Countdown zur Knastzeit Die neuen Leiden der Paris H.

Paris Hiltons kurzer Knastaufenthalt rückt näher und verspricht, ein Bomben-Geschäft zu werden: Die Millionenerbin will ihre Knast-Memoiren schreiben. Für Stoff dürften die Insassinnen sorgen. Die müssen angeblich zusammenrücken, wenn die Promi-Göre einzieht - und sind schon jetzt ziemlich sauer.

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Zu den vielen Fragen im Vorfeld des kurzen Knastaufenthaltes, den sich die ewige Society-Göre Paris Hilton als alkoholisierte Wiederholungstäterin im Straßenverkehr verdiente, gehört die, wie sie wohl im Frauengefängnis von Lynwood bei Los Angeles aufgenommen wird. Wird sie zum Star unter den Insassinnen, umschwärmt und um Autogramme gebeten - oder wird es eher Stress geben?

Glaubt man Susannah Johnson, auf die sich die Medien stürzten, als sie am Samstag nach Verbüßung einer eintägigen Haftstrafe entlassen wurde, sollte Paris lieber den Ball flach halten. Seit mehreren Tagen harren etliche Fernsehteams und eine halbe Legion Fotografen in der seltsamen Hoffnung, Paris könne ihre Haftstrafe freiwillig vorzeitig antreten, vor dem Gefängnis aus. Was sich da bewegt, wird auch interviewt.

Wie die Kurzzeit-Knastveteranin Johnson, der ein Tag gesiebte Luft offenbar reichte, um es zur Sprecherin der Häftlinge zu bringen: "Ich kann ihr nur raten", diktierte sie den Reportern, die ihr Wort stante pede in alle Welt hinaus trugen, kernig in Kameras, Mikros und Blöcke, "das Maul zu halten und ihre Zeit abzusitzen!"

Ein guter Ratschlag, und das aus gleich zwei Gründen. Zum einen muss Paris, die am kommenden Dienstag in Lynwood einrücken soll, voraussichtlich nur knapp 23 Tage ihrer eigentlich 45-tägigen Haft absitzen, wenn sie sich gut führt. Zum anderen sollen viele der Insassinnen des notorisch überbelegten Frauengefängnisses offenbar wirklich sauer sein: Sie werden angeblich noch enger zusammen gepfercht, weil die Hotelerbin einzieht.

Sonderbehandlung? Fast nur die ganz normale

Was sich wahrscheinlich eher auf die Bewegungsmöglichkeiten innerhalb der normalen Knast-Routinen bezieht, denn natürlich wird sich Hilton nicht mit ordinären Kriminellen abgeben müssen: Sie zieht in die sogenannte "Special Needs"-Sektion des Gefängnisses ein - wo Prominente, aber auch korrupte Staatsdiener, Informanten und andere Personen, die im normalen Gefängnisalltag einem erhöhten Risiko durch die normalen Häftlinge ausgesetzt wären, untergebracht sind.

Zusätzliche Sicherheit verspricht zudem ein Notfall-Kommunikationsgerät, durch das sie rund um die Uhr über einen roten Draht zu den Wärtern verfügt. Tröstlich ist das und ein bisschen so wie daheim in den Hilton-Hotels: Hoffentlich redet sie die Wärter nicht versehentlich mit "Zimmerservice" an.

Trotzdem weckt Hiltons Schicksal immer mehr Mitleid in Amerikas Schickeria. Hilton hat ihre normale wilde Party-Beschäftigung offenbar seit einigen Tagen durch wilde Abschiedspartys ersetzt, die in Amerikas Gerüchte-Presse für herrliche Zitate sorgen. Ende der Woche ließ sie sich erstmals dabei erwischen, beim Shopping auch ein paar Bücher erstanden zu haben - und eines davon (es gibt fotografische Beweise auf etlichen US-Titelseiten) soll die Bibel gewesen sein!

Die Wirklichkeit drückt

Für manche Revolver-Blätter sind das Anzeichen eines ernsthaften Charakterwandels oder einer tiefen persönlichen Krise. Eine anonyme angebliche Freundin wird mit der Aussage zitiert, Paris habe "große Angst". Die unterernährt wirkende Erbin esse im Gegensatz zu vorher nun definitiv gar nicht mehr und "bricht immer wieder weinend zusammen, weil sie mit dem Druck, der Wirklichkeit und allem, was da passiert, nicht klar kommt". Das ist verständlich.

Kein Wunder, dass sich nun die Solidaritätsadressen häufen. Klar, dass Paris' Schwester Nicky es unfair, unsinnig und ungerecht findet, dass ihre Schwester für ihre wiederholten Gesetzesbrüche auch noch büßen soll. Für ein Verkehrsvergehen hinter Gitter zu müssen, findet Nicky "absurd".

Auch Rumer Willis, die 18-jährige Tochter von Bruce Willis und Demi Moore, ruft leidenschaftlich bis selbstmitleidig dazu auf, mehr Mitleid und Verständnis mit der Millionenerbin zu haben: "Ich hab nicht mit ihr gesprochen", verriet sie exklusiv der Gerüchte-Webseite People.com, "aber ich wünsche ihr alles Gute. Ich glaube, es gibt eine Menge Menschen, die sie unterstützen. Ich glaube es ist definitiv hart, in L.A. aufzuwachsen, mit all den Dingen, mit denen man da fertig werden muss und dann noch so jung."

Bestimmt, Rumer, und wahrscheinlich ist es genau so hart in Connecticut, Sherman Oaks und New York, wo Paris Hilton aufwuchs.

Die Welt ist ein Paris-Panoptikum

Im Gefängnis wird Paris damit fertig werden müssen, dass man ihr - wie die Nachrichtenagentur AP ganz untypisch hämt - "Lebensnotwendigkeiten" wie Handy, Make-up und TV-Interview-Möglichkeiten entzieht. Stattdessen gibt es einen orangen Overall und eine Stunde Freigang am Tag, bei dem sie sich möglicherweise von der harten Schriftstellerischen Arbeit an ihren bereits geplanten und - natürlich - verkaufen "Knast-Memoiren" erholen kann.

Das Buch droht noch in diesem Jahr auf den Markt zu kommen, die "New York Daily Post" mutmaßt, da seien Millionen drin. Für diesen Herbst ist also wohl eine Paris-Tournee als Schriftsteller-Darstellerin zu erwarten. Zeit hat sie ja nun, da sie ihre Teilzeit-Beschäftigung als Sängerin-Darstellerin verloren hat, weil sich ihre Werke nicht verkaufen ließen. Macht nichts: Neue Verdienstmöglichkeiten ahnt man schon in Form einer Overall-Modekollektion aufziehen.

Ab Dienstag kann Hilton zumindest die Tage rückwärts zählen bis zu ihrer Entlassung. Dem dann zu erwartenden Kamera-Rummel rund um Erlösung, Buße, die Entdeckung von Ruhe, Buddha und Christus und die Wiedervereinigung mit ihrem Handtaschen-Hund wird Hilton an einen ruhigeren Ort entfliehen: Ihre baldige Entlassung plant sie mit einer gemütlichen, natürlich bezahlten Sekt-Sause in Saint Tropez zu feiern - weit, weit weg vom Wahnsinn von L.A. und New York, dem Knast und der ach so drückenden Wirklichkeit.



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