Concorde-Katastrophe Verteidigung zweifelt an Unabhängigkeit von Gutachtern

Beim Concorde-Absturz starben vor zehn Jahren 113 Menschen. Ein französisches Gericht beschäftigt sich seit Anfang Februar mit der Schuldfrage. Jetzt hat die Verteidigung die Unabhängigkeit von zwei Gutachtern in Frage gestellt: Die Experten arbeiteten für den Nebenkläger Air France.


Pontoise - Es war eines der schlimmsten französischen Flugzeug-Unglücke: Vor fast zehn Jahren stürzte der Überschallflieger Concorde der Linie Air France anderthalb Minuten nach dem Start in ein Hotel. Keiner der 109 Insassen überlebte, vier Menschen starben in dem zerstörten Gebäude. Ein Gericht in Pontoise bei Paris verhandelt seit Anfang Februar die Frage, ob fünf Angeklagte und die amerikanische Fluggesellschaft Continental Airlines das Unglück zu verantworten und sich damit der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben.

Jetzt hat die Verteidigung die Unabhängigkeit der französischen Gutachter in Frage gestellt. Einer der wichtigsten Experten in den jahrelangen Ermittlungen habe noch für die französische Fluggesellschaft Air France gearbeitet, die in dem Prozess als Nebenkläger auftritt, als er zum Gutachter berufen worden sei, stellte der Verteidiger von Continental Airlines, Olivier Metzner, vor Gericht in Pontoise nördlich von Paris fest.

Claude Chauvin sei mehr als 38 Jahre lang bei Air France gewesen, unter anderem als Concorde-Pilot, und habe das Unternehmen im November 2000 aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Ein weiterer Gutachter sei ein langjähriger Air-France-Mitarbeiter in Rente, sagte der Rechtsanwalt.

Auch der Verteidiger eines Continental-Mitarbeiters, welcher sich vor Gericht verantworten muss, zeigte sich erstaunt. Die US-Gesellschaft und zwei ihrer Mitarbeiter sind angeklagt, eine Mitschuld an der Katastrophe vom Juli 2000 zu tragen. Ein Flugzeug der Continental Airlines hatte beim Start in Paris ein linealgroßes Metallteil verloren, über das die startende französische Überschallmaschine wenig später rollte.

Der Anklage zufolge ging ein Reifen der Concorde kaputt, wodurch das Unglück seinen Lauf nahm. Die Verteidigung macht dagegen geltend, dass die Reifen der Concorde für ihre Schwäche bekannt waren und es schon vor dem Absturz zahlreiche Zwischenfälle ähnlicher Art mit Concorde-Maschinen gegeben habe.

Unter den Passagieren der verunglückten Maschine waren 97 Deutsche, die von New York aus eine Kreuzfahrt in der Karibik antreten wollten. Die Hinterbliebenen der Deutschen treten nicht als Kläger auf, weil sie im Jahr nach der Katastrophe ein Schmerzensgeld erhalten und dafür auf weitere Forderungen verzichtet hatten.

otr/dpa



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