Quarantänepflicht für Reiserückkehrer Aus der Traum vom Sommerurlaub in Portugal

Die Bundesregierung hat Portugal zum Virusvariantengebiet erklärt, Urlauber müssen bei der Heimkehr 14 Tage in Quarantäne. Wer macht das? Wer storniert? Und wer reist übereilt zurück? Vier Reisende erzählen.
Bettina Wanninger (r.) und ihre Freundin Andrea Kappl am vergangenen Freitag in Porto

Bettina Wanninger (r.) und ihre Freundin Andrea Kappl am vergangenen Freitag in Porto

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Wer in diesem Sommer Ferien in Portugal plante, hat Pech gehabt. Die Bundesregierung hat das Land zum Virusvariantengebiet erklärt. Ab Mitternacht am Dienstag muss jeder Rückkehrer 14 Tage in Quarantäne, keine Ausnahmen, auch nicht für Genesene und vollständig Geimpfte. In dieser Zeit dürfen die Menschen weder die eigene Wohnung verlassen noch Besuch empfangen. Diese Regel gilt vorerst für zwei Wochen und kann verlängert werden. Mit diesem Schritt will Deutschland der Ausbreitung der Delta-Variante zuvorkommen. Diese wurde zuerst in Indien entdeckt und führte in Portugal zu rasant steigenden Inzidenzwerten.

Fliegen die Deutschen trotzdem nach Portugal? Wer ist überstürzt zurückgekommen? Und was ist mit denen, die ausgewandert sind und im Sommer die Familie in Deutschland besuchen wollen? Vier Betroffene berichten.

»Es fing so problemlos an«

Bettina Wanninger, 31, arbeitet als Controllerin in der Automobilbranche. Sie und ihre Freundin sind vorzeitig abgereist. Nun planen sie ihre nächste Reise von zu Hause in Regensburg:

»Eine Freundin und ich hatten eine Rundreise von Porto nach Faro geplant. Wir wollten Lissabon großräumig umfahren, weil wir natürlich wussten, dass die Inzidenz dort schnell gestiegen ist. Wir hatten die Nachrichten im Blick. Dass dann ganz Portugal zum Virusvariantengebiet erklärt würde, damit haben wir nicht gerechnet. Wir wollten eigentlich 16 Tage lang unterwegs sein, einen Mietwagen ausleihen, die Nationalparks im Norden besuchen und an der Algarve tauchen. Daraus wurde nichts.

Es fing so problemlos an. Am Freitag haben wir uns in der Früh auf den Weg zum Flughafen gemacht, konnten in Porto noch an einer Stadtführung und einer Portweinprobe teilnehmen. Das war toll – bis ich abends den Newsletter vom Auswärtigen Amt bekommen habe. Von da an war klar: Wir brechen die Reise ab, dabei war noch so viel Tolles geplant. Am Sonntagmittag sind wir wieder zurückgeflogen mit ein bisschen mehr Gepäck wegen des Portweins, den wir mitgebracht haben. Die kurze Reise sollte sich wenigstens etwas lohnen.

Bereut haben wir die Reise nicht, auch wenn wir nur zwei Tage da waren. Das liegt auch daran, weil wir das Glück hatten, über eine Agentur gebucht zu haben. So konnten wir unseren Rückflug ohne Probleme umbuchen und mussten nicht draufzahlen. Wir werden innerhalb der nächsten zwei Tage nach Kreta fliegen und unseren Urlaub fortsetzen, auch über die Agentur. Was wir gelernt haben: Flexibel bleiben lohnt sich.«

»In Quarantäne wollten wir nicht«

Joachim Staat, 62, ist Journalist. Er wollte mit seiner Familie von Hamburg nach Lissabon fliegen, um seine Tochter zu besuchen. Daraus wurde nichts:

»Unsere Tochter studiert seit Mitte April in Lissabon. Zu der Zeit galt Portugal noch als liberaleres Land in Sachen Coronaregeln. Deshalb wollten meine Frau, unsere jüngere Tochter und ich die Große im Urlaub besuchen. Wir haben uns für Juni entschieden, haben Flüge, ein Hotel und PCR-Tests gebucht. Alles in allem für 2500 Euro.

Vergangene Woche wurde dann der lokale Lockdown für Lissabon verkündet. Wir dachten dann schon: Das ist kein gutes Vorzeichen. Wir haben versucht, die Reise zu stornieren, das ging aber nicht wirklich, weshalb wir dann doch am Samstag fliegen wollten. Wir haben am Freitag sogar noch eingecheckt.

Als die Meldung rausging, dass die Rückreise nur unter verschärften Bedingungen stattfinden könne, war es aus. In Quarantäne wollten wir nicht. Also haben wir die Flüge verstreichen lassen. 14 Tage nicht in Präsenz arbeiten zu können, war für uns ein No-Go-Kriterium – übrigens auch für unsere Tochter in Lissabon. Sie hat ihre Wohnung dort aufgegeben und ist heute zurückgeflogen. Das Studium findet ohnehin nicht in Präsenz statt. Sie möchte es von hier fortführen.

Urlaub machen wir trotzdem. Wir fahren nach Kopenhagen. Unsere jüngste Tochter findet das allerdings total uncool.«

»Seit gestern sind wir wieder zurück«

Nanny Falk, 47, Bürokauffrau in der Logistikbranche. Sie musste ihre Reise in Portugal abbrechen. Sie und ihr Mann machen nun zu Hause in Norderstedt Urlaub:

»Mein Partner und ich waren schon am Freitag in Nazaré. Bis zum Abend war alles völlig unkompliziert. Dann habe ich im Nachrichtenticker gelesen, dass die Bundesregierung Portugal zum Virusvariantengebiet erklärt hat. Am nächsten Morgen um halb zehn habe ich den Reiseveranstalter angerufen. Da ging nur der Anrufbeantworter an, der mir mitteilte, dass viel los sei und ich zurückgerufen werde.

So war es. Später klingelte mein Handy. Eine Frau war am anderen Ende. Sie sagte: ›Hallo, ich habe eine ganz schlechte Nachricht für Sie. Morgen früh fliegen Sie zurück.‹ Das ging auch gar nicht anders, weil die Direktflüge aus Portugal schon bald gestrichen werden sollten. Der Reiseveranstalter hatte das im Blick und alles Weitere organisiert. Das war großartig.

Seit gestern sind wir wieder zurück und machen es uns hier schön. Man weiß ja nie, wie lange die Lage hier noch so entspannt ist. Vom Reiseveranstalter bekommen wir übrigens einen Gutschein für die Tage, die wir nicht antreten konnten.«

»So macht die Reise für mich gar keinen Sinn«

David Lütgenhorst

David Lütgenhorst

Foto: David Lütgenhorst

David Lütgenhorst, 37, arbeitet als Sprecher und Moderator. Er lebt in Porto und wollte seine Familie in Deutschland besuchen. Die Reise möchte er jetzt nicht mehr antreten:

»Ich bin vor acht Jahren ausgewandert, lebe in Porto und bin hier seit Monaten gefangen. Erst wegen der Coronaregeln. Dann habe ich mich im Januar selbst mit dem Virus infiziert. Es war also super schwierig für mich, nach Deutschland zu fliegen.

Vor Kurzem hatte ich es endlich geschafft, einen Flug zu buchen. Doch dann hat Deutschland Portugal wieder zum Risikogebiet ernannt. Das gilt hauptsächlich für die Region um Lissabon, aber Porto ist eben auch betroffen. Wer also von Portugal nach Deutschland reisen möchte, muss in Quarantäne. So macht die Reise für mich gar keinen Sinn. Ich müsste 14 Tage im Haus meiner Eltern bleiben, könnte meine Freunde nicht sehen und meine Oma schon gar nicht. Sie lebt im Pflegeheim.

Was jetzt aus den Flügen wird, ist unklar. Ich habe 400 Euro für die Businessclass gezahlt und bekomme dafür keinen Kundenservice. Seit zwei Tagen schon rufe ich an, lande aber nur in der Warteschleife. Jetzt habe ich die Airline sogar schon auf Facebook angeschrieben. Ohne Erfolg. Das frustriert mich.«

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