Coronamaßnahmen Stadt kippt Skatepark mit Rollsplitt zu, damit Jugendliche ihn nicht mehr benutzen

Immer wieder haben sich Teenager auf dem Skatepark in Dieburg getroffen und gegen die Coronamaßnahmen verstoßen. Die Stadt schüttete deshalb eine Lkw-Ladung Rollsplitt auf den Boden.
Zugeschütteter Skatepark in Dieburg

Zugeschütteter Skatepark in Dieburg

Foto: -- / dpa

»Ride hard« hat jemand an die Seite einer Rampe mit roter Farbe gesprayt. Und jeder, der jetzt noch die Rampe auf dem Skatepark im hessischen Dieburg runterbrettern will, der fährt nicht nur hart, der fällt auch hart. Er wird sich die Knie aufschrammen, die Hände, das Gesicht.

Der Bürgermeister von Dieburg, Frank Haus, hat nämlich einen Lkw voll Rollsplitt auf dem Boden verteilen lassen, wie die Hessenschau berichtet.  Und jeder, der schon mal, Rollen unter den Füßen hatte, weiß: Rollsplitt und Rollen vertragen sich nicht. Nicht mal mehr ein Kinderwagen lässt sich durch Rollsplitt schieben.

Doch warum, um Himmels willen, schüttet ein Bürgermeister kiloweise Steinchen auf eine Fläche, die nur dazu geschaffen wurde, damit die Leute darauf herumrollen können?

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Immer wieder hätten sich größere Gruppen junger Leute in dem Skatepark getroffen, nicht nur zum Skaten, sondern auch zum Abhängen, sagte Bürgermeister Frank Haus der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«.  Dabei sei das doch wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nicht erlaubt.

Die Stadt habe Ordnungshüter vorbeigeschickt, den Park mit Flatterband abgesperrt, ein Hinweisschild angebracht. Doch: »Die Absperrungen sind immer wieder niedergerissen und umgestoßen worden«, sagte Haus der »FAZ«. Also griff die Stadt zu drastischen Maßnahmen und ließ am Freitag ein bis zwei Zentimeter Rollsplitt auftragen, damit niemand mehr skaten könne. Seitdem kämen kaum noch Leute. »Wo Skater sind, kommen Zuschauer und Freunde. Und das passiert jetzt nicht mehr.«

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Inzwischen schlage die Aktion hohe Wellen, viele regten sich über die Aktion auf. Ein User schreibt auf Twitter: »Mir fehlen so langsam wirklich die Worte dafür, wie ich so etwas noch nennen soll.« Ein anderer schreibt: »Ja, macht die letzten Treffpunkte für junge Leute auch noch dicht. Irre! Gibts in Dieburg nicht irgendeinen Helden, der da nachts mal mit seiner Kehrmaschine drüber fährt?« Und eine Nutzerin kommentiert: »Das ist unser Nachbarort. Dank dieser Maßnahme ist unser Skatepark jetzt doppelt so voll – hier kontrolliert das niemand. Wir haben dafür die höheren Infektionszahlen.«

Bürgermeister Haus sagte der »FAZ« dazu: »Es gibt eine Regel. Und ich muss dafür sorgen, dass diese Regel eingehalten wird – auch wenn auf dem Skateplatz wahrscheinlich keine große Infektionsgefahr bestand.« Es sei nicht seine Aufgabe, zu entscheiden, ob das Gesetz vernünftig sei. Seine Aufgabe sei es, das Gesetz anzuwenden.

kha
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