Clown von Northampton "Wie bei einem Horrorfilm"

Seit Tagen lehrt ein mysteriöser Clown die Einwohner der englischen Stadt Northampton das Gruseln. Jetzt hat das Phantom mit der roten Nase erstmals über seine Auftritte gesprochen. Einer Lokalzeitung verriet der Mann, was ihn treibt.

Von Rainer Leurs


Hamburg - Es wäre zu einfach, alles auf Stephen King zu schieben. Zwar hat der Schriftsteller mit seinem Roman "Es" einiges dafür getan, dass Clowns bei vielen Leuten eher für Gänsehaut als für Gelächter sorgen. Aber auch sonst sind die weißgeschminkten Spaßmacher in der Popkultur inzwischen zuverlässig als dämonenhafte Schwerverbrecher gebucht, vom Joker in der Batman-Reihe bis zur Gruselgroteske "Haus der 1000 Leichen".

Nur so lässt sich wohl der Wirbel erklären, den ein Unbekannter im Clownskostüm seit Tagen in der englischen Stadt Northampton verursacht. Regelmäßig wird das rotnasige Phantom an Straßenecken gesichtet, in der Hand ein Bündel bunter Ballons oder einen Teddybären. Nie macht er Kunststücke oder versucht, jemanden zum Lachen zu bringen - er steht nur da und guckt. Manchmal winkt er.

Tagelang rätselten die Einwohner Northamptons über die Motive des gruseligen Unbekannten; körnige Fotos seiner Auftritte machten über Twitter und Facebook die Runde. Jetzt hat sich der Clown erstmals in einem Interview zu Wort gemeldet. Er könne verstehen, dass er den Leuten "extreme Angst" mache, erzählte er der Lokalzeitung "Northampton Chronicle & Echo". Seine Auftritte seien aber spaßig gemeint.

"Kann sagen, dass es sich um einen Mann handelt"

"Ich wollte nur die Leute unterhalten", sagt der Clown. "Die meisten genießen es doch, ein bisschen erschreckt zu werden. Danach können sie darüber lachen. So wie bei einem Horrorfilm."

Die wahre Identität des Spaßvogels bleibt indes weiter unklar. Er wolle anonym bleiben, schreibt das Blatt. Auch wie der Kontakt zustande kam, will Redakteur Callum Jones nicht verraten: Darauf habe er sich im Vorfeld mit dem Clown geeinigt. "Ich kann aber sagen, dass es sich um einen Mann handelt", sagt er.

Sein Gesprächspartner sei absolut verblüfft über all die Aufmerksamkeit und das große Medienecho, erzählt Jones weiter. "Es ist ihm ganz wichtig, dass er niemandem Angst machen oder irgendetwas Illegales tun will." Über 120.000 Fans hat die Facebook-Seite des Phantoms von Northampton inzwischen. Titelbild: Ein Foto des mörderischen Clowns Pennywise aus der Stephen-King-Verfilmung "Es".

Tatsächlich habe sich der Clown von Northampton als Fan des Horrorschriftstellers zu erkennen gegeben, heißt es im "Chronicle". In Gesprächen habe sich der Clown immer wieder auf die King-Verfilmung bezogen. "So lange, wie es die Leute interessiert", wolle er außerdem weiter in der Stadt auftreten. Sogar ein wöchentlicher "Clowntag" sei für ihn denkbar.

Die Frage, ob das Phantom womöglich im Auftrag einer schlauen PR-Agentur handelt, blieb im Interview offen. Callum Jones jedenfalls glaubt nicht daran. "Er scheint kein Interesse zu haben, irgendein Produkt zu bewerben oder seinen Ruhm zu Geld zu machen", sagt der Redakteur.

Doch in Wahrheit gibt es natürlich bereits jemanden, der von der Show des Spaßmachers profitiert: Die Stadt Northampton nämlich, sonst ein eher farbloser Fleck in Zentralengland, geistert plötzlich durch Zeitungen und Online-Medien in aller Welt. Sogar CNN schickte bereits ein Kamerateam in die Stadt. Er sei erfreut, sagte der Clown, dass wegen ihm so viele Leute über Northampton sprechen. Gut möglich, dass das noch eine Weile so bleibt.



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