Church of England Homo-Ehe ohne Segen

"Die schlimmste Bedrohung seit 500 Jahren": Kirchenführer der Church of England torpedieren die Pläne des britischen Regierungschefs. David Cameron will in drei Jahren Ehen für gleichgeschlechtliche Paare erlauben. Auch die Gläubigen an der Basis denken längst liberal.
Gay-Pride-Parade in Brighton: Die schlimmste Bedrohung seit 500 Jahren?

Gay-Pride-Parade in Brighton: Die schlimmste Bedrohung seit 500 Jahren?

Foto: epa Andy Rain/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - 2015 soll in Großbritannien die Gleichberechtigung beginnen. Spätestens dann will Premierminister David Cameron erlauben, dass Männer Männer und Frauen Frauen heiraten. Über die Parteien hinweg sind sich die Briten einig darüber, dass der Schritt überfällig ist. Ob sie mit der Wucht des Widerstands gerechnet haben?

Glaubensvertreter der Church of England, Mutterkirche von mehr als 24 Millionen Anglikanern auf der Insel, warnten nun öffentlich vor den liberalen Plänen der britischen Politik. Sie sehen die Fundamente des Kirchenrechts in Gefahr, so sehr, dass sie ein einheitliches Verständnis von Ehe voraussetzen, um im Königreich weiter Staatskirche sein zu können. In ihrer 500-jährigen Geschichte sei die Homo-Ehe die schlimmste Bedrohung.

Seit der Herrschaft Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert gehört die Church of England untrennbar zur englischen Krone. Sie überstand den englischen Bürgerkrieg und die Angriffe der spanischen Armada, wie der "Telegraph" schreibt. Dass die Kirchenoberen die Schwulenehe nun zum Trennungsgrund stilisieren, werten Beobachter als Zeichen für die grundsätzliche Dimension der Frage.

Nach Bekanntwerden der ablehnenden Haltung nannten Kirchenkritiker die Reaktion übertrieben. Die Bischöfe sollten sich ein Beispiel an ihren isländischen, schwedischen oder dänischen Kollegen nehmen und gleichgeschlechtlichen Ehen ihren Segen geben.

Für viele Briten ist die Haltung ihrer Kirche nicht mehr nachvollziehbar. Seit acht Jahren unterstützt die Church of England eingetragene Partnerschaften, verwehrt Homosexuellen jedoch die Trauung. Die Pläne für die Ehe zwischen Männern oder Frauen seien "nicht nicht zu Ende gedacht und nicht juristisch einwandfrei", hieß es in einer Stellungnahme.

Der Bischof von Leicester im Zentrum Englands kritisierte die Eile, mit der die Politik das Thema behandle, und warnte vor "unbeabsichtigten Folgen". "Wenn in England ein staatliches Verständnis von Ehe entsteht, das sich von der Haltung der Kirche unterscheidet, wird dies das Verhältnis von Kirche und Gläubigen verändern", sagte er.

Symon Hill, der bei der christlichen Denkfabrik Ekklesia arbeitet, hält die eiserne Ablehnung der Kirche für einen Fehler. "Die Church of England hat mit ihrer unflexiblen Haltung die Gelegenheit verpasst, aus der Defensive zu kommen. Das ist besonders deshalb schade, weil mehr einfache Gläubige die gleichgeschlechtliche Ehe für eine gute Sache halten, als es die offizielle Haltung der Kirchenoberen glauben machen will", sagte er dem "Independent".

jbr
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