Deutschland im Shutdown Mobilität bis Ende Dezember deutlich gesunken

Der Shutdown im November zeigte kaum Wirkung, Mitte Dezember wurden die Maßnahmen verschärft. Seitdem ist die Mobilität in Deutschland deutlich zurückgegangen.
Die Mobilität in Deutschland ist rückläufig

Die Mobilität in Deutschland ist rückläufig

DER SPIEGEL

Beim Shutdown ab dem 2. November wollten die Ministerpräsidenten Schulen und Geschäfte unbedingt offen halten. Das Ergebnis ist bekannt: Die Zahl der bestätigten Infektionen sowie die Todeszahlen stiegen weiter. Die Kontakte der Menschen gingen offenbar kaum zurück.

Dies zeigen auch Mobilitätsdaten, die Forscher der Humboldt-Universität seit Beginn der Pandemie berechnen . Die Menschen bewegten sich im November zwar etwas weniger als noch im September und Oktober. Der Rückgang war jedoch bei Weitem nicht so stark wie bei der ersten Welle Ende März. Entsprechend dürften auch die Kontakte nicht so stark gesunken sein, um das Infektionsgeschehen abzubremsen.

Es folgte die Verschärfung des Shutdowns ab dem 16. Dezember. Ab diesem Tag mussten deutschlandweit Kitas, Schulen und viele Geschäfte schließen. In Sachsen, wo die Infektionszahlen besonders hoch waren und sind, galt der Shutdown sogar schon ab dem 14. Dezember.

Und tatsächlich ist dann zumindest die Mobilität bis Ende Dezember deutlich zurückgegangen – siehe folgendes Diagramm:

Die Mobilität berechnen die Forscher der Humboldt-Universität anhand von anonymisierten Daten von Telekom- und Telefonica-Kunden. Dazu zählen sie rund um die Uhr die Bewegungen von Handys. Als Bewegung gilt, wenn ein Mobiltelefon eine Funkzelle verlässt und später für mindestens 15 Minuten die neue Position nicht mehr ändert. Wie sich Menschen dabei bewegen, ob zu Fuß, mit der Bahn oder mit dem Auto, spielt keine Rolle.

Der Tag mit den meisten Bewegungen in den letzten vier Monaten des Jahres 2020 war demnach der 21. September. An diesen Tag wurden über sieben Tage gemittelt 198 Millionen Bewegungen erfasst. Am 28. Dezember, dem Montag nach Weihnachten, lag der Mittelwert nur noch bei 111 Millionen – ein Minus von 44 Prozent.

Münchner Flughafen am 26. Dezember

Münchner Flughafen am 26. Dezember

Foto: Matthias Schrader / AP

Dass die Mobilität ab dem 16. Dezember gesunken ist, hängt natürlich auch mit der Verschärfung des Shutdowns zusammen. Wenn Millionen Kinder und Jugendliche nicht mehr in die Schule gehen oder gebracht werden, fallen viele Bewegungen weg. Auch die Schließung vieler Geschäfte sorgte dafür, dass Menschen weniger unterwegs waren.

Der starke Rückgang bis zum Jahresende dürfte jedoch auch mit den Feiertagen zu tun haben. Viele Menschen hatten Ende Dezember Urlaub genommen. Es zeichnet sich bereits ab, dass die Mobilität in den ersten Tagen des neuen Jahres wieder gestiegen ist. Zudem ist bislang unklar, wie sich die Familientreffen über die Feiertage auf die Infektionszahlen auswirken, da zwischen den Jahren weniger getestet wurde. Belastbare Zahlen werden Mitte Januar erwartet.