Versäumnisse der Politik "Man hat sich in Sicherheit gewiegt"

Sars, Fukushima und der Tsunami: Hätte Deutschland aus diesen Katastrophen lernen müssen? Der Ökonom Frank Roselieb über Fehlentscheidungen in der Coronakrise.
Ein Interview von Annette Großbongardt
Infektionsabteilung des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg (Archivfoto)

Infektionsabteilung des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg (Archivfoto) 

Foto: Ulrich Perrey/ dpa/ dpaweb

Der Wirtschaftswissenschaftler Frank Roselieb, 50, verfolgt seit mehr als 20 Jahren die Katastrophen dieser Welt - die Terroranschläge vom 11. September, Fukushima und den Tsunami, den Ausbruch von Schweinegrippe, die Sars-Pandemie. Er leitet das Institut für Krisenforschung in Kiel, ein Spin-Off der Christian-Albrechts-Universität, und berät Behörden und Unternehmen bei der Krisenbewältigung.

SPIEGEL: Viele Menschen in Deutschland hoffen darauf, dass nach Ostern das Kontaktverbot gelockert wird und Geschäfte wieder öffnen können. Halten Sie das für realistisch?

Roselieb: Wir haben untersucht, wie lange Menschen Ausgangssperren aushalten. Sechs bis acht Wochen ist das Maximum. Ich gehe schon davon aus, dass man nach Ostern schauen wird, ob man den Menschen nicht doch wieder mehr Bewegungsfreiheit geben kann. Wenn die Maßnahmen aus den Pandemie-Plänen nicht rasch genug greifen oder die Entwicklung eines Impfstoffs zu lange dauert, bleibt als letztes Mittel, bevor Wirtschaft und Gesellschaft völlig zusammenbrechen, noch die sogenannte Durchseuchung der Bevölkerung.

SPIEGEL: Was heißt das?

Roselieb: Nur die Älteren, die Risikogruppen, müssten zu Hause bleiben, die anderen dürften wieder hinaus. Dazu müssten sich allerdings die Ansteckungszahlen stärker verringern. Derzeit sind wir noch um einiges entfernt von den 14 Tagen Verdopplungszeit der Ansteckung, die sich die Kanzlerin zuletzt gewünscht hat. Die Gründe dafür sind nicht klar. Vielleicht hängt es mit den gestrandeten Urlaubern zusammen, die zurückgeholt wurden, rund 200.000 Menschen inzwischen. Bei Ankunft getestet wurde davon bisher nach meinem Kenntnisstand keiner, das war möglicherweise ein Fehler.

SPIEGEL: Hätte die deutsche Regierung strikte Ausgangssperren anordnen sollen wie in Frankreich, Österreich und Italien?

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