Mann aus Gießen streitet mit Uefa um Pilz-Pizza »Die ›Champignons League‹ wird weiter produziert«

Ein Pizzabäcker aus Gießen wollte sein Sortiment um eine Pizza »Champignons League« erweitern. Die Uefa schaltete wenig amüsiert einen Anwalt ein – doch Gastronom Shademan Souri ließ sich davon nicht einschüchtern.
Ein Interview von Sophia Ahrens
Shademan Souri verkauft mit einem Gießener Start-up Tiefkühlpizzen – eine von ihnen brachte ihm Ärger mit der Uefa ein

Shademan Souri verkauft mit einem Gießener Start-up Tiefkühlpizzen – eine von ihnen brachte ihm Ärger mit der Uefa ein

Foto: Pizza Wolke

Shademan Souri, 31, ist Pizzabäcker – und verkaufte bis vor etwa zwei Jahren in seiner Pizzeria »Wolke« in Gießen frische Pizza vor Ort. Der Lockdown zwang den Unternehmer zum Umdenken. Souri begann, tiefgekühlte Pizzen zu verkaufen. Bis er Anwaltspost aus München bekam. Seine neueste Tiefkühlkreation verärgerte offenbar die Uefa – wegen angeblicher Verwechslungsgefahr mit einem bekannten Fußballwettbewerb.

SPIEGEL: Herr Souri, Sie besitzen eine Pizzeria, was ist Ihr Geschäftsmodell?

Souri: Wir hatten mal eine Pizzeria und einen Pasta-Laden. Wegen Corona haben wir dann auf Tiefkühlpizza umgestellt. Mittlerweile produzieren wir auf 2000 Quadratmetern für weit mehr als 1000 Supermärkte. Wir wollten unser Sortiment um eine Funghi-Pizza erweitern und haben sie »Champignons League« genannt.

SPIEGEL: Und dann?

Souri: Ende des Jahres kam ein Brief der Uefa von einer Kanzlei aus München. Darin haben sie uns abgemahnt und gesagt, es bestehe Verwechslungsgefahr zwischen der Pizza und der Uefa Champions League. Sie haben uns aufgefordert, die Marke zu löschen, aber wir hatten uns die Markenrechte registrieren lassen. Als wir abgelehnt haben, wurde uns mit Klage gedroht.

Streitgegenstand aus Gießen

Streitgegenstand aus Gießen

Foto: Pizza Wolke

SPIEGEL: Wie haben Sie reagiert, nachdem Sie dieses Schreiben gelesen hatten?

Souri: Ich habe laut und lange gelacht. Ich dachte mir: Wie cool ist das eigentlich, dass so eine riesige Institution wie die Uefa uns wahrnimmt und meint, uns abmahnen zu müssen. Ich fand das lustig – und find’s immer noch lustig, muss ich ehrlich sagen.

SPIEGEL: Was sagte Ihr Umfeld zu dem Schreiben?

Souri: Nur wenige haben mir geraten, gegen die Uefa vorzugehen. Aber das ist das, womit die rechnen, wenn sie solche Schreiben rausschicken – dass die Leute abgeschreckt sind und einen Rückzieher machen. Aber das ist allgemein nicht so mein Wesen, dass ich mich da unterdrücken lasse. Ich wusste, rechtlich sind wir safe – also lass uns mal dagegen vorgehen.

SPIEGEL: Und wie sind Sie dann vorgegangen?

Souri: Wir haben die Fristen auslaufen lassen. Beim ersten Mal haben wir noch ein nettes Schreiben geschickt, dass wir das nicht machen, weil Pizza wenig mit Fußball zu tun hat. Beim zweiten Mal haben wir es auslaufen lassen und auf unserer Seite gepostet.

SPIEGEL: Der Fall wurde öffentlich viel beachtet. Wie hat die Uefa dann reagiert?

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Souri: Wir hatten seitdem keinen direkten Kontakt mit den Anwälten oder der Uefa. Aber sie haben nun auf Presseanfragen geantwortet, dass sie Seite an Seite mit der leckeren Pizza von uns bestehen können. Die direkte Nachricht kommt sicher noch. Und die »Champignons League« wird weiter produziert.

SPIEGEL: Welche Konsequenzen hatte die ganze Sache für Sie?

Souri: Es war ein Segen. Als kleines Start-up mit einem kleinen Marketingbudget nimmt man so was dankend an. Wir haben uns nichts zuschulden kommen lassen. Vielleicht tritt jetzt genau das ein, was wir gar nicht beabsichtigt hatten: dass wir auf Basis des berühmten Namens Berühmtheit erlangen und die Pizza bekannt wird. Dafür hat die Uefa selbst gesorgt.

SPIEGEL: Bei Instagram fordern Ihre neuen Fans jetzt eine »Superleague Pizza«. Planen Sie eine?

Souri: Wir haben noch einige Sachen in petto, aber alles zu seiner Zeit.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.