Bericht Bundestagsabgeordnete fordern Prostitutionsverbot

16 Parlamentarier von Union und SPD fordern einen langfristigen Shutdown für den Sexkauf. Das Gewerbe habe die Wirkung eines "epidemiologischen Superspreaders".
Bordell auf der Hamburger Reeperbahn (Symbolbild)

Bordell auf der Hamburger Reeperbahn (Symbolbild)

Foto: Christian Charisius/ dpa

Bundestagsabgeordnete aus Union und SPD fordern, Prostitution in Deutschland weiterhin zu verbieten. Der während der Coronakrise verhängte Shutdown für das Gewerbe dürfe nicht gelockert werden, verlangen sie laut der Nachrichtenagentur dpa in einem Brief an die Regierungschefs der Länder.

Sie befürchteten andernfalls Infektionsherde. "Es dürfte auf der Hand liegen, dass Prostitution die Wirkung eines epidemiologischen Superspreaders hätte - sexuelle Handlungen sind in der Regel nicht mit Social Distancing vereinbar", heißt es in dem Papier. Bei der Nachverfolgung von Infektionsketten werde aller Voraussicht nach der Kontakt mit Prostituierten verschwiegen.

Das Schreiben haben 16 Parlamentarierinnen und Parlamentarier unterzeichnet, darunter die Gewerkschafterin Leni Breymaier (SPD), der Vizechef der Unionsfraktion und ehemalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sowie der Mediziner Karl Lauterbach (SPD).

Überdies wollen die Politiker den Sexkauf grundsätzlich untersagen. Es handle sich in den meisten Fällen um eine menschenunwürdige, zerstörerische und frauenfeindliche Tätigkeit, zu der die Frauen gezwungen würden.

Die derzeitige Schließung der Prostitutionsstätten bestätige, dass die Frauen keine eigene Existenz hätten - keine Anmeldung, keine Wohnung und keine Krankenversicherung. Sie seien ihren Zuhältern ausgeliefert. "Diesen Frauen hilft nicht die Wiedereröffnung der Bordelle, sondern eine Ausbildung oder Tätigkeit in einem existenzsichernden Beruf", heißt es in dem Schreiben.

Die Gruppe empfiehlt den Ministerpräsidenten die Einführung von Ausstiegshilfen nach schwedischem Modell. Dieses sieht Sprachkurse für die - in Deutschland überwiegend aus Osteuropa stammenden - Prostituierten sowie Wohnung, Gesundheitsversorgung und Traumatherapie vor.

jpz/dpa