Mit Tränengas nach St. John's Bischöfin empört über Kirchenfotos des US-Präsidenten

Mit Reizgas und Gummigeschossen vertrieb die Polizei Demonstranten, damit US-Präsident Donald Trump vor einer Kirche posieren konnte. Die zuständige Bischöfin übte scharfe Kritik.
Trump mit Bibel: Fototermin vor St. John's

Trump mit Bibel: Fototermin vor St. John's

Foto: TOM BRENNER/ REUTERS

Die St.-John's-Kirche nahe dem Weißen Haus ist ein historischer Ort. Für zahlreiche US-Präsidenten war sie ein spiritueller Rückzugsort. Bei den Protesten nach dem Tod von George Floyd, der vergangene Woche bei einem brutalen Polizeieinsatz starb, wurde auch sie leicht beschädigt. Viel größer als der materielle Schaden an dem Gebäude dürfte jedoch die Art und Weise sein, wie Donald Trump versuchte, die Kirche für seine Zwecke zu instrumentalisieren.

Während der US-Präsident in einer Rede mit dem Einsatz des US-Militärs gegen US-Bürger drohte, setzten Polizisten vor dem Weißen Haus Tränengas und Gummigeschosse gegen friedliche Demonstranten ein - um Trump den Weg zur St.-John's-Kirche freizuräumen. Vor der Kirche posierte Trump dann mit einer Bibel für die Fotografen.

Bischöfin: "Wir distanzieren uns"

Die US-Bischöfin Mariann Edgar Budde äußert sich nach diesem PR-Auftritt empört. Die Kirche gehört zur Diözese von Edgar Budde. "Der Präsident benutzte gerade eine Bibel, den heiligsten Text der jüdisch-christlichen Tradition, und eine der Kirchen meiner Diözese ohne Erlaubnis als Hintergrund für eine Botschaft, die im Widerspruch zu den Lehren Jesu und allem steht, wofür unsere Kirchen stehen", sagte Edgar Budde bei CNN .

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"Ich bin empört. Der Präsident hat nicht gebetet, als er nach St. John's kam", sagte Edgar Budde. Trump erkenne nach dem Tod von George Floyd die Qualen der People of Color in den USA nicht an. Ihre Diözese folge Jesus und dem "Weg der Liebe", so Edgar Budde: "Wir distanzieren uns von der aufhetzenden Sprache dieses Präsidenten."

Bischof Michael Curry wiederum beschuldigte den Präsidenten, die Kirche und die Bibel für "parteipolitische Zwecke" zu benutzen. Er fügte hinzu: "Um George Floyd willen, für alle, die zu Unrecht gelitten haben", und erinnerte an den Treueschwur des US-Präsidenten: "Eine Nation unter Gott zu sein, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle."

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Der Jesuitenpater James Martin verurteilte den Auftritt ebenfalls scharf. "Die Bibel ist keine Requisite. Eine Kirche ist kein Fototermin", schrieb er auf Twitter. "Religion ist kein politisches Werkzeug. Gott ist nicht Ihr Spielzeug."

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Trump selbst sparte dagegen nicht mit religiös aufgeladenen Worten. In einer Ansprache sagte er, Randale und Anarchie werde er nicht dulden. Was sich in den vergangenen Tagen abgespielt habe, sei "Terror" und ein "Verbrechen gegen Gott". Damit sei nun Schluss. "Wir beenden die Ausschreitungen und die Gesetzlosigkeit, die sich in unserem Land ausgebreitet haben. Wir beenden sie jetzt."

apr/dpa
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