Dritte Nacht in Charlotte Hunderte protestieren gegen Polizeigewalt

In Charlotte sind Hunderte Menschen die dritte Nacht in Folge auf die Straße gegangen, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren - trotz einer Ausgangssperre. Größere Kämpfe mit der Polizei blieben aus.

Proteste in Charlotte
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Proteste in Charlotte


In der US-Stadt Charlotte haben sich in der Nacht Hunderte Menschen einer Ausgangssperre widersetzt, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Medienberichten zufolge sind die Proteste bislang weitgehend friedlich verlaufen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot unterwegs, auch die Nationalgarde befindet sich im Einsatz.

Vor Inkrafttreten des Ausgangsverbots soll es allerdings kleinere Zusammenstöße zwischen Polizisten und Demonstranten gegeben haben, in deren Verlauf die Sicherheitskräfte Tränengas einsetzten. Außerdem seien zwei Beamte mit einer chemischen Substanz besprüht worden und hätten behandelt werden müssen, wie die Polizei auf Twitter mitteilte.

Mehrere Hundert Protestteilnehmer hatten eine wichtige Stadtautobahn in der Nähe des Stadions von Charlotte blockiert. Einige der Demonstranten legten sich auf den Asphalt und wurden von der Polizei mit Tränengas vertrieben.

Proteste seit Dienstag

Die Proteste in Charlotte entzündeten sich am Dienstag am Tod des 43-jährigen Schwarzen Keith L. Scott, der von einem ebenfalls schwarzen Polizisten erschossen worden war. Laut Darstellung der Polizeibehörde war er bewaffnet. Die Familie des Toten dagegen sagt, er habe ein Buch in der Hand gehalten.

Von dem Vorfall gibt es Videoaufnahmen von Kameras im Polizeifahrzeug und am Körper eines der Polizisten. Scotts Familie will, dass sie veröffentlicht werden. Die Angehörigen hätten die Aufzeichnungen am Donnerstag zu sehen bekommen und nun mehr Fragen als Antworten, teilten die Anwälte der Familie mit. Um Transparenz zu schaffen, müsse die Polizei diese nun auch öffentlich machen.

Das fordern auch die Demonstranten. Mit Rufen wie "Wir wollen das Band" haben sie in der Nacht versucht, den Druck auf die Polizei zu erhöhen. Doch die wehrt sich bislang gegen die Forderung. Die Veröffentlichung der Aufnahmen könnte die Ermittlungen gefährden, sagte der örtliche Polizeichef. Die Öffentlichkeit werde das Video sehen, wenn er einen "zwingenden Grund" dafür sähe.

Ein Demonstrant, der in der Demo-Nacht am Mittwoch angeschossen worden war, ist inzwischen gestorben. Vertreter der Stadt bestreiten, ein Polizist habe auf den Mann geschossen.

Seit einiger Zeit gibt es in den USA immer wieder Proteste gegen Polizeigewalt, die sich hauptsächlich gegen Schwarze richte. In Baltimore, Milwaukee, Chicago, New York und Ferguson gingen Menschen bislang auf die Straße. In Tulsa in Oklahoma wurde diese Woche eine Polizistin wegen Totschlags angeklagt, die einen unbewaffneten Afroamerikaner erschossen hatte.

jal/AFP/AP



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90-grad 24.09.2016
1. Bis heute
847 Tote bei Polizeieinsätzen in 2016. Killedbypolice.net Und es geht täglich weiter.
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