Budapest Rechtsextremisten greifen Schwulenparade an

Mindestens acht Verletzte, 45 Festnahmen, ein ausgebrannter Polizeibus: Das war die Bilanz nach dem Umzug einer Homosexuellenparade durch Budapest. Rechtsradikalen hatten die rund 1500 Teilnehmer mit Steinen und Eiern beworfen und Brandsätze gegen die Polizei geschleudert.


Budapest - Rechtsextremisten haben am Samstag eine Homosexuellenparade in der ungarischen Hauptstadt Budapest angegriffen. Sie bewarfen die rund 1500 Umzugsteilnehmer mit Steinen und Eiern. Bei Zusammenstößen mit der Polizei, die den Umzug zu schützen versuchte, warfen die Extremisten und Neonazis auch Brandsätze. Mindestens acht Personen wurden verletzt, darunter zwei Polizisten. Ein Polizeikleinbus brannte aus. 45 gewalttätige Gegendemonstranten wurden nach Angaben einer Polizeisprecherin festgenommen.

Polizisten gehen in Budapest gegen Rechtsextreme vor, die eine Schwulenparade attackieren: Mehr als acht Verletzte, 45 Festnahmen
DPA

Polizisten gehen in Budapest gegen Rechtsextreme vor, die eine Schwulenparade attackieren: Mehr als acht Verletzte, 45 Festnahmen

Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Angreifer auf dem Heldenplatz zu vertreiben. Trotzdem wurde das Konzert einer Jazzsängerin, das den Umzug hätte beenden sollen, wegen der Ausschreitungen kurzfristig abgesagt. Der Politiker Gabor Horn, Präsidiumsmitglied des liberalen Bundes Freier Demokraten (SZDSZ), wurde beim Verlassen des Schauplatzes nach eigenen Angaben von Neonazis bespuckt, geohrfeigt und mit Bier übergossen.

Die Gay-Pride-Parade findet in Budapest seit zwölf Jahren statt. Im Vorjahr war es erstmals zu gröberen Übergriffen durch Rechtsextremisten gekommen. Diesmal hatten sich mehrere hundert Gegendemonstranten entlang der Paradestrecke versammelt. Rechtsextreme Internet-Foren hatten zur Gewalt gegen die "widernatürlichen Perversen" aufgefordert.

Die Proteste richteten sich auch dagegen, dass in Ungarn ab Januar 2009 auch gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft registrieren lassen können und damit Vorteile wie verheiratete Paare haben.

In der Woche vor der Parade waren Molotow-Cocktails gegen zwei Homosexuellenlokale geworfen worden. Ein Angestellter war dabei leicht verletzt worden. Am vergangenen Wochenende hatten Extremisten auch Homosexuellenparaden in Bulgarien und Tschechien angegriffen.

cai/dpa/AP/Reuters/AFP



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