"Querdenken"-Protest in Leipzig Mehr als 20.000 Menschen auf der Straße – Demo wegen Corona-Verstößen aufgelöst

Tausende kamen, kaum jemand hielt sich an die Corona-Schutzmaßnahmen: In Leipzig haben die Behörden eine Großdemo des "Querdenken"-Bündnisses aufgelöst. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Lage chaotisch.
Dichtes Gedränge im Stadtzentrum: Großdemo in Leipzig

Dichtes Gedränge im Stadtzentrum: Großdemo in Leipzig

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FILIP SINGER/EPA-EFE/Shutterstock

Nach zahlreichen Verstößen gegen die Versammlungsauflagen hat die Stadt Leipzig die "Querdenken"-Großkundgebung gegen die Corona-Politik aufgelöst. Das teilte die Stadt auf Twitter mit. Die Veranstalter riefen die laut Polizei etwa 20.000 Menschen auf dem Augustusplatz in der Innenstadt auf, dem zu folgen – dieser Aufforderung widersetzten sich zunächst jedoch viele.

Bei der Demonstration hatten zuvor die allermeisten Teilnehmer gegen die Corona-Regeln verstoßen. So hatte kaum jemand eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen oder den Mindestabstand von 1,50 Metern zu anderen Menschen eingehalten. Daraufhin hatte die Polizei die Versammlungsfläche am Mittag deutlich vergrößert.

Die Polizei hatte zuvor bereits darauf hingewiesen, dass die Teilnehmerzahl einen Verstoß gegen die Auflagen dargestellt habe: Angemeldet waren lediglich bis zu 16.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Polizei ging eigenen Angaben zufolge von mehr als 20.000 bis zum frühen Nachmittag aus.

Viele der Teilnehmer sind nach Abbruch der Demo in umliegenden Straßen unterwegs, wie SPIEGEL-Reporter Edgar Lopez berichtet. Demzufolge ist die Situation in der Innenstadt am Abend unübersichtlich, die Stimmung extrem aufgeheizt. Unter anderem flögen Gegenstände und Pyrotechnik vor allem in Richtung der Polizei, zudem komme es zu Rangeleien und Prügelattacken.

Auch auf Twitter verbreitete Videos zeigen, dass es zu Übergriffen aus Gruppen heraus kommt und die Polizei mit der Lage offenkundig überfordert ist. Eine Polizeikette wurde von Demonstrierenden überrannt, die Beamten zogen sich daraufhin zurück.

Die Polizei äußerte sich zu den Vorgängen verhalten. "Teilnehmer der ehemaligen Versammlung führen einen von der Versammlungsbehörde als verbotenen einklassifizierten Aufzug durch", teilte die Behörde auf Twitter mit. An Absperrungen sei es zu "zahlreichen Übergriffen" auf Beamte gekommen.

Einige der Demonstranten skandierten "Frieden Freiheit, keine Diktatur" und "Merkel muss weg". Das "Bündnis Leipzig nimmt Platz", das einen Gegenprotest organisiert hatte, rief am Abend dazu auf, sich zurückzuziehen: "Wir schätzen die Lage als zu gefährlich ein", schrieb das Bündnis auf Twitter.

Demo war juristischer Streit vorausgegangen

Der Großdemo war ein juristischer Streit vorausgegangen: Das Oberverwaltungsgericht Bautzen (OVG) hatte entschieden, dass die Kundgebung mit 16.000 Menschen auf dem Augustusplatz stattfinden darf. Damit kippte das OVG die Entscheidung des Verwaltungsgerichts, das am Freitagabend die Auflagen der Stadt zunächst bestätigt hatte. Die Stadt wollte die Kundgebung auf die Parkplätze der Neuen Messe verlegen – etwa neun Kilometer vom Zentrum entfernt.

Ebenfalls im Stadtzentrum versammelten sich Hunderte Gegendemonstranten. Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts sei eine "offizielle Zulassung eines Superspreader-Events mit Ansage", sagte Irena Rudolph-Kokot vom "Bündnis Leipzig nimmt Platz". Es sei eine Zumutung für die Stadt und die Bürger, dass ohne Einhaltung von Abstand auf viel zu kleinem Raum demonstriert werde. Damit werde die Corona-Schutzverordnung ausgehebelt, die Menschen kämen sich "verarscht" vor.

Bereits am Freitagabend hatten sich in Leipzig rund 200 Menschen auf dem Marktplatz versammelt. Sie meldeten laut Polizei eine spontane Demonstration an, auf der sie gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen protestierten. Viele Teilnehmer trugen keine Masken und hielten auch den Mindestabstand nicht ein. Ein Polizeisprecher sagte, es seien Videoaufnahmen gemacht worden, und es werde eine Anzeige gegen die Versammlungsleiterin erstattet.

mxw/dpa
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