Briefe an den Nikolaus Was wünschen sich die Kinder in diesem Jahr, Herr Weddehage?

Hubert Weddehage, 68, leitet das Nikolausbüro in Nikolausdorf im Landkreis Cloppenburg und findet: Die rund 6000 Briefe der Kinder aus aller Welt an ihn und seine Helferinnen und Helfer verraten viel über unsere Zeit.
Aufgezeichnet von Miriam Olbrisch
Hubert Weddehage schreibt im Namen des Nikolaus

Hubert Weddehage schreibt im Namen des Nikolaus

Foto: Mohssen Assanimoghaddam

»Kinder haben in der Weihnachtszeit nicht nur Wünsche. Sie haben auch viele Sorgen und Nöte. Ich weiß das, weil diese Kinder sich dem Nikolaus anvertraut haben – und ihre Briefe bei uns angekommen sind, in unserem Nikolausbüro. Rund 6000 Briefe aus aller Welt erreichen uns in der Adventszeit. Jeder, der schreibt, bekommt eine Antwort. Jeden Abend treffen wir uns für zwei bis drei Stunden in einem kleinen Raum neben der Kirche und schreiben, falten, frankieren. Gemütlich ist das. Ich habe etwa 20 fleißige Helferinnen und Helfer hier aus dem Ort, oft bringt jemand Plätzchen mit.

Aus den Briefen kann man oft herauslesen, wie es den Kindern im Land geht. In den letzten beiden Jahren wünschten sich die Kinder, dass »das blöde Coronavirus« endlich weggeht, diese Formulierung haben wir immer wieder gefunden. Sie wünschten sich, wieder ganz viel Zeit mit der Familie und ihren Freunden zu verbringen. Manche berichteten dem Nikolaus auch, dass Oma oder Opa gestorben waren oder dass sie schwer krank seien. Solche Kinder bekommen vom Nikolaus eine ganz persönliche Antwort. Ich hoffe, dass wir den Kindern auch in schweren Zeiten eine Freude machen können – ganz wie der echte Nikolaus, der Bischof von Myra aus der Bibel.

»Die Kinder wünschen sich Frieden.«

In diesem Jahr erwarten wir, dass der Krieg in der Ukraine in den Briefen eine bedeutende Rolle spielen wird. Ich habe selbst zwei Enkelkinder, 5 und 8 Jahre alt. Die bekommen auch schon mit, was in der Welt passiert. Die Kinder wünschen sich Frieden.

Nikolausdorf, wo ich wohne, gehört zur Gemeinde Garrel in Niedersachsen. In den Sechzigerjahren kamen erste Briefe hier im Ort an. Adressiert waren sie an den Nikolaus in Nikolausdorf, so hat es mein Vater mir erzählt. Eine Postangestellte hat damals angefangen, die Briefe zu beantworten. 1970 hat mein Vater diese Aufgabe übernommen, ich habe immer mitgeholfen. Heute packt mein Sohn mit an. Ich hoffe sehr, dass er das Nikolausbüro nach mir weiterführen wird. Die Deutsche Post unterstützt uns netterweise seit vielen Jahren und spendiert Briefbögen und Porto.

Auch wenn wir in den letzten Jahren immer häufiger technisches Gerät wie Handys oder Tablets auf den Wunschzetteln finden – Puppen und Eisenbahnen gehen eigentlich immer.«

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