Nach Giraffe Marius Dänischer Zoo will Löwin sezieren

Mit den Kindern in den Herbstferien noch nichts vor? Ein Zoo im dänischen Odense will am Donnerstag öffentlich eine Löwin sezieren - und lädt Familien dazu ein. Die Ankündigung facht eine Debatte neu an.

Die öffentliche Sezierung von Giraffe Marius 2014: Auch in Odense sollen wieder Kinder zusehen
REUTERS

Die öffentliche Sezierung von Giraffe Marius 2014: Auch in Odense sollen wieder Kinder zusehen


Trotz der Empörung, die der Kopenhagener Zoo mit der Zerlegung der Giraffe Marius ausgelöst hatte, will ein weiterer Zoo in Dänemark ein Tier sezieren: Am Donnerstag will der Zoo in Odense im Zentrum des Landes eine Löwin zerlegen. "Wir denken, dass man bei der Zerlegung eines Löwen sehr viel lernen kann", sagte der Tierpfleger Michael Wallberg Sørensen. Kinder und Erwachsene können zusehen, wie ein Experte das Tier aufschneidet und Herz, Lunge sowie andere Organe zeigt und beschreibt.

Die Ankündigung, die bereits vor neun Monaten getötete Löwin öffentlich auseinanderzunehmen, führte im Internet zu Hunderten Kommentaren. In vielen wird der Zoo in Odense angefeindet - andere loben ihn für seine Offenheit. Der Tierpark selbst schreibt, diese Debatte sei willkommen: "Zoologische Gärten haben eine gewisse Kapazität, und es ist besser, für die Zucht Platz zu machen, um die Art zu erhalten, als ein unzüchtiges Individuum zu erhalten", schreibt der Zoo über die Tötung der Löwin auf seiner Homepage. "So hart es klingen mag: Das sind die Bedingungen, die wir haben."

Indem das Tier nun öffentlich zerlegt werde, erfülle man einen Bildungsauftrag. Seit 20 Jahren habe man Erfahrungen damit, und gerade Kinder seien besonders neugierig. Laut einem Bericht des Dänischen Rundfunks (DR) nimmt Zoodirektor Jens Odgaard Olsson die Diskussion darüber gelassen. "Eines Tages müssen wir ja alle verrotten", sagte er dem Sender in Anspielung auf einen Facebook-Kommentar, der genau das dem Zoo gewünscht hatte.

Die nun geplante Sezierung auf der Insel Fünen erinnert stark an den Fall der Giraffe Marius 2014: Der Zoo in der Landeshauptstadt Kopenhagen hatte damals das gesunde, 18 Monate alte Tier eingeschläfert und vor Kindern auseinandergenommen. Der wissenschaftliche Direktor des Zoos, Bengt Holst, erhielt deshalb Morddrohungen - und wurde später zum Kopenhagener des Jahres gekürt. Marius war getötet worden, obwohl es Angebote von anderen Zoos gab, ihn aufzunehmen. Das Fleisch des sezierten Tiers wurde an Löwen verfüttert.

Im Fall der nun gekeulten Löwin, deren Kadaver in einem Kühlfach lagert, sagte Zoologin Nina Collatz Christensen laut einem weiteren DR-Bericht, dass es nicht immer möglich sei, alle Löwenjungen an andere Zoos abzugeben. Unterstützung erhält der Zoo dabei offenbar von der Europäischen Vereinigung für Zoos und Aquarien - sie unterstütze den Zoo sowohl in seiner Haltung zur Tötung als auch Sezierung des Tiers, heißt es auf der Homepage des Zoos in Odense.

apr/AFP/dpa



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homerun 14.10.2015
1. In Würde sterben!
Sicher habe ich Respekt vor den Notwendigkeiten tierpflegerischer Entscheidungen. Was ich nicht nachvollziehen kann: Warum wird eine Junggiraffe getötet, wenn ein anderer Zoo sie aufnehmen würde? Warum müssen diese Tiere öffentlich dann auch noch seziert werden? Damit werden doch bestenfalls primitive vojeuristische Gefühle sensationsgieriger Zoobesucher und der Quotenwunsch von Zoodirektoren befriedigt. Wenn wir uns schon erlauben, wilde Tiere in einem Zoo, Aquarium oder ähnlichem zu präsentieren, sollten wir uns auch darüber im Klaren sein, dass wir damit eine Verantwortung gegenüber diesen Tieren übernehmen. Und diese endet nicht mit deren Tod, sondern reicht darüber hinaus. Der Zoo trägt also auch die Verantwortung dafür, dass Tiere ein würdevolles Ende erhalten.
Mach999 14.10.2015
2.
Zitat von homerunSicher habe ich Respekt vor den Notwendigkeiten tierpflegerischer Entscheidungen. Was ich nicht nachvollziehen kann: Warum wird eine Junggiraffe getötet, wenn ein anderer Zoo sie aufnehmen würde? Warum müssen diese Tiere öffentlich dann auch noch seziert werden? Damit werden doch bestenfalls primitive vojeuristische Gefühle sensationsgieriger Zoobesucher und der Quotenwunsch von Zoodirektoren befriedigt. Wenn wir uns schon erlauben, wilde Tiere in einem Zoo, Aquarium oder ähnlichem zu präsentieren, sollten wir uns auch darüber im Klaren sein, dass wir damit eine Verantwortung gegenüber diesen Tieren übernehmen. Und diese endet nicht mit deren Tod, sondern reicht darüber hinaus. Der Zoo trägt also auch die Verantwortung dafür, dass Tiere ein würdevolles Ende erhalten.
Nein, damit wird ein Bildngsauftrag erfüllt. Als ob es eine Sensation wäre, ein Tier zu "sezieren". Das wird jeden Tag millionenfach gemacht, damit wir etwas zum Essen auf den Tisch bekommen. Es ist doch ganz gut, wenn sich Kinder auch mal anschauen können, wie so ein Tierkörper aufgebaut ist. Wegen eines einzelnen Tieres so ein Trara zu machen, halte ich für völligen Unsinn.
townsville 14.10.2015
3. @homerun
Wenn die Giraffe Marius nicht getötet und an die Löwen verfüttert worden wäre, hätte eine Kuh, drei Schweine oder ein Dutzend Ziegen dran glauben müssen. Wäre das "besser", weil die nicht süß und/oder exotisch sind? Löwen sind halt keine Vegetarier. Was daran verwerflich sein soll, anhand der Sektion eines Kadavers Kindern (und Erwachsenen) ein besseres biologisches Verständnis zu ermöglichen, kann kein rationaler Mensch nachvollziehen. wen es nicht interessiert, der muss ja nicht hingegen.
cocinero 15.10.2015
4. vollkommen richtig!
vor allem Kindern und Jugendlichen dadurch zu zeigen, dass Tiere im Zoo keine gezähmten teddys sind und ihnen die Biologie nahezubringen.
koernerst 15.10.2015
5. Heuchlerisch
Da fragt doch jemand allen ernstes "Warum müssen diese Tiere öffentlich dann auch noch seziert werden? " Sie müssen nicht, aber Zoos haben einen Bildungsauftrag, und es muss ja niemand zusehen, der nicht will. "Damit werden doch bestenfalls primitive vojeuristische Gefühle sensationsgieriger Zoobesucher" wieso da denn? Was ist daran schlimmer als im Fernsehen in Großaufnahme mitzuerleben, die ein Löwe eine Gazelle erstickt? Das ist Natur, und es wäre jeden Kritikern angeraten, sich mehr mit Natur zu beschäftigen statt aus dem Bauch heraus pseudohumanistische Floskeln abzusondern. "...und der Quotenwunsch von Zoodirektoren befriedigt" - Ja, klar, die vielleicht 50 Zuschauer bringen die Besucherzahlen von ca. 500.000 im Jahr natürlich enorm nach oben. Naiv.. "Verantwortung gegenüber diesen Tieren übernehmen. Und diese endet nicht mit deren Tod," - genau. Und das bedeutet, die toten Tiere auch für Forschung und Bildung zu nutzen und nicht nur in die Tierkörperbeseitigung zu geben. Die Seife und der Leim, die daraus gekocht werden, würden Sie die eigentlich auch als verantwortungslos ablehnen oder als verantwortungsvolle Zweitnutzung willkommen heißen? An alle anderen Kommentatoren: Schön zu sehen, dass die Shitstorm-Abteilung der Tierrechtler derzeit Pause hat und sich hier jene melden, die das Thema fachlich durchdacht haben.
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