Eine ungeimpfte Lehrerin berichtet Ich habe mich absichtlich mit Corona infiziert

Eine Frau will sich nicht impfen lassen, der soziale Druck wird immer größer – bis sie sich für einen riskanten Weg entscheidet: Bei einer Bekannten steckt sie sich mit Covid-19 an.
Ein Protokoll von Tobias Lill
Ulrike Huber: »Ich fühlte mich wie ein Mensch zweiter Klasse«

Ulrike Huber: »Ich fühlte mich wie ein Mensch zweiter Klasse«

Foto: Tobias Lill

Gerüchte gibt es schon länger. Der Landrat von Miesbach in Oberbayern sagte zum Beispiel, er habe von sogenannten Leberkäspartys gehört. Zusammenkünfte, bei denen sich Menschen absichtlich mit dem Coronavirus infizieren, um als Genesene die Einschränkungen für Ungeimpfte zu umgehen. »Unverantwortlich und rücksichtslos« sei das, sagte Landrat Olaf von Löwis im November der »Abendzeitung«.

Die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« berichtete kürzlich von Telegram-Gruppen, in denen Impfgegner nach Gelegenheiten suchen, sich anzustecken.

Was bewegt diese Menschen? Wie planen sie die Ansteckung mit dem gefährlichen Virus? Und warum gehen sie das Risiko ein?

Ulrike Huber*, 53 Jahre alt, arbeitet als Lehrerin in einer Schule in Südbayern. Sie hat sich nach eigener Aussage absichtlich bei einer entfernten Bekannten mit dem Coronavirus infiziert, »um dem sozialen Druck ein Ende zu bereiten«. Als sie und ihr Lebensgefährte erkrankten, luden beide wiederum ungeimpfte Verwandte, Bekannte und Freunde ein, die nach eigener Aussage hofften, sich ebenfalls anzustecken.

Das bestätigten dem SPIEGEL neben Huber und ihrem Lebensgefährten drei weitere Personen, die sich dort infizieren wollten. Bei mehreren von ihnen brach die Krankheit laut deren Aussage wie gewünscht aus. Hier berichtet Huber über ihre Gründe für die »verzweifelte Tat« und wie die konspirativen Treffen abliefen.

Huber hält die Vakzine gegen Covid-19 für nicht ausreichend erforscht; eine Sorge vieler Impfskeptiker, obwohl die Datenlage den wissenschaftlichen Standards entspricht, die hierzulande verwendeten Impfstoffe inzwischen an weltweit mindestens mehrere Hundert Millionen Menschen verabreicht wurden – und Forscher mögliche schwere Nebenwirkungen wie Entzündungen des Herzbeutels und Herzmuskels, die in sehr seltenen Fällen auftraten, schnell erkannt und kommuniziert haben.

Das Paul-Ehrlich-Institut kam Ende Dezember in einem Sicherheitsbericht  zur Einschätzung, schwerwiegende Nebenwirkungen seien nach derzeitigem Kenntnisstand »sehr selten und ändern nicht das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis der Impfstoffe«.

Aus Angst vor beruflichen Konsequenzen spricht Ulrike Huber unter Pseudonym. Ihr Klarname ist dem SPIEGEL bekannt. Ihr positiver PCR-Test, ihre Krankschreibung und ihr Genesenenzertifikat liegen vor.

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