Diplomaten als Verkehrsrowdys Rasen ohne Reue

Mehr als 8000-mal brachen ausländische Diplomaten innerhalb eines Jahres die Regeln im Berliner Straßenverkehr. Doch sämtliche Verfahren wurden eingestellt, denn die Botschafter genießen Immunität. Mit den Regelverstößen konfrontiert, zeigen sich die meisten uneinsichtig.
Von Felix Kasten

Berlin - Als Diplomat lässt sich das hektische Verkehrsgeschehen in der deutschen Hauptstadt durchaus genießen. Zumeist kutschiert ein Chauffeur - gern mit Sonnenbrille und Knopf im Ohr - die Exzellenz in imposanter Limousine durch die Gegend. Hat man es eilig, stellt auch eine rote Ampel kein unüberwindliches Hindernis dar, die lästige Parkplatzsuche bleibt den Herren vom Corps Diplomatique ebenfalls erspart. Sie halten meist, wo und wie es ihnen gefällt.

Dass für viele der 6000 Diplomaten in Berlin die vom deutschen Gesetzgeber erlassene Straßenverkehrsordnung nicht verbindlich ist, zeigt eine Liste, die kürzlich an die Öffentlichkeit gelangte: Wie SPIEGEL TV berichtet, waren Botschaftsangehörige im Jahr 2008 in 55 Verkehrsunfälle verwickelt, bei denen 23 Menschen verletzt wurden. In 27 Fällen sollen die Gesandten Fahrerflucht begangen haben.

Vor allem aber bei Verstößen gegen das Parkverbot hat es das diplomatische Corps zu großer Könnerschaft gebracht - selbst auf Busfahrstreifen werden die Limousinen abgestellt. Da staunen auch die Angestellten der Berliner Abschleppdienste, die für gewöhnlich nichts mehr überrascht: "Diplomatenwagen lassen wir grundsätzlich stehen!", sagt einer von ihnen resignierend dem SPIEGEL-TV-Reporter.

2008 kamen auf diese Weise insgesamt 8398 Verkehrsdelikte zusammen. Die verhängten Verwarnungsgelder und Geldbußen von 159.940 Euro wurden nie bezahlt. Warum auch - laut Wiener Übereinkommen für diplomatische Beziehungen genießen die Landesvertreter Immunität, die jede inländische Strafverfolgung ausschließt.

Auf Platz sechs der Berliner Verkehrsrowdy-Tabelle rangieren die Diplomaten aus Iran. Libyen steht im Ranking auf Platz fünf, doch immerhin gelobt Botschafter Jamal al-Barag Besserung: "Ich werde mit meinen Fahrern sprechen", sagt er, als der SPIEGEL-TV-Reporter ihn auf die Verkehrsbilanz der Botschaft anspricht.

Weniger gesprächig ist man bei den Chinesen. Die Botschaft schickt einen deutschen Polizisten zum Reporter und lässt ausrichten, Dreharbeiten auf dem Gehweg seien nicht erwünscht. Kein Wunder, die Fahrer aus dem Reich der Mitte landeten auf dem undankbaren vierten Platz. Davor liegt Ägypten auf Platz drei.

Die einstige Supermacht Russland (Platz zwei) konfisziert kurzer Hand die Rechercheunterlagen des Reporters. Später protestiert ein Sicherheitsoffizier: "Diese Zahlen können nicht stimmen!" 140 Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung gehen laut Liste auf das Konto der Russen.

Spitzenreiter ist - wie im Vorjahr - die Fahrzeugflotte der saudischen Diplomaten. Kein Wunder: Die Lage der Botschaft am chronisch zugeparkten Ku'damm begünstige die Araber bei der Knöllchenjagd.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.