Ansteckungsgefahr für Bundespolizisten Castor-Transport wegen Coronavirus abgesagt

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat einen Atommülltransport aus England abgesagt. Er will nach SPIEGEL-Informationen das Infektionsrisiko für 6000 Bundespolizisten vermeiden, die die Gleise sichern sollten.
Polizisten sichern einen Castor-Transport (Archivbild)

Polizisten sichern einen Castor-Transport (Archivbild)

Foto: Fabian Bimmer/ picture alliance / dpa

Eine für die erste Aprilwoche geplante Lieferung von Atommüll aus der britischen Aufbereitungsanlage Sellafield in das Zwischenlager am hessischen Atomkraftwerk Biblis kann wegen des Coronavirus nicht durchgeführt werden. Der Castor-Transport ist »mit sofortiger Wirkung suspendiert«, heißt es in einem Schreiben von Bundespolizeichef Dieter Romann, das dem SPIEGEL vorliegt.

Der Einsatz sei wegen der aktuellen Ausbreitung des Virus »nicht zu verantworten«. Getroffen hat die Entscheidung Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die Bundespolizei sollte die Zugstrecke mit einem Großaufgebot von 6000 Beamten abschirmen.

Bislang geheim gehaltener Termin im April

In Berlin sorgt man sich offenbar, dass so viele Polizisten auf engem Raum eine Massen-Infektion in der Truppe auslösen könnten. Der Castor-Transport, dessen genauer Termin bislang geheim gehalten wurde, sollte der erste von insgesamt vier geplanten Lieferungen aus englischen und französischen Anlagen bis 2024 sein. Die Bundespolizei zählte am Mittwoch dieser Woche bereits 135 Verdachtsfälle und drei bestätigte Corona-Infektionen unter ihren Mitarbeitern.

amp/gud