Supermarkt bleibt in Coronakrise auf Ware sitzen Lager mit Klopapier voll "bis oben hin"

Für seine Kunden orderte Dirk Bruns in der Coronakrise in großem Stil Klopapier. Als es endlich da ist, will es keiner mehr haben. Anruf bei dem Supermarktinhaber, der es künftig mit den Franzosen halten will.
Dirk Bruns zwischen jeder Menge Klopapier: Schaden von 20.000 Euro

Dirk Bruns zwischen jeder Menge Klopapier: Schaden von 20.000 Euro

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privat

SPIEGEL: In Ihrem Supermarkt in Friedrichsfehn bei Oldenburg haben Sie diese Woche riesige Mengen Toilettenpapier verschenkt. Wie kam es dazu?

Dirk Bruns: Wir standen vor Ostern vor leeren Regalböden und bekamen selten überhaupt Toilettenpapier zugeteilt, das uns dann aus der Hand gerissen wurde. An unseren Kassen feindeten sich Kunden an, wenn es jemand wagte, zwei Packungen aufs Band zu legen. Im Markt wurden wir als unfähig beschimpft, weil wir nicht in der Lage seien, Klopapier ranzuschaffen.

SPIEGEL: Und darauf haben Sie reagiert.

Bruns: Mit einem Kollegen kam ich auf einen Händler im Ausland, der eine Probe schickte: dreilagig, zwölfrollig. Die war okay. Doch diese Lieferung kam nie bei uns an, vielleicht weil er sie woanders noch teurer verkaufen konnte. Dann wurde eine zweite Fuhre in Aussicht gestellt, für die wir keine Probe mehr erhielten, die wir in unserer Not aber mündlich zusagten. Doch die Lieferung aus Portugal kam mit dreieinhalb Wochen Verspätung, sodass wir die Rushhour der Osterkäufer verpassten - und dann war die Ware auch noch von deutlich schlechterer Qualität.

SPIEGEL: Was stimmt denn nicht mit dem Klopapier?

Bruns: Es ist zweilagig und hart. Jeder, der es mal gekauft hatte, sagte uns: Ist nicht meins. Selbst für 2,22 Euro bekamen wir - bei einem Einkaufspreis von zwei Euro - nur wenige Packungen los. Kurze Zeit später, als unsere normale Handelsware wieder ins Haus kam, dreilagig, vierlagig, mit und ohne Baumwolle, parfümiert und so weiter, wollte das niemand mehr haben, nicht mal mehr für 99 Cent. Erschwerend kam hinzu, dass unsere Edeka-Zentrale auch im Ausland bestellt hatte und ich so noch mal zehn Paletten Toilettenpapier aus Griechenland und Russland abnehmen musste, die auch niemand haben wollte. Insgesamt kamen so 144.000 Rollen aus dem Ausland zu uns.

SPIEGEL: Das heißt, ihr Lager war voll?

Bruns: Bis oben hin! In der Spitze hatten wir 26 Paletten bei uns stehen, wir hatten schon überlegt, jedem unserer etwa 2000 Samstagskunden ein Paket zu schenken. Doch das hatte für uns einen anrüchigen Touch - und was hätten wir in der zweiten Woche gemacht, wenn die Kunden das Toilettenpapier schon in der ersten Woche nicht hätten haben wollen?

SPIEGEL: Also haben Sie es gespendet.

Bruns: Der Schaden von 20.000 Euro war ja bereits da. Ehe wir für das Papier noch eine Halle angemietet hätten oder es in die Papierpresse gekommen wäre, haben wir es jetzt gemeinnützigen Einrichtungen gegeben: Tafeln, Sportvereinen, Kitas, der Feuerwehr. Sie konnten das Papier palettenweise abholen. Jetzt ist fast alles weg.

SPIEGEL: Und was machen Sie bei einer zweiten Infektionswelle?

Bruns: Ich hoffe, dass es die nicht gibt. Wir arbeiten hier jeden Tag acht Stunden lang mit Mundschutz, um uns und unsere Kunden zu schützen. Doch leider gibt es viele Menschen, denen schon die Viertelstunde mit Maske beim Einkaufen zuwider ist. Während des Lockdowns galten wir als Dienstleister als systemrelevant, doch inzwischen werden wir wieder angemeckert, wenn wir auf die Maskenpflicht hinweisen.

SPIEGEL: Wenn es also doch erneut zum Lockdown kommt: Müssen Sie dann wieder extra Vorräte Klopapier beschaffen?

Bruns: Nee, ich glaube, wir machen das jetzt wie die Franzosen: Wein und Käse machen mehr Sinn.

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