Digitale Impfbescheinigung in Apotheken »Wir konnten uns gar nicht vorbereiten«

Wer geimpft ist, kann sich jetzt einen digitalen Nachweis ausstellen lassen. Die Server waren zum Start gleich überlastet – und was sagen die Apothekerinnen und Apotheker?
Apothekerin Sabine Hagemeier in Hamburg: »Das haben wir uns alles schlimmer vorgestellt«

Apothekerin Sabine Hagemeier in Hamburg: »Das haben wir uns alles schlimmer vorgestellt«

Foto: Laura Binder / DER SPIEGEL

Nummer 77 kommt herein, in der Hand den gelben Papierausweis der Weltgesundheitsorganisation und das Smartphone. »Der digitale Impfpass?«, fragt die Apothekerin und nickt in Richtung des Computers in der Mitte des Tresens. Es ist Montagnachmittag und für die Jarre Apotheke im Hamburger Stadtteil Winterhude der erste Tag, an dem die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Coronaschutzimpfungen in einen QR-Code übersetzen können.

76 Menschen haben an diesem Tag bereits den Code erhalten. Malte Möller, die Nr. 77, arbeitet als Intensivmediziner, seine Zweitimpfung bekam er schon Anfang Februar. Den digitalen Ausweis benötige er für eine private Reise nach Schweden, sagt der 56-Jährige. »Das Praktische ist, dass dieser Code auch im Ausland anwendbar ist.« Das vereinfache das Reisen enorm.

Ein Code nach zehn Klicks

Die Apothekerin braucht nicht viele Informationen: seinen Namen, das Geburtsdatum, welchen Impfstoff er wann gespritzt bekam und die Nummer der Dosis. Malte Möller braucht nur seinen Impfpass, das Smartphone und seinen Personalausweis. Etwa zehn Klicks später generieren sich weiße und schwarze Kästchen: Der QR-Code ist fertig.

Als Malte Möller nach wenigen Minuten die Apotheke verlässt, hält er ein DIN-A4-Blatt in der Hand. Es zeigt seinen Code, den er in der Corona-Warn-App oder der CovPass-App scannen kann.

Von einem Ansturm, wie manche ihn befürchteten, ist hier nichts zu sehen. Draußen vor der Tür bildet sich hin und wieder eine kleine Schlange, sie löst sich schnell auf. »Es geht sehr human zu«, sagt Apothekerin Maria Ahrens. Und das, obwohl sich das Apothekenteam erst um 12.20 Uhr einloggen konnte, um die QR-Codes zu generieren. »Die Server waren überlastet, wir kamen um 10 Uhr schon einmal rein, aber da ließ sich kein Zertifikat erstellen.«

Die Menschen, die mit ihrem Impfausweis in der Hand aus der Apotheke kommen, fallen an der belebten Straße auf. »Ach, das geht hier?«, fragt eine Frau. »Ja, ohne Anmeldung, man braucht nur den Impfpass, Ausweis und ein Handy«, antwortet ihr der Mann. Sie fotografiert sich den Namen der Apotheke draußen ab: »Das ist ja super.«

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Bereits 140.000 Zertifikate ausgestellt

Welche Apotheken mitmachen, ist online auf der Plattform »mein-apothekenmanager.de« zu sehen. Der Server war allerdings am Vormittag teils nicht erreichbar. Bis 11 Uhr wurden laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bereits 140.000 Zertifikate ausgestellt. Knapp 19.000 Apotheken in Deutschland sind dort zur Digitalisierung der Impfnachweise gelistet.

Etwa zwei Kilometer entfernt ging der Start früher los: Die Apotheke am Mühlenkamp konnte sich um 8 Uhr einloggen, als das Verfahren freigeschaltet wurde. Wie gut die Vorbereitung lief? Apothekerin Sabine Hagemeier lacht kurz. »Wir konnten uns gar nicht vorbereiten«, sagt die 53-jährige.

Bis zum Nachmittag hätten sie weit über 100 Zertifikate ausgestellt, zwischendrin habe es immer mal wieder welche gegeben, die nicht funktionierten. »Aber: Das haben wir uns alles schlimmer vorgestellt«, sagt Hagemeier. Das Erstellen sei unkompliziert, wenn technisch alles laufe. Sie seien bereits Stunden später gut eingespielt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte erst am vergangenen Donnerstag den Start des digitalen Impfzertifikats vorgestellt. Das solle es unter anderem erleichtern, über die Grenzen Deutschlands hinaus zu reisen. Nicht nur Apotheken können künftig QR-Codes erstellen, auch Impfzentren und Arztpraxen. Spahn mahnte, dass nicht alle Geimpften mit dem gelben Impfheft gleich am Montag in die Apotheken gehen sollten.

»Ich bin einfach rein«

Dass der Andrang nun täglich größer werde, bezweifelt Apothekerin Sabine Hagemeier. »Als letzte Woche verkündet wurde, dass wir die QR-Codes ausstellen dürfen, wussten viele nicht, dass es erst am Montag so weit ist und kamen vorbei, um zu fragen«, erzählt sie. »Das war stressiger, weil wir uns auch erst informieren mussten: Ab wann geht das, ab wann gilt das, wer darf das.«

Aus der Apotheke kommen innerhalb von zehn Minuten zwei Menschen mit dem ausgedruckten QR-Code in der Hand heraus. Einer ist 29 Jahre alt und möchte seinen Namen nicht hier lesen. Er nutze den Code für einen Mallorca-Urlaub, sagt er. Eine andere, Pauline F., 19 Jahre alt, kam zufällig vorbei, wie sie erzählt. Ihre Zweitimpfung sei exakt 14 Tage her, sie gilt an diesem Montag als vollständig Geimpfte. »Ich wusste, dass diese Apotheke mitmacht, aber hatte es heute gar nicht geplant«, sagt Pauline. »Da es keine Schlange gab, bin ich einfach rein. Jetzt habe ich das erledigt.«

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