Lockerung der Corona-Beschränkungen Deutsche suchen wieder Kontakt

Ende März trafen sich viele Menschen kaum noch mit Freunden oder Bekannten. Nun zeigen Daten: Die persönlichen Kontakte nehmen deutlich zu.
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DER SPIEGEL

Zuerst kamen Verunsicherung und Angst, dann die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote wegen der Corona-Pandemie. Menschen durften höchstens noch zu zweit unterwegs sein. Einzige Ausnahme: Familien und Personen, die gemeinsam in einem Haushalt leben.

Repräsentative Umfragedaten der Universität Mannheim zeigen nun, wie konsequent die Deutschen Social Distancing betrieben haben - und dass sie inzwischen wieder öfter Freunde und Bekannte treffen. Und das, obwohl die Bundesregierung sich noch eindeutig positioniert: "Minimieren Sie Ihre Kontakte auf das absolut Notwendige. Verreisen Sie nicht - weder ins Ausland noch im Inland, auch nicht zu Verwandten. Diese Regeln gelten vorerst bis zum 3. Mai", so die Regeln, die auf der Homepage der Bundesregierung stehen.

Ende März hatten nur noch 30 Prozent der Befragten erklärt, sich in den vergangenen sieben Tagen mindestens einmal mit Freunden oder Bekannten getroffen zu haben. Inzwischen ist dieser Wert auf rund 60 Prozent gestiegen - siehe Diagramm oben.

"Etwa seit der Osterwoche nimmt die Anzahl der sozialen Begegnungen in der Freizeit wieder zu", berichtet das Team von Annelies Blom . Dieser Trend zeichne sich in allen betrachteten Bevölkerungsgruppen ab.

Die Entwicklung passt auch gut zu bundesweit erhobenen Mobilfunkdaten, die Rückschlüsse auf die Mobilität der Menschen erlauben. Wenn ein Mobiltelefon eine Funkzelle verlässt und später für mindestens 15 Minuten die neue Position nicht mehr ändert, zählt dies als eine Bewegung. Wie sich Handybesitzer dabei bewegen, ob zu Fuß, mit der Bahn oder mit dem Auto, spielt keine Rolle.

Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung der Bewegung im Vergleich zu Durchschnittszahlen aus dem März 2019. Die Daten stammen von Telefónica, ausgewertet haben sie das Unternehmen Teralytics und Forscher der Humboldt-Universität Berlin. Der Kurvenverlauf ist ähnlich wie bei den Kontakten.

Beim Hochfahren ihres Soziallebens lassen die meisten Menschen offenbar eine gewisse Vorsicht walten. Der Anteil der Personen, die sich mehr als einmal mit Freund, Freundin oder Bekannten getroffen haben, hat sich laut den Mannheimer Umfragedaten nur minimal erhöht. Dies zeigen die blauen Balken im folgenden Diagramm. Zum Vergleich sehen Sie in der Säule ganz links Werte vom 8. März - also deutlich vor Beginn der Vorsichtsmaßnahmen.

Die Daten zum Kontaktverhalten stammen aus der Mannheimer Corona-Studie , in der Soziologen seit dem 20. März jeden Tag rund 500 Teilnehmer eines 4000 Personen umfassenden repräsentativen Panels befragen.

Die Antworten geben auch Hinweise auf sich ändernde Stimmungen und Einstellungen der Befragten. So ist die Sorge vor dem Coronavirus inzwischen kleiner geworden.

Ein weiteres Ergebnis der Befragungen: Menschen, die sich stark vom neuartigen Coronavirus bedroht fühlen, haben weniger private Begegnungen.

Die Akzeptanz der Maßnahmen gegen die Pandemie ist auch nach mehrwöchigen Einschränkungen hoch. Einen deutlichen Rückgang gab es allerdings beim Punkt Schließung öffentlicher Einrichtungen. Hier dürften auch die aktuellen Diskussionen um die Aufnahme des Schulbetriebs  eine Rolle spielen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Kampfes gegen Corona treiben immer mehr Menschen um. Noch aber bewertet die Mehrheit der Befragten den gesellschaftlichen Nutzen der Beschränkungen höher als die ökonomischen Schäden.

Doch der Anteil der Kritiker steigt stetig. Waren es am 20. März noch 27 Prozent, die die wirtschaftlichen Folgen für schwerwiegender einstuften, liegt der Wert nun bei 37 Prozent. Hier könnte die Stimmung in den kommenden Wochen tatsächlich kippen.