Coronapandemie in Sachsen Wo Deutschlands Impfquote am niedrigsten ist

Sachsen ist im bundesweiten Vergleich Schlusslicht bei den Immunisierungen gegen das Coronavirus. Neue Daten zeigen, in welchen Regionen des Bundeslandes die Impfkampagne am meisten stockt – und wo es viel besser läuft.
Kartendarstellung des Impffortschritts in Sachsen

Kartendarstellung des Impffortschritts in Sachsen

Der Spiegel

Als im März 2020 die Coronazahlen in Deutschland stiegen, geschah dies vor allem im Westen des Landes. In Sachsen hingegen gab es nur relativ wenige Fälle. Kein Wunder, dass das Coronavirus dort zunächst unterschätzt wurde. Von einer Pandemie war in Sachsen wenig zu spüren, außer durch strenge Gegenmaßnahmen, die vielen übertrieben erschienen.

Umso härter wurde das Bundesland von der zweiten und dritten Welle getroffen. Pro Einwohner gab es deutlich mehr Infizierte und Tote als in den anderen Bundesländern . Und auch bei den Impfungen, die als der beste Ausweg aus der Pandemie gelten, steht Sachsen bundesweit bislang am schlechtesten da. Der Anteil vollständig Geimpfter liegt aktuell bei 48 Prozent, in ganz Deutschland beträgt er 54 Prozent. Spitzenreiter Bremen kommt auf 64 Prozent.

Sachsen hat nun regional aufgeschlüsselte Impfquoten veröffentlicht. Sie zeigen große Unterschiede innerhalb des Bundeslandes. Im Erzgebirgskreis und im Landkreis Bautzen, östlich von Dresden, ist die Impfbereitschaft am niedrigsten. Dort liegt die Quote vollständig Geimpfter bei nur 37 bis 38 Prozent – der wohl bundesweit niedrigste Wert.

Insbesondere das Erzgebirge war im Herbst und Winter durch hohe Infektions- und Todeszahlen aufgefallen. Dort sind auch die »Freien Sachsen« aktiv, eine Partei, die vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet und kürzlich als rechtsextrem eingestuft wurde. Coronaproteste haben die Partei bekannt gemacht. In der Region ist auch die evangelikale Gruppe »Christen im Widerstand« aktiv, die Anti-Corona-Maßnahmen als »Pläne des Satans« bezeichnet hat und von Menschen fabuliert, die versklavt würden. Eine Studie der TU Dresden zeigte zudem, dass viele Menschen in Sachsen der Politik massiv misstrauen.

Wie die Karte oben zeigt, gibt es jedoch auch in Sachsen mehrere Kreise, deren Impfrate etwa dem Bundesdurchschnitt entspricht oder sogar deutlich darüberliegt. Der Vogtlandkreis steht beispielsweise mit 63 Prozent fast genauso gut da wie Bremen, das Bundesland mit der höchsten Quote. Chemnitz und der Landkreis Görlitz haben Quoten von 55 beziehungsweise 56 Prozent.

Die Daten aus Sachsen enthalten allerdings einige Unschärfen, weil Impfungen dem Ort zugeordnet wurden, an dem sie erfolgt sind und nicht dem Wohnort der geimpften Person. Eine Person aus der Stadt Leipzig beispielsweise, die keinen Termin im Impfzentrum Leipzig bekommen hat, dafür aber in Grimma, das im Landkreis Leipzig liegt, zählt somit als geimpfte Person des Landkreises und nicht der Stadt. Den generellen Trend dürften die Daten jedoch trotzdem gut abbilden.

Regionale Impfdaten liegen auch aus einigen anderen Bundesländern vor, etwa aus Baden-Württemberg. Das Bundesland steht aktuell bei 55 Prozent vollständig Geimpfter. Aber auch in Baden-Württemberg gibt es regionale Unterschiede, auch wenn diese nicht ganz so groß sind wie in Sachsen, wie die folgende Karte zeigt.

Pforzheim weist mit 41 Prozent die niedrigste Quote auf – nur vier Prozentpunkte über der Zahl aus dem Erzgebirge. An der Spitze liegt Baden-Baden mit 60 Prozent.

Stärkere regionale Unterschiede zeigen sich auch in den Daten aus Nordrhein-Westfalen. Das einwohnerstärkste Bundesland liegt bei den vollständig Geimpften mit 56 Prozent zwei Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt.

Die niedrigste Impfquote haben Kleve und Gütersloh mit je 48 Prozent. An der Spitze liegt mit 67 Prozent der Kreis Olpe – ein Unterschied von fast 20 Prozentpunkten. Allerdings bestehen auch in den Daten aus NRW Unsicherheiten, weil sie auf den Angaben zum Impfort basieren und nicht auf Wohnortdaten der Geimpften.

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