Internationale Studie Mehr als fünf Millionen Kinder erlebten Corona-Todesfälle im engsten Familienumfeld

Zahlreiche Kinder wurden durch Corona zu Halb- oder Vollwaisen: Eine Studie zeigt, dass häufiger Väter als Mütter starben. Die Forscher fordern mehr Unterstützung für Kinder, die enge Bezugspersonen verlieren.
Beerdigung eines Coronatoten in der peruanischen Hauptstadt Lima im April 2021

Beerdigung eines Coronatoten in der peruanischen Hauptstadt Lima im April 2021

Foto: Rodrigo Abd / dpa

Weltweit haben mindestens 5,2 Millionen Kinder und Jugendliche einer Studie zufolge bis zum vergangenen Herbst im Zusammenhang mit der Coronapandemie einen Elternteil oder Sorgeberechtigten verloren. Damit übersteigt ihre Zahl die in dem Untersuchungszeitraum (März 2020 bis Oktober 2021) verzeichneten fünf Millionen Corona-Todesfälle, zeigt eine Veröffentlichung im Fachmagazin »Lancet Child Adolescent Health« .

Das bedeutet, dass für jeden Coronatoodesfall mehr als ein Minderjähriger oder eine Minderjährige kommt, der oder die einen Elternteil oder Sorgeberechtigten verloren hat. Für ihre Auswertung bezogen sich die internationalen Forscher verschiedener Universitäten auf verfügbare offizielle Daten zu den in den jeweiligen Nationen verzeichneten Corona-Todesfällen sowie zur Übersterblichkeit und stellten auf dieser Basis Modellierungen an.

Hohe Dunkelziffer befürchtet

Die genannten Zahlen könnten den Forschern zufolge auch noch rückwirkend ansteigen, wenn sich die Datenqualität verbessert. In vielen Regionen wird mit einer extrem hohen Dunkelziffer gerechnet.

Zwei von drei Minderjährigen, die in der Pandemie einen Elternteil oder eine sorgeberechtigte Person verloren, waren im Alter von 10 bis 17 Jahren. Außerdem wird aus den Daten sehr deutlich, dass Männer häufiger an Covid-19 gestorben sind als Frauen: Drei von vier Kindern und Jugendlichen, die den Tod eines Elternteils erlebten, verloren ihren Vater. Unter den von den Forschern erfassten Toten befinden sich auch sorgeberechtigte Großeltern und Großeltern, die im selben Haushalt wohnen wie die Kinder.

Erhöhtes Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen

Außerdem zeigten sich enorme regionale Unterschiede: Während in Indien in dem Zeitraum rund 1,9 Millionen Kinder einen Verlust erlitten und in Mexiko 192.000, waren es in Deutschland 2400. 1800 davon verloren ihren Vater, 600 die Mutter.

Die Forscher sprechen sich auf Basis ihrer Auswertung dafür aus, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, die Eltern oder enge Bezugspersonen verloren haben, stärker politisch zu berücksichtigen. So müssten entsprechende Programme geschaffen werden, die auf ihre speziellen Erfahrungen eingehen. Insbesondere bei Jugendlichen bestehe ansonsten ein erhöhtes Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen, negative Auswirkungen auf die Bildung oder ihre Bindung zur Familie.

bbr/dpa
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