Wegen Coronakrise Wissenschaftler rechnen mit bis zu 178.510 verhungerten Kindern zusätzlich

Spitzen von mehreren Uno-Organisationen fordern in der Pandemie 2,4 Milliarden Dollar für Ernährungsprogramme für Kinder und Mütter. Besonders vom Hunger betroffen sind Mädchen und Jungen in Südasien.
Ein Junge und sein Vater warten in Sanaa im Jemen an einer Lebensmittelausgabe

Ein Junge und sein Vater warten in Sanaa im Jemen an einer Lebensmittelausgabe

Foto: YAHYA ARHAB/EPA-EFE/Shutterstock

Durch die Folgen der Coronavirus-Pandemie könnten in diesem Jahr einer Studie zufolge fast 180.000 Kinder unter fünf Jahren zusätzlich verhungern. Das berichten Derek Headey vom US-Entwicklungspolitik-Institut IFPRI und Kollegen in der Fachzeitschrift "The Lancet" .

Die Wissenschaftler haben verschiedene Szenarien analysiert und gehen im günstigsten Fall von 111.193 zusätzlichen Todesfällen bei Kindern unter fünf Jahren aus, im schlimmsten Fall von 178.510.

Die Gesundheit der Kinder sei auch dadurch bedroht, dass wichtige Gesundheitsdienste wegen der Pandemie nicht funktionieren. Dazu gehören etwa die Behandlung kranker Kinder und Impfungen.

Vor der Coronakrise seien nach Schätzungen 47 Millionen Kinder unter fünf Jahren mittel bis schwer unterernährt gewesen, heißt es. Durch Ausgangsbeschränkungen und Wirtschaftseinbrüche würden 140 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut getrieben. Sie müssen am Tag pro Person mit weniger als 1,90 Dollar auskommen. Daraus ergebe sich, dass durch die Pandemie in diesem Jahr voraussichtlich 6,7 Millionen Kinder zusätzlich unterernährt sein werden. Mehr als die Hälfte (57,6 Prozent) leben in Südasien, 21,8 Prozent in Afrika südlich der Sahara.

Kleine Kinder seien die größten Leidtragenden der Krise, schreiben die Spitzen von vier Uno-Organisationen in einem Kommentar zu der Studie. "Millionen Kinder laufen Gefahr, nicht zu bekommen, was sie brauchen, um zu überleben und aufzublühen", schreiben sie.

"Vor sieben Monaten wurden die ersten Covid-19-Fälle gemeldet, und es wird immer deutlicher, dass die Auswirkungen der Pandemie den Kindern mehr Schaden zufügen als die Krankheit selbst", sagte die Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Dafür gibt es ihr zufolge mehrere Gründe: "Haushaltsarmut und Ernährungsunsicherheit nehmen zu. Grundlegende Ernährungsdienste und Versorgungsketten wurden unterbrochen. Die Lebensmittelpreise sind in die Höhe geschossen."

Es seien umgehend mindestens 2,4 Milliarden Dollar nötig, um diese Kinder vor den schlimmsten Folgen zu schützen. Das Geld bräuchten humanitäre Hilfsorganisationen, um Kinder und Mütter bis Ende des Jahres mit Ernährungsprogrammen zu unterstützen. Mit dem Geld müssten unterernährte Kinder behandelt, Mangelernährung ergänzt und zusätzlich Vitamin A ausgegeben werden. Ebenso wollen die Uno-Organisationen damit neue Aufklärungskampagnen über den Nutzen des Stillens in den ersten beiden Lebensjahren finanzieren.

Unterzeichner sind die Spitzen der Uno-Organisationen für Kinder (Unicef), Henrietta Fore; für Agrar und Nahrung (FAO), Qu Dongyu; für Ernährung (WFP), David Beasley; sowie Gesundheit (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus.

bbr/dpa