Bertelsmann-Umfrage zur Coronakrise Frauen übernehmen Großteil der Haus- und Familienarbeit

Wie teilen Paare in der Pandemie die Hausarbeit auf? Umfrageergebnisse zeigen, dass Frauen einen Großteil der Aufgaben übernehmen. Trotzdem halten 66 Prozent der Männer die Aufteilung für gerecht.
Hausarbeit ist einer Studie zufolge immer noch mehrheitlich Frauensache

Hausarbeit ist einer Studie zufolge immer noch mehrheitlich Frauensache

Foto: South_agency / Getty Images

Familien stehen in der Coronakrise oft vor zusätzlichen Aufgaben, etwa durch Homeschooling oder den Wegfall von Betreuungsangeboten. Doch wer übernimmt diese – und auch die allgemeine Hausarbeit? Einer Erhebung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zufolge liegt die Hauptlast bei den Frauen. Für die repräsentative Befragung hatte der Marktforscher Ipsos mehr als 1000 Menschen befragt.

Die Folgen von Einschränkungen im öffentlichen und beruflichen Leben und bei den Betreuungsangeboten für die Kinder belasten demnach vor allem Frauen stark – Kochen, Kinderbetreuung, schulische Unterstützung. Rund 69 Prozent der Frauen gaben an, dass sie überwiegend die generelle Hausarbeit erledigen. Unter den Männern sagten das nur 11 Prozent von sich, wie es in der Erhebung hieß.

Homeschooling, Kochen, Hausarbeit

Ein ähnliches Bild ergab sich beim Homeschooling: Die Frauen übernahmen hier nach eigenen Angaben zu 51 Prozent überwiegend die anfallenden Aufgaben, unter den Männern sagten das 15 Prozent. 62 Prozent der befragten Frauen gaben an, sich überwiegend um die Essenszubereitung zu kümmern, bei den Männern waren es nur 14.

Trotz dieser klaren Zahlen fällt die Wahrnehmung bei den Geschlechtern unterschiedlich aus: Nach Einschätzung der meisten Männer – 66 Prozent – sind Kinderbetreuung und Hausarbeit gerecht verteilt. Aber nicht einmal jede zweite befragte Frau sieht nach Angaben der Stiftung eine gerechte Arbeitsteilung. Rund 43 Prozent gaben an, dass ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwerer falle als sonst. Und 49 Prozent sehen sich körperlich, psychisch und emotional an der Grenze. Bei den Männern geben das ungefähr 30 Prozent an.

Klassische Rollenverteilung »bisher so gut wie gar nicht aufgebrochen«

Zugleich meinte jede zweite Frau, dass schon vor der Pandemie Hausarbeit und Kinderbetreuung ungleichmäßig aufgeteilt gewesen seien. Die Coronakrise hat also laut Bertelsmann Stiftung weniger einen Rückfall in traditionelle Rollen verursacht. Vielmehr zeige sich, dass die klassische Rollenverteilung »bisher so gut wie gar nicht aufgebrochen« gewesen sei. Viele der Aufgaben, die als »traditionell weiblich gelten« seien vor der Pandemie beispielsweise von Kitas, Mensen oder Großeltern übernommen worden. In der Krise würden sie nun »scheinbar selbstverständlich« wieder den Frauen zufallen. Es sei jedoch davon auszugehen, dass bereits in normalen Zeiten eine doppelte Belastung auf den Frauen liege.

Barbara von Würzen, Expertin für Führung und Unternehmenskultur bei der Stiftung, fordert deshalb, dass »sich sowohl Frauen als auch Männer mit ihren privaten und beruflichen Rollen auseinandersetzen, die Aufgabenverteilung in der Familie zur Sprache bringen und mit Rücksicht auf die Belastungen und Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin aushandeln«.

bbr/dpa
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