Trump-Auftritt sorgt für Rätselraten "Wer hat die Hurrikan-Karte manipuliert?"

Hurrikan "Dorian" stelle auch für den US-Staat Alabama eine Gefahr dar, behauptete Donald Trump - und widersprach damit Experten. Nun sorgt der Präsident mit einer nachträglich geänderten Karte für Schlagzeilen.

Donald Trump im Oval Office: Auf der Karte ist eingezeichnet, welchen Weg Hurrikan "Dorian" wohl nehmen wird - inklusive einer nachträglichen Ergänzung mit einem schwarzen Stift
Evan Vucci/ AP

Donald Trump im Oval Office: Auf der Karte ist eingezeichnet, welchen Weg Hurrikan "Dorian" wohl nehmen wird - inklusive einer nachträglichen Ergänzung mit einem schwarzen Stift


Es begann - mal wieder - auf Twitter: Am vergangenen Sonntag schrieb US-Präsident Donald Trump, auch der Bundesstaat Alabama könnte sehr hart von Hurrikan "Dorian" getroffen werden. Diese Aussage stand allerdings im Widerspruch zu den offiziellen Vorhersagen des Nationalen Hurrikan-Zentrums.

Etwa 20 Minuten nach Trumps Tweet - und nachdem erste Kritik an der vermeintlichen Panikmache des Präsidenten laut wurde - erklärte der amtliche Wetterdienst in Alabama bei Twitter: "Alabama wird keine Auswirkungen von 'Dorian' spüren."

Seitdem hat Trump seine Aussage jedoch mehrfach verteidigt. Und die Geschichte geht noch weiter. Am Mittwoch präsentierte Trump bei einem Briefing im Oval Office eine offizielle Karte des Nationalen Hurrikan-Zentrums mit "Dorians" wahrscheinlichem Verlauf, Stand: 11 Uhr am 29. August. Und auf der Karte wurde offenbar nachträglich mit einem schwarzen Filzstift ("Sharpie") das Gebiet der möglichen Sturm-Ausbreitung vergrößert - damit auch noch Alabama eingeschlossen wird.

"Geschah das, um den Alabama-Twitter-Patzer zu vertuschen", fragt nun die "Washington Post". Bei "Politico" ist die Rede von einem "Oval-Office-Rätsel: Wer hat die Hurrikan-Karte manipuliert?" Auch andere Medien und zahlreiche Twitter-Nutzer kommentieren den "Sharpie"-Zwischenfall.

Die Karte - samt nachträglicher Ergänzung in Schwarz
Evan Vucci/ AP

Die Karte - samt nachträglicher Ergänzung in Schwarz

Bei einem Auftritt im Weißen Haus wurde Trump am Mittwoch von Journalisten gefragt, wie es zu der veränderten Karte gekommen sei. "Ich weiß nicht. Ich weiß nicht", sagte er. Gleichzeitig verteidigte er seine Aussage: Eine frühe Hurrikan-Prognose hätte mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit gezeigt, dass Alabama auch betroffen sein würde. So sei es dann aber nicht gekommen, räumte Trump ein. "Alabama hätte schwer getroffen werden sollen."

Tatsächlich prognostizierten die offiziellen Grafiken des Nationalen Hurrikan-Zentrums jedoch zu keinem Zeitpunkt bedeutende Auswirkungen des Sturms auf Alabama. Am Sonntag, als Trump erstmals Alabama ins Gespräch brachte, zeigten die Karten eindeutig einen prognostizierten Verlauf entlang der südöstlichen US-Küste, nicht in Richtung Alabama.

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Hurrikan "Dorian" auf den Bahamas: "Katastrophale Zerstörung"

Zum Beweis seiner Position veröffentlichte Trump am Mittwochabend (Ortszeit) dann noch eine Karte eines örtlichen Wetteramtes, auf der verschiedene Modelle auch eine geringe Wahrscheinlichkeit eines Eintreffens des Sturms in Alabama auswiesen. Diese Karte samt den prognostizierten Hurrikan-Verläufen stammt allerdings laut "Washington Post" vom 28. August, sie entstand damit vier Tage vor seinem ersten Tweet zu Alabama. Als er ihn veröffentlichte, habe Alabama in keiner der Hurrikan-Vorhersagen noch eine Rolle gespielt. Trotzdem schrieb Trump nun mit Hinblick auf kritische Medienberichte: "Ich nehme die Entschuldigungen der 'Fake News' an."

Hurrikan "Dorian" bewegte sich am Mittwochabend vor dem US-Bundesstaat Georgia weiter an der US-Küste entlang und sollte am Donnerstag South Carolina erreichen - wo der Hurrikan erstmals in den USA an Land treffen könnte. "Dorian" war zuvor auf die nördlichen Bahamas getroffen und hatte dort für schwere Verwüstung gesorgt.

aar/dpa

insgesamt 121 Beiträge
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panameño 05.09.2019
1. Völlig egal
Es ist gleichgültig, was für Gaga-Aktionen der Typ noch bringt, er kann sich nicht noch mehr zur Witzfigur machen, als er bereits ist.
kj.az 05.09.2019
2. Man kann's ja mal versuchen
Waehrend meiner Schulzeit hatte ich auch keinen Erfolg, die Lehrer zu ueberzeugen, dass Bayreuth im Libanon ist und in Beirut die Wagner-Festspiele stattfinden. Ich konnte noch so viele Karten faelschen - ich kam einfach nicht durch. Insofern verstehe ich unseren Praesidenten. Vom Allgemeinwissen her liegt er nahe am Zustand eines deutschen Sechstklaesslers - also, wer kann's ihm verdenken, wenn er ein bisschen schummeln will ?
ulfkirpe 05.09.2019
3.
Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.
lathea 05.09.2019
4. Was ist von jemandem, der....
....Meister darin ist, ständig selbst FakeNews zu verbreiten, denn zu erwarten? Bei seinen Anschuldigungen geht er ständig nur von sich selbst und seiner eigenen Beschäftigung, FakeNews zu verbreiten aus, weil er ständig darüber redet.
Berghuette_57 05.09.2019
5. Manipulator oder Dummkopf?
Die USA unter Trump verkommen immer mehr zum Komödienstadel. Da hält der Präsident der USA eine manipulierte Wetterkarte in den Bildschirm und hat sich nicht vergewissert, was es mit der manuell "Ergänzung" auf sich hat. So verhält sich nur ein unprofessioneller Dummkopf. Oder Trump hat es gewusst, vielleicht sogar selbst eingemalt. So verhält sich ein unglaublicher Manipulator und Lügner. So verhält sich ein Mann mit Größenwahn, der glaubt, sogar das Wetter richtet sich nach ihm und die Wetterexperten sind alle unfähig. Lieber Komödienstadel, ich wollte Euch mit dem ersten Satz nicht beleidigen. Ihr seid um ein Vielfaches professioneller und auch wohltuend unterhaltsamer als diese Dilettantengruppe im Weißen Haus.
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