Corona-Maßnahmen Was bedeutet ein November-Shutdown für ... die Prostitution?

Schon die ersten Corona-Beschränkungen haben wenige Branchen so lange und so hart getroffen wie die Prostitution. Bei neuen Schließungen fürchten die Betroffenen eine weitere Verlagerung in die Illegalität.
Herbertstraße in Hamburg: "Großes Drama" für das Sexgewerbe

Herbertstraße in Hamburg: "Großes Drama" für das Sexgewerbe

Foto: Christian Charisius / picture alliance / dpa

Nirgendwo galten die scharfen Corona-Beschränkungen so lange wie im Prostitutionsgewerbe. In Berlin  etwa durften Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter erst Mitte August wieder ihrem Job nachgehen - und das auch nur unter strengen Vorschriften. In anderen Bundesländern wurden die Verbote noch später gelockert. Hygienekonzepte müssen erstellt, Termine verabredet, die Kontaktdaten hinterlassen werden - und beim Geschlechtsverkehr herrscht Maskenpflicht.

Mehr als 40.000 Menschen gingen laut dem Statistischen Bundesamt Ende 2019 offiziell der Prostitution nach - und das sind nur die gemeldeten Gewerbe. Sollte sich der Bund mit dem angestrebten November-Shutdown durchsetzen, steht die Branche nun erneut vor dem Nichts. In der Beschlussvorlage, die an diesem Mittwoch mit den Ministerpräsidenten diskutiert werden soll, wird das Rotlichtmilieu ausdrücklich genannt. "Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen" seien zu schließen, heißt es.

Für die Branche wäre das ein schwerer Schlag - zumal die strengen Auflagen in der Zwischenzeit das Geschäft ohnehin erschwerten. "In der kurzen Öffnungszeit war das Kundenaufkommen deutlich geringer als in der Zeit vor Corona", sagt die Prostituierte Hanna vom Aktionsbündnis "Sexy Aufstand Reeperbahn".

Das Bündnis hatte sich in den vergangenen Monaten für die schnellstmögliche Öffnung der Bordelle eingesetzt und mangelnde staatliche Unterstützung beklagt. "Der Staat fickt uns, aber zahlt nicht" - war einer der Slogans.

"Mit einem neuen Shutdown kommt eine riesige finanzielle Not auf uns zu", sagt Hanna. "Keiner hat mehr Geld. Einen zweiten Shutdown schafft hier keiner mehr." Viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter seien selbstständig, bei einem Verbot verdienen sie keinen Cent. Das Geschäft werde sich noch weiter in die Illegalität verlagern, vermutet Hanna. Das sei schon beim ersten Mal so gewesen.

"Großes Drama für die Branche"

Auch Stefanie Klee vom Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen, der Dutzende Bordelle, Laufhäuser und Nachtklubs vertritt, sieht neue Gefahren für die Betroffenen. "Wenn die Prostituierten illegal anschaffen gehen und sich auf der Straße oder in Hotels verabreden, steigt das Risiko, dass es gewalttätig wird oder sie beim Preis gedrückt werden", glaubt sie. Bordelle böten Sicherheit.

"Das wird ein großes Drama für die Branche", sagt auch Klee. Sie befürchtet etliche Pleiten - wie beim Kölner Großbordell "Pascha". Das angeblich größte Bordell Europas hatte Anfang September die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Die Rücklagen des Betriebes seien durch die Corona-Beschränkungen im ersten Shutdown aufgebraucht, hieß es damals.

Klee findet das gesonderte Verbot von Prostitution "ungerecht und diskriminierend". Ihr sei kein einziger Fall bekannt, bei dem es durch Sexarbeit zu Corona-Infektionen gekommen wäre. Die Gefahr einer Ansteckung beim Sex sei unter den aktuellen Auflagen vergleichbar mit dem Risiko eines Friseurbesuchs. Friseursalons dürfen laut der Beschlussvorlage jedoch unter den geltenden Hygienekonzepten geöffnet bleiben.

Die Prostituierte Hanna blickt derweil auch mit Sorge auf das Ende der Beschränkungen - wann immer es kommt. Wenn die Zahl der Neuinfektionen sich irgendwann wieder auf niedrigerem Niveau befinde, habe sie eine Bitte an die Politik, sagt sie: "Sie sollen uns bei den Öffnungen diesmal nicht vergessen."

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