Zufallsfotografie Das täuscht

Fotograf Denis Cherim findet sie überall: Kuriose Motive, die etwas anderes zeigen, als man auf den ersten Blick denkt.

Denis Cherim

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Über einer gelben Röhre scheint ein kleiner Autoreifen zu schweben. Schaut man genauer hin, erkannt man, dass dieser Eindruck nur durch die Perspektive erscheint - er schwimmt eigentlich auf dem Wasser. Fotograf Denis Cherim hat im richtigen Moment den Auslöser gedrückt und so diese optische Täuschung entstehen lassen.

Für seine Serie "Coincidences"- Zufälle - hat Cherim solche Szenen festgehalten. Seit 2012 sucht der Fotograf nach perfekten Winkeln, nach ideal ausgerichteten Schatten oder an einer passenden Stelle stehenden Bäume. Dann werden aus einer bestimmten Perspektive und der richtigen Kombination von Motiven aus gewöhnlichen Alltagssituationen urkomische oder verblüffende Szenerien.

Ein bestimmtes Vorgehen hat Cherim nicht. "Ich liebe es einfach, herumzuwandern oder mit dem Fahrrad zu fahren, immer mit der Kamera und mit offenen Augen." Alles ist es wert, von ihm gewürdigt zu werden. Cherims Fotos konzentrieren sich auf Details, die jedem bekannt und vertraut sind, die in einem Moment durch Kombination verschiedener Elemente zu etwas Neuem werden.

"Ich möchte, dass die Menschen sehen, dass selbst die Dinge, die in unserem täglichen Leben banal oder bedeutungslos erscheinen, außergewöhnlich werden können", sagt Cherim. Die Zufälle seien um uns herum, doch wir müssten bereit sein, sie zu erkennen.

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Perfekter Moment: Wie der Zufall es will

Passanten sind oft verwundert, wenn sie sehen, dass Cherim Dinge fotografiert, die in ihren Augen langweilig oder hässlich erscheinen. Er will den Betrachter auffordern, zu überdenken, wie er den öffentlichen Raum wahrnimmt.

Eine Statue scheint von der Sonne geblendet zu sein, ein Haus verschmilzt mit der Landschaft im Hintergrund und ein Laternenpfahl sieht aus, als würde er den Himmel festhalten. Cherim plant seine Fotos nicht, aber beobachtet viel und wartet ab bis der perfekte Schattenwurf oder die ideale Lichtsituation entsteht. Manchmal kehrt er an einem anderen Tag oder zu einer anderen Uhrzeit an einen Ort zurück.

Cherim wurde in Rumänien geboren, zog im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern in die Türkei, mit 13 nach Spanien. Seitdem reiste er durch viele Länder: von Bulgarien, Großbritannien bis Taiwan. Und die Liste wächst weiter. Denn der Fotograf liebt es, die geheimen Orte einer Stadt zu erkunden: "Ich bin nicht die Art von Tourist, der nur für ein paar Stunden oder Tage bleibt. Ich muss richtig in eine Stadt ziehen, eine Weile bleiben und sie erleben."

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