Bundesgerichtshof Evangelische Kirche begrüßt Sterbehilfe-Urteil

Die Evangelische Kirche in Deutschland befürwortet das BGH-Grundsatzurteil zur Sterbehilfe. Nun hätten Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige größere Rechtssicherheit. Die katholischen Bischöfe dagegen haben grundsätzliche Bedenken.
Nikolaus Schneider: Recht der Patienten zur Umsetzung ihres Willens gestärkt

Nikolaus Schneider: Recht der Patienten zur Umsetzung ihres Willens gestärkt

Foto: Tobias Hase/ dpa

Dortmund - Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, begrüßt das Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs zur Sterbehilfe. "Das Urteil stärkt das Recht der Patienten zur Umsetzung ihres Willens", sagte Schneider den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" zu dem Richterspruch, wonach der Abbruch lebensverlängernder medizinischer Maßnahmen als passive Sterbehilfe auch zulässig ist, wenn der Patient noch nicht kurz vor dem Tod steht.

Schneider sagte, im konkreten Fall habe die alte Dame deutlich gemacht, dass sie keine lebensverlängernden Maßnahmen wünsche. Ihre Kinder hätten dafür gekämpft, diesen Wunsch der Patientin durchzusetzen. "Wir begrüßen, dass künftig in ähnlichen Fällen auch der Wille des jeweiligen Betroffenen in die Tat umgesetzt wird", sagte Schneider. Nun hätten alle Beteiligten Rechtssicherheit.

In der christlichen Ethik gebe es "keine Verpflichtung des Menschen zur Lebensverlängerung um jeden Preis und auch kein ethisches Gebot, die therapeutischen Möglichkeiten der Medizin bis zum Letzten auszuschöpfen", hatte EKD am Freitag mitgeteilt. Einen Menschen sterben lassen sei bei vorher verfügtem Patientenwillen "nicht nur gerechtfertigt, sondern geboten".

Schneider betonte, er sei strikt dagegen, der Tötung auf Verlangen den Weg zu bereiten. "Die aktive Sterbehilfe ist ethisch nicht gerechtfertigt. Diese Grenze wollen und werden wir aufrechterhalten", versicherte er. "Sie wird durch das aktuelle Urteil auch nicht angetastet."

Die katholische deutsche Bischofskonferenz sprach hingegen von "Grundbedenken" gegen das Urteil. Für die katholische Kirche sei die grundlegende Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe maßgebend. "Sie ist eine unentbehrliche ethische Entscheidungshilfe und scheint uns in dem Urteil nicht genügend berücksichtigt zu sein", heißt es in einer ersten Erklärung der Bischöfe am Freitag. "Wir fürchten durch diese Verunklarung sensible ethische Folgeprobleme", betonte die Bischofskonferenz.

abl/ddp
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