1,2 Millionen Menschen bei CSD-Demo Regenbogen über Köln

Nach zwei Coronajahren hat der Christopher Street Day sein Comeback ohne Einschränkungen gefeiert. Es kamen so viele Menschen wie nie – wohl auch, weil die LGBTIQ-Community Hass ausgesetzt ist.
Ausgelassene Stimmung beim CSD in Köln: »Ein starkes Zeichen für Vielfalt, für Toleranz, gegen Hass und gegen Ausgrenzung«

Ausgelassene Stimmung beim CSD in Köln: »Ein starkes Zeichen für Vielfalt, für Toleranz, gegen Hass und gegen Ausgrenzung«

Foto: Marius Becker / dpa

Sie wollten »zeigen, dass wir viele sind«. Das ist gelungen, eindrucksvoll.

Hunderttausende haben am Sonntag den Christopher Street Day in Köln gefeiert und für Toleranz und Vielfalt demonstriert. An der Parade durch die Innenstadt beteiligten sich rund 180 Fußgruppen und Musikwagen – so viele wie noch nie. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 1,2 Millionen Besucher, die Polizei sprach von mindestens einer Million. Besondere Vorkommnisse habe es nicht gegeben.

Feiernde beim CSD in Köln: »Friedlich und frei«

Feiernde beim CSD in Köln: »Friedlich und frei«

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Chris Emil Janßen / IMAGO

Der Kölner CSD ist eine der größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren (LGBTIQ) Community in Europa. Das Spektakel hat trotz Partystimmung ein ernstes Anliegen.

Kuss in Köln: Mehr als eine Millionen Menschen feierten die Liebe – und ihr Recht darauf

Kuss in Köln: Mehr als eine Millionen Menschen feierten die Liebe – und ihr Recht darauf

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Thilo Schmuelgen / REUTERS

Der Druck durch homo- und transfeindliche Gruppierungen nehme zu, queere Menschen seien oft Opfer von Hass und Gewalt, sagte Jens Pielhau, Vorstand des Vereins Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), der den CSD veranstaltet. »Dagegen wollen wir friedlich und frei demonstrieren, und dabei feiern.«

CSD-Teilnehmerin in Köln

CSD-Teilnehmerin in Köln

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Marius Becker / dpa

Mit der Demo setze Köln »ein starkes Zeichen für Vielfalt, für Toleranz, gegen Hass und gegen Ausgrenzung«, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der als erster Ministerpräsident in der rund 30-jährigen Geschichte des Kölner CSD dabei war. Vorfälle wie jüngst in Oslo zeigten, dass es immer noch nötig sei, solche Zeichen zu setzen. In der norwegischen Hauptstadt hatte vor gut einer Woche ein Angreifer rund um eine beliebte Schwulen-Bar zwei Menschen erschossen und 21 verletzt.

Die Parade will ein Zeichen setzen gegen Ausgrenzung, Homophie und Hass

Die Parade will ein Zeichen setzen gegen Ausgrenzung, Homophie und Hass

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Marius Becker / dpa

»Überall auf der Welt, und leider auch in Deutschland, sind Extremisten am Werk, die uns unsere Freiheit nicht gönnen wollen«, sagte der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (Grüne). »Das starke Signal aus Köln ist: Wir lassen uns diese Freiheit niemals nehmen.«

Die Parade war der Höhepunkt eines CSD-Wochenendes mit einem großen Straßenfest und mehreren Bühnen in der Kölner Altstadt. Nach zwei Jahren mit starken Coronaeinschränkungen konnte die Veranstaltung erstmals wieder in gewohntem Rahmen stattfinden.

Mit dem CSD wird vielerorts an Ereignisse im Jahr 1969 in New York erinnert: Polizisten stürmten damals eine Bar in der Christopher Street und lösten einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen auf.

nil/dpa
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