Corona-Beschluss So bereitet sich der ÖPNV auf die verschärfte Maskenpflicht vor

In Bussen und Bahnen sind künftig medizinische Masken vorgeschrieben. Einige Verkehrsverbünde wollen ihre Fahrgäste nun kostenlos mit den Produkten versorgen – zumindest für eine gewisse Zeit.
Ein Mann sitzt mit FFP2-Maske in einer Berliner U-Bahn

Ein Mann sitzt mit FFP2-Maske in einer Berliner U-Bahn

Foto: Christoph Soeder / dpa

Fast die Hälfte der Deutschen (48 Prozent) fühlt sich in der Corona-Pandemie nicht mehr wohl in öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV). Zu diesem Ergebnis kommt nach SPIEGEL-Informationen eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes. Etwas mehr (51 Prozent) der Befragten halten die Gefahr einer Corona-Infektion im ÖPNV – entgegen den Aussagen der Verkehrsunternehmen – nicht für gering.

Entsprechend wünschen sich 89 Prozent der Menschen mehr Verbindungen von Bussen und Bahnen, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. 87 Prozent plädieren für eine restriktivere Durchsetzung der Maskenpflicht, 81 Prozent für eine bessere Belüftung der Fahrzeuge.

Bund und Länder haben sich darauf verständigt, dass in Bussen, Bahnen und Geschäften künftig Masken getragen werden müssen, die besser schützen als Alltagsmasken aus Stoff. Das können OP-Masken sein, FFP2-Masken oder auch KN95-Masken, die einen vergleichbaren Standard haben. Wie gehen Verkehrsbetriebe mit den verschärften Vorschriften um?

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) etwa hat eine Maskenverteilaktion ab Montag geplant. Ausgegeben würden OP-Masken und FFP2-Masken, kündigte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat an. Demnach sollen anfangs in Frankfurt am Main mobile Teams unterwegs sein, um die Masken zu verteilen.

Zunächst gebe es auch die FFP2-Masken kostenlos, hieß es. Später sollen sie zum Selbstkostenpreis ausgegeben werden, auch in den Vertriebsstellen im RMV-Gebiet. Der Verbund habe dazu Hunderttausende Masken bestellt. Oberstes Ziel sei es, dass die Fahrgäste sicher mit Bussen und Bahnen unterwegs sein könnten, sagte Ringat.

Bei der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) gibt es ähnliche Pläne. »Wir geben ab Montag kostenlose Masken – FFP2 sowie chirurgische Masken – an die Fahrgäste aus«, sagte KVG-Sprecherin Andrea Kobarg dem SPIEGEL. Dies geschehe in den Fahrzeugen und in der Servicezentrale am Hauptbahnhof in Kiel.

Laut NDR  ist in ganz Schleswig-Holstein eine Verteilaktion geplant. Die Masken sollen über den Verkehrsverbund NAH.SH verteilt werden, berichtet der Sender unter Berufung auf das Wirtschaftsministerium. ÖPNV-Nutzer und Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe sollen demnach vor Ort kostenlose OP- oder FFP2-Masken erhalten. Unklar sei, wie viele Masken insgesamt herausgegeben würden. Auch der Beginn der Verteilaktion stehe noch nicht fest.

Im benachbarten Hamburg, wo die verschärfte Maskenpflicht bereits seit diesem Freitag gilt, ist eine solche Aktion nicht geplant. »Im HVV werden keine kostenlosen Masken verteilt«, sagte Rainer Vohl, Sprecher des Hamburger Verkehrsverbundes, dem SPIEGEL. »Wir gehen davon aus, dass Fahrgäste entsprechende Masken haben.« Der Senat kündigte an , während einer Übergangsphase bis zum 31. Januar bei Verstößen gegen die erweiterte Maskenpflicht von Bußgeldern absehen zu wollen. Diese sollen erst ab Februar verhängt werden.

»Der persönliche Schutz vor dem Virus ist wichtig und darf keine Frage des Geldbeutels sein«

Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine

In Weimar stellt die Stadtverwaltung eigenen Angaben zufolge für Bedürftige bei Beanspruchung des Sozialtickets kostenlose FFP2-Schutzmasken zur Verfügung. Damit sollten die Betroffenen die »Unterstützung der Gemeinschaft erhalten«, sagte der parteilose Oberbürgermeister Peter Kleine. Zunächst bis Ende April würden dafür monatlich rund 1500 FFP2-Masken bereitgestellt.

Das Sozialticket der Stadt ermöglicht den Bezug einer Monatskarte für die städtischen Buslinien zum halben Preis. Zum Erwerb des Tickets berechtigt sind Empfänger von Arbeitslosengeld II sowie die Empfänger von Beihilfen zum Lebensunterhalt/Grundsicherung und nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Bei der Ausgabe des Tickets bekommen die Berechtigten demnach drei kostenlose Masken nach dem FFP2-Standard. »Der persönliche Schutz vor dem Virus ist wichtig und darf keine Frage des Geldbeutels sein«, so Kleine.

In Berlin sollen nach Angaben des Senats Empfänger von Transferleistungen wie Hartz IV wie schon beim Shutdown im Frühjahr mit Unterstützung der Bezirke kostenlose Masken erhalten, die der dort ab Sonntag geltenden Verschärfung der Maskenpflicht genügen.

In Bayern gilt bereits seit Montag eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken oder einem Mund-Nasen-Schutz mit einem vergleichbaren Standard. Für Bedürftige stellt das Bundesland laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) 2,5 Millionen FFP2-Schutzmasken kostenlos zur Verfügung – zunächst fünf pro Person. Sie sollen über die Kommunen verteilt werden. Zusätzlich will das Bayerische Rote Kreuz 200.000 KN95-Masken zur Verfügung stellen.

»Ich hatte die Sorge, dass bei einer bundesweiten FFP2-Maskenpflicht im ÖPNV und im Einzelhandel nicht genügend Masken zur Verfügung stehen würden, und auch, dass diese Pflicht ein Gefälle zwischen Arm und Reich manifestieren würde«, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Ingo Wortmann, dem SPIEGEL kürzlich in einem Interview. »Soweit ich die Lage hier in Bayern beurteilen kann, ist aber alles gut über die Bühne gegangen und es wurden auch entsprechende Masken an Menschen verteilt, die sich diese nicht leisten können. Deshalb begrüße ich die neue Regel inzwischen, zumal ja explizit auch die preiswerteren OP-Masken in die bundesweite Pflicht mit aufgenommen wurden.«

Mit Material von dpa
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