1977 entführte Lufthansa-Maschine Die Odyssee der "Landshut" geht offenbar weiter - jetzt nach Berlin?

Das Auswärtige Amt holte die Boeing aus der Mogadischu-Entführung mit großem Tamtam nach Friedrichshafen, dort rottet sie bislang vor sich hin. Jetzt ist ein neuer Standort im Gespräch.
"Landshut"-Rumpf bei seiner Ankunft in Friedrichshafen: Rückkehr im Bauch einer Antonow 124

"Landshut"-Rumpf bei seiner Ankunft in Friedrichshafen: Rückkehr im Bauch einer Antonow 124

Foto: STEFFEN SCHMIDT/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

2017 feierte die Bundesregierung die Heimkehr des Symbols des Deutschen Herbstes: Nachdem die frühere Lufthansa-Maschine "Landshut" in einem äußerst schlechten Zustand im brasilianischen Fortaleza wiederentdeckt wurde, setzte der damalige SPD-Außenminister Sigmar Gabriel den Rücktransport nach Deutschland durch. In Friedrichshafen am Bodensee wollte die Dornier-Stiftung der Zeugin der Zeitgeschichte eine neue Heimat errichten. Doch dort tut sich seither wenig  - und inzwischen wird wieder ein neuer Standort für das 30 Meter lange Wrack ins Gespräch gebracht. Jetzt im Rennen: Berlin.

Die Liste der Orte, die für die "Landshut" bereits im Gespräch waren, ist lang. Nachdem die 1977 von palästinensischen Terroristen entführte Maschine in Brasilien wiederentdeckt worden war, gab es einen monatelangen Wettlauf: Der Flensburger Unternehmer Thomas Liebelt bot an, ihr an der Förde ein eigenes Museum zu bauen, Initiativen aus dem hessischen Griesheim sowie aus Landshut wollten die Maschine ebenfalls ausstellen. Der frühere Co-Pilot der Maschine, Jürgen Vietor, brachte das Haus der Geschichte in Bonn ins Spiel. "Hier wurden in unmittelbarer Nachbarschaft Entscheidungen über Leben und Tod getroffen", forderte er, doch das Museum winkte aus Platzgründen ab.

Kommt die "Landshut" nun an den früheren Berliner Flughafen Tempelhof? Nach einem Brandbrief mehrerer damaliger Geiseln an die Bundesregierung, in dem sie einen Erinnerungsort fordern, hat eine von ihnen dafür nun diesen Standort vorgeschlagen. Gabriele von Lutzau, 65, damals als Flugbegleiterin in der entführten Maschine, forderte diese Woche gemeinsam mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Till Mansmann: "Der ehemalige Flughafen Berlin-Tempelhof im Herzen der Hauptstadt bietet ausreichend Raum für eine solche Einrichtung und wäre ideal dafür geeignet." Die als "Engel von Mogadischu" bekannt gewordene von Lutzau verlangte, die "Landshut" endlich so zugänglich zu machen, "dass die Menschen in Deutschland die Chance haben, sich auf plastische Weise das Wissen über diese Vorgänge aneignen zu können". Sollten sich die Pläne konkretisieren, könnte die "Landshut" nicht das einzige bedeutende Nachkriegsmuseum in Tempelhof werden. Ein Umzug des Alliiertenmuseums aus dem Stadtteil Dahlem an den ehemaligen Flughafen ist bereits geplant.

"Alternative Standortoptionen" werden geprüft

Ob es dazu jemals in Friedrichshafen kommt, wird unterdessen immer fraglicher - auch seitens der Bundesregierung. Der SWR sieht das Projekt am Bodensee bereits vor dem Aus . Eine Sprecherin von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) teilte auf SPIEGEL-Anfrage zwar mit, es werde nach wie vor das im Koalitionsvertrag von Union und SPD festgeschriebene Ziel verfolgt, die ausrangierte Boeing 737 auszustellen. Doch weil der Fortbestand des Dornier-Museums über das Jahr 2025 unsicher sei, "prüft die Bundesregierung aktuell auch alternative Standortoptionen". Die Odyssee der "Landshut" dürfte also weiter gehen.

Vier palästinensische Terroristen hatten die "Landshut", Flug LH 181 von Palma de Mallorca nach Frankfurt am Main am 13. Oktober 1977 gekapert. So wollten die Terroristen unter anderem den Druck auf Kanzler Helmut Schmidt erhöhen, im Austausch für den damals von der "Roten Armee Fraktion" (RAF) entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer inhaftierte Gesinnungsgenossen freizulassen - und 15 Millionen Dollar Lösegeld zu zahlen.

86 Touristen und fünf Besatzungsmitglieder erlebten in der "Landshut" ein Martyrium, Pilot Jürgen Schumann wurde erschossen. Erst nach fünf Tagen endete die Entführung mit der Befreiung durch die damals neue Spezialeinheit GSG9 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Drei der vier Terroristen starben dabei, sämtliche Passagiere wurden gerettet. (Lesen Sie hier mehr zu den Erinnerungen der damals 19-jährigen Passagierin Diana Müll.) Nach der Befreiung des Flugzeugs töteten die Terroristen Schleyer - und die inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe nahmen sich das Leben.

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