müllhalde aus leeren Alkoholflaschen, Tetrapacks und verschimmelten Essensresten" bezeichnet. Es habe kein Licht gegeben. Die Mutter habe seit Monaten unter Aufsicht der Familienhilfe gestanden und sei betrunken gewesen.

Die Polizei habe Anzeige wegen Verletzung der Fürsorgepflicht gestellt: "Die Mutter lässt ihren Zwölfjährigen unter Bedingungen leben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer nachhaltigen Fehlentwicklung führen beziehungsweise geführt haben", zitierte "Focus" die Polizei. Doch das Bremer Jugendamt habe Florian bereits nach zwei Tagen wieder nach Hause geschickt.

Dies kritisierte Heimleiter Joachim Pape als nicht nachvollziehbare Aktion. Pape informierte den Bürgermeister über die Fälle Kevin und Florian. Obwohl die Mutter bereits im Sommer 2005 der Unterbringung ihres Sohns in einer Pflegefamilie zugestimmt habe, sei er bis nach Kevins Tod bei ihr geblieben.

bri/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.