Helden des Corona-Alltags Erika Radisavljevic, 53, Reinigungskraft in einer Klinik, macht jetzt Sonderschichten

Das öffentliche Leben steht still, doch einige Menschen halten die Gesellschaft am Laufen. Hier kommen sie zu Wort.
Das Protokoll wurde aufgezeichnet von Tobias Lill
Erika Radisavljevic: "Ich glaube, man denkt, wir Reinigungskräfte, sind einfach austauschbar"

Erika Radisavljevic: "Ich glaube, man denkt, wir Reinigungskräfte, sind einfach austauschbar"

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privat

Die Hygiene in deutschen Krankenhäusern ist schon seit Jahren ein dringliches Thema. Dem Robert-Koch-Institut zufolge kommt es jedes Jahr zu Hunderttausenden Krankenhausinfektionen, bis zu 20.000 Menschen jährlich sterben gar an den Folgen einer Ansteckung mit multiresistenten Klinikkeimen. Ob es Deutschland gelingt, die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, wird auch von den Hygienemaßnahmen in den Klinken und Pflegeheimen abhängen.

Aktuell müssen immer mehr Covid-19-Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern behandelt werden - aber auch Ärzte und Pflegepersonal erkranken nun verstärkt. Um die Sauberkeit in den Kliniken kümmern sich Tausende Reinigungskräfte, die Frauen und Männer arbeiten teils unter widrigen Bedingungen. Manche verdienen nur knapp mehr als den Mindestlohn. 

Eine von ihnen ist Erika Radisavljevic, 53. Sie putzt in einer Klinik in Südbayern.

"Wenn ich lese, dass viele Menschen und Politiker Beifall klatschen für die Krankenschwestern und die Ärzte – dann freut mich das. Aber ein wenig traurig bin ich dann auch. Keiner denkt dabei an uns Klinik-Putzfrauen. Natürlich ist unsere Arbeit nicht mit der des medizinischen Personals vergleichbar, die sind härter dran. Aber wir riskieren ja auch unsere Gesundheit und helfen mit, dass die Patienten und Klinikmitarbeiter gesund bleiben. Andererseits: Von Applaus allein kann man auch keine Miete bezahlen.

Ich putze seit vier Jahren in einem Krankenhaus, vor allem die Patientenzimmer, meist in der Gynäkologie. Dafür bekomme ich elf Euro brutto pro Stunde. Die meisten von uns Putzfrauen haben Migrationshintergrund und viele haben kleine Kinder, deshalb brauchen sie diesen Teilzeitjob. Deshalb fordern sie auch nicht mehr Geld, ich glaube, das wissen viele Chefs.

Vier Nächte lang hatte ich vorvergangene Woche wegen Corona freiwillig jeweils zehn Stunden lange Sonderschichten. Dabei habe ich die Aufnahmezimmer der Patienten mit Corona-Verdacht desinfiziert. Wenn man die Berichte aus Italien hört, wie viel Klinikpersonal sich dabei ansteckt, kann einem schon Bange werden, aber momentan habe ich keine Angst. Es muss ja jemand diese Arbeit machen. Saubere Zimmer sind eine Voraussetzung dafür, dass sich das Virus und andere Keime weniger verbreiten.

Für die Sonderschichten in den infektiösen Zimmern hatte ich zum Glück jede Nacht einen Mundschutz und sogar einen Schutzanzug. Ich habe aber nicht verstanden, warum wir mit unseren Klinikschuhen ohne Überzieher in die infektiösen Zimmer durften. Für das Putzen normaler Patientenzimmer habe ich bis vor einigen Tagen meist keinen Mundschutz getragen. Mittlerweile bekomme ich immer einen, der dann allerdings für die gesamte Schicht ausreichen muss. Schutzausrüstung ist derzeit auch in unserer Klinik knapp.

Wir putzen im Moment alle besonders gründlich. Auch das Putzmittel, das wir nehmen, ist wegen Corona ein stärkeres. Da läuft schon mal die Nase und der Hals ist gereizt, manchmal tränte bei mir auch das Auge. Aber das gehört nun mal dazu.

Ich glaube, man denkt, wir Reinigungskräfte, sind einfach austauschbar. Aber das sind wir nicht. Es gibt ja spezielle Schulungen, sogenannte Hygieneunterweisungen. Und nicht jeder arbeitet gleich gründlich.

Ich finde, es würde Sinn machen, wenn auch wir Putzfrauen in den Krankenhäusern regelmäßig auf Corona getestet werden, wenn wir zum Beispiel Erkältungsanzeichen haben. Aber vermutlich hat man Angst, dass alles zusammenbrechen würde, wenn Teile des Personals positiv wären. Mir geht es aber zum Glück gesundheitlich gut, und ich will gerne mithelfen, dass wir gemeinsam das Virus besiegen."

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