Nach Chemnitz-Krawallen Merkel besucht Basketballspiel und angegriffene Lokale

Überraschend ist Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Sachsen gereist. In Chemnitz setzte sie ein Zeichen gegen Rassismus - und löste ein Versprechen ein.
Virgil Matthews (2.v.r) von den Chemnitzer Niners macht ein Selfie mit Merkel

Virgil Matthews (2.v.r) von den Chemnitzer Niners macht ein Selfie mit Merkel

Foto: Guido Bergmann/BPA/DPA

Gut ein halbes Jahr nach rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz hat Angela Merkel (CDU) die Stadt erneut besucht. Bei der überraschenden Visite am Sonntag sah sich die Bundeskanzlerin ein Basketballspiel an und besuchte zusammen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zwei Restaurants, die Ziele von Übergriffen geworden waren.

Der Tod eines 35-Jährigen Deutschen war Ende August Auslöser für Demonstrationen und Straftaten in Chemnitz, die sich auch gegen Migranten richteten. Bei Kundgebungen liefen zahlreiche Rechtsextreme mit. Chemnitz geriet dadurch international in die Schlagzeilen. Die Stadt verwahrte sich dagegen, für Umtriebe von Neonazis unter Generalverdacht gestellt zu werden.

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Merkel besuchte die Stadt danach am 16. November und suchte den Dialog mit Chemnitzern. Sie sprach mit Lesern der "Freien Presse" und besuchte den Basketball-Zweitligisten Niners Chemnitz. Damals versprach sie, sich ein Spiel des Teams anzuschauen.

Am Sonntag nun löste sie das Versprechen ein: Begleitet von Kretschmer und der Oberbürgermeisterin von Chemnitz, Barbara Ludwig (SPD), besuchte Merkel das Spiel der Niners gegen das Team von Ehingen Urspring - die Niners gewannen mit 84:73 und stehen an der Tabellenspitze der 2. Basketballliga. "Toller Basketballverein, der sich für Toleranz und Zusammenhalt in der Stadt einsetzt", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert im Anschluss an das Spiel in der Hartmannhalle.

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Nach Angaben der Chemnitzer Polizei besuchten Merkel und Kretschmer auch zwei Lokale in der Stadt: das jüdische Restaurant Schalom und das persische Lokal Safran. Das Schalom war am Rande der Proteste gegen Ausländer in Chemnitz Ende August von einer Gruppe Vermummter angegriffen worden, es flogen Steine und Flaschen. Anfang Oktober wurde der Inhaber des "Safrans" von Unbekannten attackiert und verletzt.

Der neuerliche Besuch Merkels in Chemnitz kam überraschend, er war zuvor nicht angekündigt worden. Ebenfalls am Sonntag fand unabhängig davon in der Stadt eine Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung "Pro Chemnitz" mit geschätzt 120 Teilnehmern statt. Die Polizei war mit 800 Kräften im Einsatz, um den Besuch Merkels und die Versammlung abzusichern. Störungen gab es offiziellen Angaben zufolge nicht.

aar/dpa
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