Bundesregierung Zahl rassistischer Übergriffe in Deutschland "erschreckend"

Menschen werden beleidigt, bedroht, angegriffen: Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung warnt vor ansteigendem Rassismus und Antisemitismus in der Coronakrise.
Integrationsbeauftragte Widmann-Mauz: "Rassismus zerfrisst das Fundament unserer Demokratie"

Integrationsbeauftragte Widmann-Mauz: "Rassismus zerfrisst das Fundament unserer Demokratie"

Foto: Caroline Blumberg / epa-EFE / REX

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung warnt vor der wachsenden Gefahr durch rassistische und antisemitische Übergriffe während der Pandemie. "In der Coronakrise werden Menschen beleidigt, bedroht, mit Desinfektionsspray besprüht und angegriffen", sagte Annette Widmann-Mauz den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Die Angriffe richten sich gegen Jüdinnen und Juden, gegen Menschen, die als Asiaten gesehen werden, gegen alle Altersgruppen vom Kleinkind bis zur Rentnerin." Die Zahlen der Opferberatungsstellen seien erschreckend, so die CDU-Politikerin. In wenigen Wochen seien mehr als Hundert Berichte über antisemitische und rassistische Übergriffe eingegangen.

"Das zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass wir die Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus jetzt auf die höchste politische Ebene ziehen und dabei auch die Stimmen der Betroffenen Gehör finden", sagte Widmann-Mauz. Rassismus zerfresse "das Fundament unserer Demokratie".

Am Mittwoch hatte der neue Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus zum ersten Mal getagt. Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte danach einen neuen Maßnahmenkatalog zur Vorbeugung gegen Extremismus für das kommende Frühjahr an. Ein erster Entwurf solle im Oktober vorliegen.

Auch Seehofer warnte, dass Extremisten die Proteste gegen die staatlichen Pandemie-Schutzmaßnahmen für ihre Zwecke missbrauchen könnten. "Wir müssen darauf achten, dass Extremisten hier nicht Oberwasser bekommen", sagte der CSU-Politiker.

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hatte schon Anfang des Monats die Einschätzung geäußert, dass antisemitische Verschwörungstheorien und Stereotype durch die Coronakrise zunehmend Auftrieb erhalten.

mxw/dpa