Coronakrise Spanische Soldaten finden Leichen in Pflegeheimen

Verlassene Bewohner, die von Soldaten in ihren Betten aufgefunden wurden - der Zustand in Spaniens Pflegeheimen ist dramatisch. Ein Minister kündigte an, dass es Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geben könnte.
In Spaniens Pflegeheimen herrschen dramatische Zustände, hier wird ein Bewohner aus einer Einrichtung in Vitoria gebracht

In Spaniens Pflegeheimen herrschen dramatische Zustände, hier wird ein Bewohner aus einer Einrichtung in Vitoria gebracht

Foto: Europa Press/ dpa

Bei der Desinfektion von Pflegeheimen wegen der Coronakrise haben Soldaten in Spanien mehrere tote Senioren entdeckt. Die Leichen seien offensichtlich länger unbemerkt geblieben, berichteten die Zeitung "El Mundo", der staatliche Fernsehsender RTVE und andere Medien unter Berufung auf die Militärische Nothilfeeinheit UME. Verkehrsminister José Luis Ábalos bestätigte die Berichte auf einer Pressekonferenz in Madrid.

Man habe noch wenige Informationen, gegebenenfalls werde die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehmen, so Ábalos. Verteidigungsministerin Margarita Robles hatte bereits vor den Berichten im Interview mit dem Fernsehsender Tele5 gesagt, dass Soldaten Bewohner von Pflegeheimen gesehen hätten, die völlig verlassen, wenn nicht sogar tot auf ihren Betten gelegen hätten. Man werde gegen die Verantwortlichen "unerbittlich vorgehen".

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

In der vergangenen Woche hatten mehrere Berichte die Spanier erschüttert, unter anderem waren innerhalb weniger Tage 20 Bewohner des Pflegeheims Monte Hermoso in Madrid gestorben, in einem Heim in Ciudad Real gab es 15 Tote. Bei den meisten Verstorbenen wurde eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt. Auch in anderen Seniorenheimen in Madrid und ganz Spanien starben zahlreiche infizierte Senioren.

Auf Antrag einer Patientenschutzorganisation leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen das Heim Monte Hermoso ein. Nach Angaben der Madrider Stadtverwaltung wurden in diesem Heim neben den Todesopfern mindestens 75 weitere Menschen, darunter Bewohner und Mitarbeiter, mit dem Virus infiziert. Angehörige von Bewohnern sprachen von katastrophalen hygienischen Zuständen und Mangel an Schutzausrüstungen für das Pflegepersonal.

Spanien ist nach Italien das am schlimmsten betroffene europäische Land. Die Zahl der Toten erhöhte sich laut der Johns-Hopkins-Universität in den USA auf 2207, es gibt über 33.000 bestätigte Infektionen.

hba/dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.