Dominique Strauss-Kahn "Dümmlich, aber einvernehmlich"

Jetzt spricht Dominique Strauss-Kahn: In einem Buch über seine Affären äußert sich der Ex-Chef des Weltwährungsfonds erstmals detailliert zu den Vorwürfen der Vergewaltigung und des gekauften Sex. Er zeigt ein bisschen Einsicht, aber keine Reue.

"Dümmlich, aber einvernehmlich", nennt Dominique Strauss-Kahn den sexuellen Kontakt zu einem Zimmermädchen in New York - und äußert sich damit erstmals detailliert zu den Vorgängen vom 14. Mai 2011 in der Luxusherberge Sofitel. Mehr als ein halbes Jahr nachdem der ehemalige Chef des Weltwährungsfonds durch den Übergriff auf die Hotelbedienstete seiner Karriere als angehender Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei (PS) ein Ende setzte, beschreibt jetzt Biograf Michel Taubmann in "Die Affäre DSK, die Gegen-Nachforschung" die Innenansichten des Politikers zu seinen Eskapaden.

Das Buch kommt am Donnerstag in die Läden. Die Illustrierte "Paris Match" veröffentlichte vorab Auszüge. Taubmann, der für seine Recherchen mehrfach mit Strauss-Kahn zusammentraf und die Gespräche wiedergibt, schildert ihn darin als sexbesessenen Klienten freizügiger Partys, der aber bei Prostitution und Zuhälterei nur "Abscheu und Horror" empfunden habe.

"Nichts wäre passiert, wenn ich diese Beziehung nicht eingegangen wäre", sagt Strauss-Kahn zu dem Vorfall in seiner Hotel-Suite, "damit habe ich die Tür zu allen anderen Affären aufgemacht." Nach seiner Darstellung sei Nafissatou Diallo, die Bedienstete des Sofitel, am späten Vormittag in Raum 2806 aufgetaucht, um das Zimmer zu putzen. Sie sei weder überrascht noch schockiert gewesen, ihn nackt aus dem Badezimmer kommen zu sehen; sie habe sich zur Tür gewandt und ihn dabei angesehen. Er habe dies als Einladung verstanden zu einem "vorschnellen sexuellen Akt".

Biograf Taubmann ist jedoch der Meinung, Diallo sei bei diesem Treffen möglicherweise manipuliert worden - so wie es jüngst in einem Bericht im "New Yorker Review of Books" behauptet wurde. Der Biograf erinnert daran, dass das Ehepaar Strauss-Kahn seinerzeit geargwöhnt hatte, es stünde unter Beobachtung. Am 14. Mai, dem Tag der Affäre, hatte Strauss-Kahn seiner Frau Anne Sinclair mitgeteilt, dass Textnachrichten von seinem Telefon in die Hände der konservativen Regierungspartei UMP gelangt seien.

"Mit Prostitution in Verbindung gebracht"

Während Taubmann damit offene Fragen nach den Grauzonen der bizarren Vorgänge erhebt, bleibt Strauss-Kahn selbst seinem Biografen eine vollständige Erklärung schuldig. Immerhin spricht er auch die Vorgänge um die Sex-Partys rund um das Carlton-Hotel in Lille an. Dabei besorgten lokale Unternehmer über Zuhälter dienstbare Damen aus dem benachbarten Belgien. Die angeblichen Assistentinnen wurden auch nach Paris geschafft oder gar nach New York eingeflogen - offenbar ohne dass Strauss-Kahn dabei Fragen stellte.

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Dominique Strauss-Kahn: Die Eskapaden des Ex-IWF-Chefs

Foto: MIGUEL MEDINA/ AFP

"In der Presse wird mein Name mit Prostitution in Verbindung gebracht", so Strauss-Kahn beim Interview mit Taubmann in seiner Pariser Wohnung am Place des Vosges, "das ist unerträglich." Gewiss, er habe an freizügigen Feiern teilgenommen, räumt er ein, aber er habe nie einen Cent dafür bezahlt. Und er verteidigt sich: "Im Allgemeinen sind die Besucherinnen solcher Partys keine Prostituierten."

Ob er sich angesichts seiner Verantwortung nicht die Frage hätte stellen müssen, fragt Biograf Taubmann. "Ja, das kann man heute sagen", antwortet der ehemalige Minister treuherzig, "aber die Freunde, die mich einluden, haben mir die Damen als ihre Gefährtinnen vorgestellt. Wenn ihnen jemand seine Freundin vorstellt, dann fragen sie nicht, ob sie eine Prostituierte ist. Und wenn sie zu einer Soiree eingeladen werden, fragen sie nicht, ob ihr Freund oder seine Firma die Rechnung begleicht."

Strauss-Kahn bekräftigt mit Nachdruck: "Ich habe nie etwas Illegales getan." Prostitution und Zuhälterei - "das ist nicht mein Ding", versichert er. "Welchen Schaden, glauben Sie, hinterlässt das bei meiner Frau, bei meinen Kindern", sagt Strauss-Kahn, der mit seiner Frau gegen einige französische Medien Klage erhoben hat. Zugleich versichert der Ex-Politiker, dass er seinen Lebensstil völlig geändert habe. "Ich habe damit gebrochen, es ist zu Ende."

Bei diesem Recherchegespräch, das Taubmann in dem Buch wiedergibt, ist Strauss-Kahn-Gattin Anne Sinclair an seiner Seite. Gefragt, was sie von den Affären ihres Mannes denkt, antwortet die Journalistin: "Das ist unser Problem, ich werde mich dazu äußern am Tag meiner Wahl, vielleicht in einem Buch. Ich werde darin mein Verständnis des Ehepaares erläutern, und ich werde damit jenen Feministinnen antworten, die mich verurteilt haben, ohne etwas zu wissen."

Will sagen: Dem Dauer-Feuilleton Dominique Strauss-Kahn steht ein weiteres Kapitel ins Haus.

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