Außereheliche Affäre Papst akzeptiert Rücktritt von britischem Bischof

Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch von Kieran Conry angenommen. Der britische Bischof soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt haben. Ein Detektiv kam den beiden auf die Spur.


Rom - In einem Brief an seine Diözese Arundel und Brighton erklärte Bischof Kieran Conry am 27. September seinen Rücktritt. Der Grund: Er sei seinem Versprechen als katholischer Priester untreu geworden und habe "Schande" über seine Diözese und die Kirche gebracht, schrieb er.

Das Vergehen des Geistlichen: Er soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt haben. Die Liaison wurde laut britischen Medienberichten publik, nachdem der Ehemann einen Privatdetektiv anheuert hatte, der seinen Anfangsverdacht mit Beweisen erhärten sollte. "Ich bin zur Bischofsresidenz gefahren, und ihr Auto stand da", erzählte Ehemann Simon H. der "Daily Mail". "Ich habe es überprüft, es stand die ganze Nacht da. Ich war am Boden zerstört." H. drohte damit, die Kirche zu verklagen.

Dem betrogenen Gatten zufolge war die Ehe seit Sommer 2013 in einer schweren Krise. Seine 43-jährige Frau soll Anfang des Jahres aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sein. Das Paar hat zwei Töchter.

Conry gilt als innerhalb der Kirche gut vernetzter Liberaler, er arbeitete unter anderem im Pressebüro der Bischofskonferenz. Er ist gut befreundet mit Kardinal Vincent Nichols, dem Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales. Sein Rücktrittsgesuch kam für viele überraschend.

Nun, pünktlich zum Beginn der Familiensynode in Rom, gab Papst Franziskus sein Plazet: "Der Heilige Vater Franziskus hat den Rücktritt des Bischofs Kieran Conry der Diözese Arundel und Brighton angenommen", erklärte der Vatikan, und beeilte sich, zu betonen, es gehe nicht um illegale Handlungen, auch seien keine Minderjährigen betroffen.

Conry war im Jahr 2001 von Papst Johannes Paul II. als Bischof der Diözese im Südosten Englands ernannt worden. Bis ein Nachfolger ernannt ist, soll der Erzbischof von Southwark, Peter Smith, kommissarisch die Leitung der Diözese übernehmen. Er zeigte sich in einem Brief an die Gläubigen "schockiert" über das Rücktrittsgesuch von Conry, mit dem er seit 2001 unter anderem in der Bischofskonferenz zusammengearbeitet habe. Sein Herz sei bei der Gemeinde in dieser "schwierigen Zeit", er werde eine Messe lesen für alle, "die durch die Taten Bischofs verletzt oder verängstigt wurden".

Auf der Bischofssynode in Rom wird gerade über die Familie diskutiert. Es geht auch um Scheidung, Trennung und Wiederverheiratung. "Man muss alles sagen, was man fühlt, und zugleich muss man zuhören und mit offenem Herzen aufnehmen, was die Brüder sagen", sagte der Papst. Die Bischöfe sollten keine Angst vor einer solchen Haltung haben, auch nicht aus Angst vor einer anderen Meinung des Papstes. An Sanktionen für Regelverstöße wie etwa die Missachtung des Zölibats ändert das gar nichts.

ala/AFP



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