Häusliche Gewalt in der Coronakrise Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« zählt deutlich mehr Anrufe

Die Fälle häuslicher Gewalt häufen sich während der Coronakrise. Das Hilfetelefon für Frauen zählte 2020 mehr als 51.000 Beratungen. Familienministerin Giffey spricht von einem »Rettungsanker«.
Familienministerin Franziska Giffey stellt den Bericht des Hilfetelefons vor

Familienministerin Franziska Giffey stellt den Bericht des Hilfetelefons vor

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

In der Coronakrise haben die Fälle häuslicher Gewalt zugenommen. Und auch das bundesweite Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen«  hatte mehr zu tun: Die Zahl der Beratungen ist im Coronajahr 2020 deutlich gestiegen.

Wie aus dem Jahresbericht der Beratungsstelle hervorgeht, gab es rund 51.400 Beratungen. Das sei ein Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Anfragen zu häuslicher Gewalt hätten dabei überproportional zugenommen, hieß es vom Bundesfamilienministerium.

»Für viele Frauen ist dieses Hilfetelefon zum Rettungsanker geworden«, sagte Familienministerin Franziska Giffey (SPD) bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Die Coronapandemie sei eine Ausnahmesituation, und wo ohnehin schon eine belastete familiäre Situation vorliege, komme es eher zu Aggressionen oder Gewalt.

Erhöhte Medienpräsenz in der Pandemie

Die gestiegenen Beratungszahlen lassen aber keine direkten Rückschlüsse auf tatsächlich gestiegene Fallzahlen zu. Während der Pandemie habe das Hilfetelefon eine erhöhte Medienpräsenz erzielt, hieß es vom Ministerium. »Die gestiegene Bekanntheit sorgte vermutlich für mehr Kontaktaufnahmen.« Giffey sagte, sie gehe davon aus, dass sowohl die gestiegene Bekanntheit des Angebots als auch ein tatsächlicher Anstieg der Fälle zu mehr Anrufen geführt haben.

Eine Umfrage der »Welt am Sonntag « bei Innenministerien und Landeskriminalämtern in den 16 Bundesländern hatte bereits gezeigt, dass es im vergangenen Jahr im Bereich häusliche Gewalt mehr Fälle gegeben habe. Demnach wurden 158.477 Opfer häuslicher Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner polizeilich registriert – ein Anstieg von sechs Prozent gegenüber 2019.

Das Hilfetelefon wurde im März 2013 eingerichtet. Die Nummer 08000 116 016 ist rund um die Uhr erreichbar. Rund 80 Beraterinnen helfen von Gewalt betroffenen Frauen kostenlos, anonym und vertraulich, auch in mehreren Sprachen. Die Kontaktaufnahme ist auch über Chat oder E-Mail möglich. Neben der Unterstützung in akuten Krisensituationen vermittelt die Hotline betroffene Frauen und Mädchen auch an örtliche Beratungsstellen und an Frauenhäuser, wo sie Schutz suchen können.

ptz/dpa
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