"Costa Concordia"-Kapitän Schettino bezeichnet Havarie als "banalen Unfall"

Viele sehen in Francesco Schettino den Hauptverantwortlichen für die Katastrophe der "Costa Concordia". Nur einer nicht: der Kapitän selbst. In einem TV-Interview hat er seine Sicht auf die Vorgänge geäußert - und damit für heftige Kritik gesorgt.

AP/ Mediaset

Giglio - Die Liste mit Vorwürfen ist lang: fahrlässige Tötung, Schiffbruch, frühzeitiges Verlassens des Schiffs. Francesco Schettino, Kapitän der verunglückten "Costa Concordia", muss sich wegen all dieser Punkte vor Gericht verantworten. In einem Interview mit dem Fernsehsender Canale 5 hat er sich am Dienstag zu dem Unglück geäußert, bei dem im Januar mindestens 30 Menschen starben.

Schettino bezeichnete die Havarie als einen "banalen Unfall". Sollte ihn eine Schuld treffen, dann bestehe diese darin, wegen eines Telefonanrufs unkonzentriert gewesen zu sein. Ansonsten habe er sich nicht viel vorzuwerfen, sagte der Kapitän. "Am Ende ist es mir gelungen, einen frontalen Aufprall (auf den Felsen) zu verhindern."

Zum Zeitpunkt des Unfalls habe er selbst gar nicht die Kontrolle über das Schiff gehabt, sagte Schettino. Er habe die manuelle Navigation angeordnet und nicht mehr das Kommando gehabt, denn die Richtung sei offiziell vorgegeben gewesen. "Ich habe nie gedacht, dass so etwas passieren könnte", sagte Schettino und bezeichnete sich selbst als ein "Opfer dieses ganzen Systems". "Es ist, als hätte es in allen Köpfen und auch in den Instrumenten einen Blackout gegeben."

Immerhin: In dem Interview bat Schettino die Betroffenen der Schiffskatastrophe um Entschuldigung. "Meine Trauer, meine aufrichtigsten Gefühle gelten den Personen, die leider nicht mehr sind." Er selbst war während der Evakuierung an Land gekommen. Es sei ihm dann unmöglich gewesen, zum Schiff zurückzukehren, wie es der Offizier der Küstenwache telefonisch wiederholt von ihm verlangt hatte.

Das Interview löste im Internet eine Welle der Kritik aus, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. So habe es die Aufforderung gegeben, die Sendung zu boykottieren. In Blogs sei auch von einem Honorar von mindestens 50.000 Euro für Schettino die Rede gewesen, der seit ein paar Tagen nicht mehr unter Hausarrest steht. Die Verantwortlichen der TV-Sendereihe "Quinta Colonna" von Canale 5 haben diese Angaben dementiert.

Die "Costa Concordia" war am 13. Januar mit etwa 4200 Menschen an Bord vor der Insel Giglio im Westen Italiens auf Grund gelaufen, leckgeschlagen und gekentert. Als Grund für das Unglück wird ein Fehler Schettinos angenommen, der zu nah an die Insel herangefahren war.

aar/dpa/dapd

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Seite 1
der_stille_beobachter 11.07.2012
1. Schettino
Auszug aus dem Duden 2013: Schettino, der Wortart: Substantiv, maskulin Gebrauch: Abwertend Bedeutung: Feigling mit absoluter Selbstüberschätzung und aufgeblasenem Ego. Herkunft: In Anlehnung an den Schiffskapitän, der aus persönlichen Eitelkeiten 30 Menschenleben auf dem Gewissen hat.
les2005 11.07.2012
2. Unglaublich
Zitat von sysopAP/ MediasetViele sehen in Francesco Schettino den Hauptverantwortlichen für die Katastrophe der "Costa Concordia". Nur einer nicht: der Kapitän selbst. In einem TV-Interview hat er seine Sicht auf die Vorgänge geäußert - und damit für heftige Kritik gesorgt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,843798,00.html
Schwer zu fassen, daß dieser Mann in Fernsehen auftreten darf, aber der eigentliche Skandal ist daß er nicht in Untersuchungshaft ist, und zwar schon lange.
Barxxo 11.07.2012
3. Schwacher Charakter
Zitat von sysopAP/ MediasetViele sehen in Francesco Schettino den Hauptverantwortlichen für die Katastrophe der "Costa Concordia". Nur einer nicht: der Kapitän selbst. In einem TV-Interview hat er seine Sicht auf die Vorgänge geäußert - und damit für heftige Kritik gesorgt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,843798,00.html
Der oder die wahren Schuldigen sind die Personen, welche dem Unglückskapitän das Patent verliehen haben. Er war nicht geeignet, ein Schiff dieser Größe zu bewegen und der Verantwortung nicht gewachsen. Das zeigt sich auch wieder in diesem Artikel. Genau wie in der Unglücksnacht verschließt er die Augen vor der Realität: Er allein hat das Unglück zu verantworten und er hat 30 Menschenleben auf dem Gewissen. Diese charakterlichen Mängel hätten vorher auffallen müssen.
kordesh 11.07.2012
4. ...
Zitat von sysopAP/ MediasetViele sehen in Francesco Schettino den Hauptverantwortlichen für die Katastrophe der "Costa Concordia". Nur einer nicht: der Kapitän selbst. In einem TV-Interview hat er seine Sicht auf die Vorgänge geäußert - und damit für heftige Kritik gesorgt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,843798,00.html
Wenn Schettino verurteilt wird und fahrlässig gehandelt hat, hat er dann 550 Mio € Schulden bei der Reederei (für das Schiff)? Und muss er das Bergungsteam zahlen? Oder gibt es diese Klausel bei Schiffsversicherungen nicht, dass bei nachgewiesener Fahrlässigkeit der Versicherungsschutz entfällt?
Bundeskanzler20XX 11.07.2012
5. Kleiner Fisch
Zitat von sysopAP/ MediasetViele sehen in Francesco Schettino den Hauptverantwortlichen für die Katastrophe der "Costa Concordia". Nur einer nicht: der Kapitän selbst. In einem TV-Interview hat er seine Sicht auf die Vorgänge geäußert - und damit für heftige Kritik gesorgt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,843798,00.html
Der Kapitän ist, genau wie ein LKW-Fahrer, die arme Sau die sich vor Gericht verantworten dürfen. Das Unternehmen bekommt eine Geldstrafe und die eigentlichen Verantwortlichen machen weiter.
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