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Final-Eröffnung: Zu den Waffen

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Wembley-Eröffnungszeremonie Hauen und Stechen

Was hat man sich bei der Uefa da nur gedacht? Eine Fußball-Final-Eröffnungszeremonie mit Schwertern, Knüppeln und Äxten, Schlachtgetümmel vor dem Endspiel? Die Choreografie war eine erstaunliche Geschmacklosigkeit - deren Details manchem Fußballfan bekannt vorkamen.

London - Man fragt sich schon, warum das bei der Uefa eigentlich niemandem aufgefallen ist. Eigentlich ist man für den Beginn von Fußball-Endspielen ja eher das andere gewöhnt: Appelle an Friedfertigkeit und Toleranz, Plädoyers für Fairness und Vielfalt. Wenn dort mal eine Lanze bricht, dann höchstens für die Völkerverständigung.

Wenn aber im Londoner Wembley-Stadion zwei deutsche Clubs aufeinandertreffen, dann kann man es ja mal anders machen, muss sich irgendwer bei der Uefa gedacht haben. Da kann man doch mal zwei Schauspielertruppen in Vereinsfarben mit Knüppeln und Schilden, Schwertern und Äxten, Pfeil und Bogen bewaffnen und ein bisschen Krieg spielen vor dem Spiel.

Die Eröffnungszeremonie in Wembley enthielt einige Details, die manchem echten Fußballfan auf unangenehme Weise bekannt vorgekommen sein dürften: Mit Schlagstöcken bewaffnete Menschen zum Beispiel, die rhythmisch auf ihre Schilde trommeln. Das machen Bereitschaftspolizisten in Formation auch manchmal, um ihren Gegenübern nachdrücklich die eigene physische Überlegenheit klarzumachen. Und vielleicht auch die Bereitschaft, mit dem Knüppel auch mal woanders hinzuhauen, wenn's sein muss.

Versteckt im Kohlenkeller

Dass die britische Presse den deutschen Fußball gerne mal unter eher kriegerischen Vorzeichen betrachtet, ist nichts Neues. Dass aber die Organisatoren eines Fußballspiels - vor dem es übrigens eine ganz echte Fan-Prügelei gegeben hatte - auf die Idee kommen, als Präludium eine mittelalterliche Schlacht zu inszenieren, untermalt von martialischer Musik und begleitet von Kampfgeschrei, kommt dann doch überraschend. Zumal vor dem Stadion noch in Durchsagen gedroht worden war: Wer Pyrotechnik mit ins Stadion bringt und erwischt wird, wird verhaftet. Dabei wäre ein bisschen Brandschatzung genau die richtige Ergänzung fürs Schlachtgetümmel gewesen. Eine Idee fürs nächste Mal: vielleicht gleich auf richtige, moderne Schusswaffen zurückgreifen, so wirkte das ganze dann doch arg gestrig.

Krönung des Schauspiels war der Auftritt von Paul Breitner und Lars Ricken in Phantasieuniformen, Breitner mit glänzendem Brustharnisch, beide mit Helmen unter dem Arm, die im Mittelalter den schönen Namen Hundsgugel trugen. Breitners Kinn war vorgereckt, die Miene entschlossen, der augenscheinlich irgendwie kriegerischen Atmosphäre angemessen. Ein General, der seine Truppen in die Schlacht schickt. Man war froh, dass Ribéry, Robben, Hummels, Reus und die anderen dann doch unbewaffnet auf den Platz kamen.

Breitner war übrigens nicht immer so fürs Militärische: Als er in den Siebzigern zum Wehrdienst eingezogen werden sollte, hat er sich vor den Feldjägern im Kohlenkeller versteckt. Uli Hoeneß habe ihn damals verleugnet, vertraute er der "Bild"-Zeitung  einst an. Vielleicht wäre das diesmal auch eine gute Idee gewesen.

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