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Kundgebungen und Protestzüge Wo am Wochenende gegen rechts demonstriert wird

Die Berichte über ein Treffen rechter und rechtsextremer Netzwerker zu massenhafter Vertreibung hat viele Menschen aufgeschreckt. Zehntausende wollen erneut auf die Straße gehen. Der Überblick.
Von Sylt bis Überlingen: Übersicht über geplante Protestaktionen in Deutschland

Von Sylt bis Überlingen: Übersicht über geplante Protestaktionen in Deutschland

[M] Alexander Trempler / DER SPIEGEL; Foto: dpa

Nach Berichten über ein konspiratives Treffen zur Abschiebung von Millionen Menschen aus Deutschland wollen deutschlandweit erneut Zehntausende Menschen auf die Straße gehen, um ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und für die Demokratie zu setzen. (Lesen Sie hier mehr zu dem Geheimtreffen in Potsdam: Die völkischen Visionen der AfD )

Für das Wochenende sind in großen und kleineren Städte insgesamt rund 90 Kundgebungen angemeldet, wie aus einer Auflistung des Portals »Zusammen gegen Rechts«  hervorgeht. Allein in München rufen mehr als 200 Organisationen zu einer Großdemonstration am Sonntag auf. Bereits für den Freitagnachmittag sind Veranstaltungen etwa in Stralsund, Hamburg, Münster, Jena und Rosenheim geplant. Zahlreiche Städte rufen auch für Samstag und Sonntag zu Protestaktionen auf.

Einen Überblick liefert diese Karte:

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es landesweit Proteste gegen rechts gegeben. Die Beteiligung übertraf durchweg die Erwartungen. In Köln etwa waren am Dienstagabend ursprünglich 1000 Demonstrierende angemeldet – es kamen trotz schneidender Kälte mehrere Zehntausend Menschen.

Die schweigende Mehrheit auf der Straße

Im Moment gingen diejenigen auf die Straße, die schon lange auf einen passenden Anlass gewartet hätten, um ein Zeichen gegen die AfD zu setzen, sagt der Soziologe Armin Nassehi. »Das sind tatsächlich diejenigen, die man als die schweigende Mehrheit bezeichnen kann.« Der zahlenmäßig dominierende Teil der Bevölkerung – der sich aber für gewöhnlich nicht äußert, weil er im Grunde zufrieden ist. »Die empirische Sozialforschung sagt uns, dass die Menschen viel zufriedener mit ihren persönlichen Situationen sind, als es die veröffentlichte Meinung wiedergibt.«

Denn für die meisten Menschen gilt normalerweise, dass sie sich weder in sozialen Netzwerken zu Wort melden noch zu Demonstrationen gehen. Dadurch entsteht der Eindruck, die Gesellschaft wäre stark polarisiert, denn in der Öffentlichkeit führen in erster Linie diejenigen mit sehr stark ausgeprägten Meinungen das Wort. Die Gemäßigten – und das ist die Mehrheit – schweigen. »Aber jetzt ist so ein Moment, in dem die schweigende Mehrheit erkennt, dass es tatsächlich um etwas geht«, sagt Nassehi. »Und da lässt sie ausnahmsweise von sich hören.«

»Das ›B‹ in AFD steht für Bildung«: Kreativität auf einer Demo in Erfurt im Oktober

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Foto: Jacob Schröter / IMAGO

Die Anhängerschaft der AfD wird das vermutlich nicht schmälern, worauf auch neueste Umfragen hindeuten . Nassehi geht davon aus, dass die Demonstrationen bei den AfD-Sympathisanten einen Solidarisierungseffekt bewirken können nach dem Motto: »Da sieht man mal wieder, dass diese komischen links-grünen Eliten etwas gegen uns haben.« Aber das sei insofern ein Irrtum, als hier keineswegs nur überzeugte Linke demonstrierten. »Man kann das auch positiv wenden und sagen: Wir sehen, dass es unabhängig von allen aktuellen Ereignissen eine große Stabilität von Wählern gibt, die für die AfD und überhaupt für sozialen Radikalismus unerreichbar sind.«

Anlass für die zahlreichen jüngeren Demonstrationen ist ein Treffen rechter Netzwerker, über das das Medienhaus Correctiv berichtet hat. Thema der Zusammenkunft in einem Potsdamer Landhotel: ein sogenannter Masterplan zur Vertreibung von Menschen ausländischer Herkunft, für den Fall, dass die AfD einmal mehr Macht im Land haben würde.

sak/dpa