»Die Basis« Das steckt hinter der »Querdenker«-Partei, der Volker Bruch beitreten will

Die Partei »Die Basis« gibt sich menschlich und freiheitsliebend. Doch sie bezeichnet die Coronaimpfung als »Genmanipulation« und ihre führenden Mitglieder stammen aus der »Querdenker«-Bewegung.
Schauspieler Volker Bruch: Will offenbar in die Partei »Die Basis« eintreten

Schauspieler Volker Bruch: Will offenbar in die Partei »Die Basis« eintreten

Foto: SKATA / imago images

Am Sonntag wurde bekannt, dass der Schauspieler Volker Bruch, Star der ARD-Serie »Babylon Berlin«, der Partei »Die Basis« beitreten will. Die Partei bestätigte dem SPIEGEL inzwischen, dass Bruch einen Antrag gestellt hat. Doch was ist das für eine Partei, die Bruch sich offenbar als politische Heimat ausgesucht hat?

Auf den ersten Blick gibt sich die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz »Die Basis«, sympathisch: Sie sagt von sich, sie »brenne für eine gerechtere, freiere Welt, in der der Mensch wieder Mensch sein kann«. Sie möchte die Basisdemokratie einführen, die »Macht Einzelner und die von Organisationen« begrenzen. In ihrem Rahmenprogramm steht, die Partei trete unter anderem für die Freiheit des Individuums ein, Gleichberechtigung, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur.

Auf den zweiten Blick zeigt sich, was die Partei wirklich ist: Ein Sammelbecken von Aktivistinnen und Aktivisten, die sich in der »Querdenken«-Bewegung engagieren und die mit zweifelhaften Argumenten Stimmung machen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Ein Prozent der Stimmen in Baden-Württemberg

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März holte die Partei ein Prozent der Stimmen , etwas weniger als die Satirepartei »Die Partei«. Laut eigenen Angaben hat die »Basis« 15.000 Mitglieder und ist in allen Bundesländern vertreten. Einer Untersuchung von Soziologinnen und Soziologen der Universität Basel vom Dezember 2020 zufolge ist sie besonders bei Anhängern der »Querdenken«-Bewegung beliebt: 18 Prozent von ihnen würden bei der nächsten Bundestagswahl die »Basis« wählen .

Inhaltlich wird die Partei auf ihrer Website nur in einer Frage wirklich konkret: der Coronapandemie – und der Impfung gegen Covid-19. Immunisierungen gegen das Coronavirus seien »Genmanipulation« und die aktuelle Impfkampagne »das größte Experiment am Menschen«. Auch die verpflichtende Impfung gegen Masern, die im März beschlossen wurde, lehnt die Partei ab .

Bruch befände sich, sollte er tatsächlich beitreten, in Gesellschaft einiger der bekanntesten »Querdenker« Deutschlands. Einer der »Basis«-Vorsitzenden heißt Andreas Baum, 57. Baum ist ein Ingenieur aus Wutöschingen in Baden-Württemberg und ehemaliges Mitglied der Bewegung Widerstand2020.

Diese Bewegung, um die sich unter anderem Rechtsradikale und Verschwörungsideologen scharten, zerfiel im Mai 2020, als herauskam, dass sie ihre Mitgliederzahl offenbar massiv frisiert hatte: Statt angeblich 100.000 hatte sie wohl nur zwischen 30 und 50 Mitglieder. Ein AfD-Politiker soll sogar seinen Hahn als Mitglied bei der Partei registriert haben. Die Parteiführung bestritt den Vorwurf, die Zahlen aktiv gefälscht zu haben.

Andreas Baum sollte laut eigenen Angaben eigentlich die Satzung für den baden-württembergischen Landesverband von Widerstand2020 schreiben. Stattdessen gründete er am 4. Juli mit einigen anderen »Die Basis«.

Ein Kandidat will Christian Drosten und Lothar Wieler auf Schadensersatz verklagen

Ein weiteres Mitglied der Partei ist der Rechtsanwalt Markus Haintz, der zur vom Verfassungsschutz beobachteten »Querdenken«-Bewegung in Ulm gehörte. Einer der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl ist Dirk Sattelmaier, Anwalt aus Köln. Auch er tritt bei »Querdenken«-Veranstaltungen auf. Im September 2020 verglich er dort eine Ansage der Kölner Verkehrs-Betriebe, die dazu aufforderte, in Bus und Bahn Maske zu tragen, mit der Diskriminierung von Jüdinnen und Juden während der Nazidiktatur .

Auch die Biochemikerin Karina Reiß und ihr Ehemann, der Epidemiologe Sucharit Bhakdi, kandidieren für die Partei. Bhakdi verharmlost in YouTube-Videos die Pandemie und hat etwa dem rechten Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen Interviews gegeben. Auch der Lungenfacharzt Wolfgang Wodarg kandidiert für die Partei. Wodarg verharmloste das Coronavirus zu Beginn der Pandemie und kritisierte die ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen als Panikmache.

Parteimitglied und Bundestagskandidat Reiner Fuellmich kündigt an, den Virologen Christian Drosten und den Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, auf Schadensersatz zu verklagen. Zumindest verspricht er das seit Monaten – und hat laut Medienberichten  per Rundmail Geld dafür gesammelt: In den Mails bat er Leserinnen und Leser offenbar um 800 Euro plus Mehrwertsteuer. Erfolgreich Klage eingereicht hat er bis heute nicht.

Aus Versehen alle Mitgliedernamen öffentlich verfügbar

Genau wie die Bewegung Widerstand2020, aus der die »Basis« hervorging, bekam auch die Partei kürzlich IT-Probleme: Die Liste aller 15.000 Mitglieder war mit einigen Tricks komplett online abrufbar. Darin waren offenbar neben den Namen auch Kontaktdaten, Geburtsdaten und andere Parteizugehörigkeiten der Mitglieder sichtbar. Auch Bankverbindungen und die Höhe der Mitgliedsbeiträge waren laut Medienberichten zum Teil vermerkt .

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Markus Haintz der »Querdenken«-Bewegung in Ulm noch angehöre, diese ist ihm zufolge aber aufgelöst. Wir haben die entsprechende Stelle im Text angepasst.

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