Last-minute-Einkäufe vor dem Lockdown Shoppen, es gibt ja kein Morgen

Weil der Einzelhandel am Mittwoch schließen muss, sind die Passantenzahlen in deutschen Innenstädten deutlich gestiegen. In Frankfurt etwa war am Montag so viel los wie am Wochenende. Die Datenanalyse.
Foto: Der Spiegel

Lange Schlangen vor den Geschäften – das kannten vor Corona viele Deutsche nur aus den Erzählungen ihrer Großeltern. An diesem Montag warteten jedoch in vielen Einkaufsstraßen zwischen Hamburg und München besonders viele Menschen vor den Kaufhäusern.

Das Gedränge vor den Geschäften war vorhersehbar, denn viele müssen ab Mittwoch schließen. So hatten es Bundesregierung und Ministerpräsidenten am Sonntag beschlossen, damit die hohen Corona-Infektionszahlen hoffentlich endlich sinken.

Wer noch Weihnachtsgeschenke in einem Ladengeschäft und nicht online kaufen wollte, dem blieben fürs Last-minute-Shopping nur noch zwei Tage. Und so waren am Montag in Deutschlands Innenstädten deutlich mehr Menschen unterwegs als eine Woche vorher.

Der SPIEGEL hat Daten des Unternehmens Hystreet.com ausgewertet, das mit Lasergeräten Passanten in Einkaufsstraßen bundesweit zählt. Nahezu bundesweit sind die Zahlen demnach am Montag gestiegen. Auf der Frankfurter Zeil waren sogar fast so viele Passanten unterwegs wie am Samstag, üblicherweise der Wochentag mit den höchsten Zahlen.

Einzige Ausnahme war das Bundesland Sachsen: Dort mussten die Geschäfte bereits am Montag schließen. Sachsen verzeichnet derzeit bundesweit die meisten Corona-Infektionen pro Einwohner, die Landesregierung hatte daher einen regionalen Shutdown beschlossen.

Auch wenn die Passantenzahlen am Montag vielerorts gestiegen sind, liegen sie jedoch immer noch deutlich unter dem Niveau des Jahres 2019. In den Diagrammen oben sind die Passantendaten aus dem gleichen Zeitraum des Vorjahres grau hinterlegt. In der Pandemie meiden offenbar viele Menschen die Einkaufsstraßen. Die Zahlen dürften aber auch niedriger sein, weil den Stadtzentren in diesem Winter eine wichtige Attraktion fehlt: die Weihnachtsmärkte.

Auf den Straßen waren jedoch trotzdem mehr Autos unterwegs als normalerweise – nur in Sachsen nicht. Dies zeigen Daten des Navigationsanbieters TomTom.

Dahinter dürfte ein verändertes Mobilitätsverhalten stehen: Aus Angst vor Infektionen meiden viele Menschen in diesen Wochen den öffentlichen Nahverkehr. Die Nutzungszahlen sind mit Beginn der Pandemie gesunken. Dafür ist die Fahrradnutzung gestiegen, und nun im kalten Winter auch der Autoverkehr.

Am Montag zeigte sich zudem im Tagesverlauf ein etwas anderes Muster als sonst üblich. Anstatt einer klaren morgendlichen und abendlichen Rushhour ist in den Diagrammen auch mitten am Tag ein hohes Verkehrsaufkommen sichtbar (auch hier mit der Ausnahme von Sachsen). Dies spricht dafür, dass viele Menschen angesichts der bevorstehenden Geschäftsschließungen die Chance nutzten, um letzte Weihnachtseinkäufe vor Ort zu erledigen.

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