Corona-Lockerungen Es wird wieder eng in den Einkaufsstraßen

Wochenlang waren Deutschlands Innenstädte wegen der Corona-Gefahr verwaist. Nun haben viele Geschäfte wieder geöffnet - und auf den Straßen wird es bedrohlich eng.
Hohe Straße in Köln: Die Reproduktionszahl R stieg zuletzt wieder auf 1,1

Hohe Straße in Köln: Die Reproduktionszahl R stieg zuletzt wieder auf 1,1

Foto: Marius Becker/ DPA

Nachdem die Shoppingzonen deutscher Städte wochenlang wie leer gefegt waren, kehren die Menschen inzwischen wieder zurück. Dies zeigen Daten des Portals Hystreet.com , die der SPIEGEL ausgewertet hat.

Vergleicht man die aktuellen Passantenzahlen mit Durchschnittswerten aus 2019, liegen die Werte teils bereits bei 70 Prozent und mehr.

In vielen deutschen Einkaufsstraßen wie der Königsallee in Düsseldorf oder der Frankfurter Zeil werden die Passanten mit Laserscannern gezählt - 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Wir zeigen die Passantenzahlen der vergangenen 13 Tage in den Diagrammen stundengenau.

Am 1. Mai, einem Freitag, waren die Zahlen wegen des Feiertags deutlich niedriger. Zur besseren Einordnung sind die durchschnittlichen Passantenzahlen des Vorjahres (Monate April bis Oktober) grau in die Diagramme eingezeichnet.

Die Daten unterscheiden sich je nach Region. Am Hamburger Jungfernstieg beispielsweise haben die Werte aktuell noch nicht 50 Prozent der Durchschnittszahlen von 2019 erreicht.

Auf der Frankfurter Zeil ist die Passantendichte hingegen schon viel näher dran an den Vergleichszahlen aus dem Vorjahr - zumindest unter der Woche.

Die Unterschiede von Stadt zu Stadt haben natürlich mit der Lockerungspolitik des jeweiligen Bundeslandes zu tun - nicht überall waren oder sind bereits alle Geschäfte wieder offen.

Eine Rolle spielt sicher auch die unterschiedliche Nutzung der Einkaufsstraßen. Wenn sich Shopping-Distrikte und Büros stärker mischen wie rund um die Frankfurter Zeil, ergibt sich ein anderes Bild als in reinen Einkaufsstraßen. 

Auch die für ihre Luxusläden bekannte Düsseldorfer Königsallee, meist nur Kö genannt, nähert sich normalen Passantenzahlen.

Aber auch hier ist auffällig, dass am gestrigen Samstag nur etwa halb so viele Menschen unterwegs waren wie üblicherweise - unter der Woche war der Anteil deutlich höher.

Ganz ähnlich sieht die Lage in der Leipziger Petersstraße aus.

Die Passantenzahlen könnten in den kommenden Tagen und Wochen weiter steigen, wenn vielerorts auch Cafés und Restaurants wieder öffnen dürfen.

Den Zustand von wirklicher Normalität werden die Shoppingzonen aber trotzdem so schnell nicht erreichen. Denn beim Einkaufen gilt die Maskenpflicht, zudem müssen die Abstandsregeln weiterhin eingehalten werden.

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Geschäfte stellt eine zweite Infektionswelle dar. Sollte sich das Coronavirus in den kommenden Wochen und Monaten wieder stärker ausbreiten, drohen erneute Schließungen. Angaben des Robert Koch-Instituts zufolge steckte zuletzt im Schnitt wieder ein Corona-Infizierter mehr als eine andere Person an - die viel zitierte Reproduktionszahl R stieg auf 1,1

Die bundesweit eingeführten Lockerungsmaßnahmen könnten zu einer solchen Welle führen, wenn viele Menschen sich wieder deutlich näher kommen und unvorsichtiger agieren. Wie sich die Lockerungen letztlich auswirken, werden die kommenden Wochen zeigen.

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