Treffen zweier Popstars Dalai Lama empfiehlt Lady Gaga, noch mehr Geld zu machen

Interviews sind für das Oberhaupt der Buddhisten Alltag. Nun hat sich der Dalai Lama den Fragen einer Gesprächspartnerin gestellt, die ebenfalls ein Megastar ist - Lady Gaga.

REUTERS

Mit sanften Händen umschließt sie seine, dann flüstert sie: "Eure Heiligkeit, wie schön, dass wir heute zusammenkommen. Wir freuen uns sehr, dass Ihr heute bei uns seid und wir eure Meinung und Philosphie zur Welt hören können."

Bei ihrem Treffen mit dem Dalai Lama wirkte Lady Gaga, sonst nicht gerade für leise Töne bekannt, beinahe, als sei sie vor Ehrfurcht gelähmt. Dann stellte sie dem Religionsoberhaupt Fragen, die Menschen über die sozialen Netzwerke geschickt hatten.

Das Hintergrundgespräch der beiden fand nach einer gemeinsamen Podiumsdiskussion bei der Conference of Mayors in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana statt. Dabei hatte der Dalai Lama in einer denkwürdigen These Lady Gaga empfohlen, mehr Geld zu verdienen, mit dem sie dann anderen helfen könne. "Das ist der einzige Weg", sagte das Religionsoberhaupt. "Ihr Milliardäre und Millionäre müsst mehr Geld machen." Das sei auch gut für die Wirtschaft.

Video: Lady Gaga und der Dalai Lama

Später wollte Lady Gaga in dem persönlichen Hintergrundgespräch im Namen einer jungen Frau wissen, wie er jungen Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen, Abhängigkeiten und selbstverletzendem Verhalten helfen würde. Seiner Meinung nach sei das materialistische Streben der Gesellschaft für viel Schlechtes verantwortlich, sagte der Dalai Lama und forderte mehr Mitgefühl. "Unser Bildungssystem orientiert sich hauptsächlich an äußeren Werten." Dabei komme es viel mehr auf Empathie und Barmherzigkeit an.

Schönes Gehirn, warmes Herz

Mit der jetzigen gesellschaftlichen Situation sei er nicht einverstanden, aber es gebe die Möglichkeit, eine bessere Zukunft zu formen. Dafür sieht er aber die nächste Generation in der Verantwortung. "Die Zukunft liegt auf euren Schultern", sagte der 81-Jährige zu der Sängerin. "Ich bin kurz davor, Auf Wiedersehen zu sagen."

"Wir müssen unser schönes Gehirn mit Warmherzigkeit verbinden, dann kann ein Mensch sehr glücklich und ruhig sein." Der Mensch sei ein "soziales Tier", das Wohlergehen der Spezies beruhe auf gegenseitiger Anteilnahme.

In China wurde der gemeinsame Auftritt von Lady Gaga und dem Dalai Lama kritisch aufgenommen. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte: "Der Grund für seine Besuche und Aktivitäten in anderen Ländern ist nur seine Arbeit für die Unabhängigkeit Tibets."

"Sein wahres Gesicht"

Vertreter der chinesischen Regierung protestieren regelmäßig, wenn ausländische Staaten den geistigen Führer der Tibeter empfangen. Tibet wird seit 1950 von China beherrscht. Der Dalai Lama strebt nicht die Unabhängigkeit Tibets an, aber größere Autonomie. Die Tibeter klagen über religiöse Unterdrückung und angesichts des zunehmenden Zuzugs von Han-Chinesen über soziale Marginalisierung in ihrer Heimat.

Bereits vor zwei Wochen hatte sich der Dalai Lama mit US-Präsident Barack Obama getroffen - und damit scharfe Proteste von chinesischer Seite ausgelöst.

Der Dalai Lama lebt seit einem gescheiterten Volksaufstand in Tibet 1959 im indischen Exil. Seine politische Rolle hat der Dalai Lama inzwischen offiziell aufgegeben. Peking unterstellt dem Dalai Lama aber, Tibet von China abspalten zu wollen.

Genauso gut hätte die US-Popsängerin dem getöteten al-Qaida-Chef Osama bin Laden "die Hand schütteln" können, kommentierte ein chinesischer Internetnutzer, nachdem die 30-jährige Lady Gaga Aufnahmen ihres Treffens mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter im Online-Fotodienst Instagram veröffentlicht hatte.

Über das Treffen mit der Sängerin Lady Gaga sagte das chinesische Außenministerium: "Wir hoffen, dass die Menschen der internationalen Gemeinschaft sein wahres Gesicht erkennen."

cne/apr/AP/AFP

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PaulMeister 27.06.2016
1. auch schon bissl weich in der Birne der Gute...
Zitat: "Ihr Milliardäre und Millionäre müsst mehr Geld machen. Das sei auch gut für die Wirtschaft." und "Seiner Meinung nach sei das materialistische Streben der Gesellschaft für viel Schlechtes verantwortlich, sagte der Dalai Lama und forderte mehr Mitgefühl." Was denn nun "mehr Geld machen" oder dann lieber doch nicht? Wozu soll es gut für die Wirtschaft sein, wenn einige wenige Milliarden bunkern und das Geld dem Kreislauf entziehen? Glaubt er tatsächlich, dass es den "anderen" (welche anderen meint er eigentlich - alle nicht Millionäre und Milliardäre oder die Armen?) besser geht, wenn die Millionäre und Millardäre noch mehr verdienen? Nur weil von denen ein paar (Steuerspar-) Stiftungen initiiert werden die dann wenn überhaupt nur ein paar wenigen helfen, die dem Stifter am Herzen liegen, statt das Geld gerechter zu verteilen?
Knossos 27.06.2016
2. Einerseits
so wahre und viel zu selten gehörte Worte wie diese: "Wir müssen unser schönes Gehirn mit Warmherzigkeit verbinden, dann kann ein Mensch sehr glücklich und ruhig sein." Der Mensch sei ein "soziales Tier", das Wohlergehen der Spezies beruhe auf gegenseitiger Anteilnahme. - Andererseits so ein diametral entgegenstehender Unsinn: "Ihr Milliardäre und Millionäre müsst mehr Geld machen." Das sei auch gut für die Wirtschaft. - Der gute Mann bewies bereits mit seinem Buch für Manager, daß er keinen blassen Schimmer von Ökonomie, Effizienz und Sozialem hat. Sehr bedauerlich daß solcher Nimbus die populäre Chance zur Aufklärung nicht nutzen kann. Wie auch bereits Nelson Mandela. Bleiben uns noch Geister wie Mahatma Gandhi, Albert Schweitzer, Rosa Luxemburg & co. Ihnen ging statt Mythologie Philosophie voraus.
ipcoach 27.06.2016
3. Klar, soll sie mehr Geld machen
und es dann für den guten Zweck an den Dalai LAma spenden!
BettyB. 27.06.2016
4. Nun ja...
Von Ökonomie hat er keine Ahnung, geht aber als Buddhist wenigstens davon aus, dass es keinen Gott gibt. Wenn er jetzt noch die Wiedergeburt als hinduistisches Gedankengespinnst qualifizieren würde, könnte er der Menschheit wahrlich helfen...
noalk 27.06.2016
5. Es geht das Gerücht, ...
... die Chinesen hätten eine Herde Schafe schlachten lassen, die dem D.L. hinterhergetrottet sei.
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