Dortmund Kirche entsetzt über Neonazi-Aktion

Neonazis besetzen einen Kirchturm in Dortmund, um von dort fremdenfeindliche Parolen zu brüllen. Die Polizei beendet die Aktion gewaltsam. Kirchenvertreter sind wütend und empört.

Turm der Reinoldikirche in Dortmund
DPA

Turm der Reinoldikirche in Dortmund


Auf Weihnachtsmärkten ist die Stimmung oft besinnlich. Doch nicht so am Freitagabend in Dortmund. Dort öffnet die Reinoldikirche jedes Jahr im Advent den Zugang zum Kirchturm, damit Besucher von oben auf den großen Weihnachtsmarkt schauen können, wie "Der Westen" berichtet.

Auf diesem Turm sorgten dieses Jahr Rechtsextreme mit einer fremdenfeindlichen Aktion für Empörung. Sie besetzten den Turm und verbarrikadierten sich dort. Sie hängten ein Transparent mit rassistischer Aufschrift über die Brüstung, zündeten Pyrotechnik und brüllten Parolen.

Die evangelische Kirche in Dortmund kritisierte die Aktion scharf. "Hier ist kein Platz für Rassismus", sagte der Superintendent der Stadtkirche, Ulf Schlüter. "Wir empfinden es als Respektlosigkeit, unsere Kirche für rechte Propagandazwecke zu missbrauchen." Das sei eine Perversion dessen, wofür Kirche stehe, nämlich für Frieden, Gebet, Versöhnung und Verständigung.

"Ich wusste nicht, wie ich das sonst stoppen sollte"

Der Dortmunder Pfarrer Friedrich Stiller bezeichnete die vorübergehende Besetzung laut Evangelischem Pressedienst als "klare Provokation". Er sagte: "Wir verurteilen die Besetzung des Reinoldikirchturms aufs Schärfste."

Um die Parolen der Rechtsradikalen zu übertönen, läuteten am Freitagabend plötzlich die Glocken der Reinoldikirche. "Ich wusste nicht, wie ich das sonst stoppen sollte", sagte Pfarrerin Susanne Karmeier dem Internetportal "Der Westen". "Politische Propaganda hat hier einfach keinen Platz."

Polizei und Feuerwehr brachen die historische Tür am Turm schließlich auf und holten die Neonazis von der Aussichtsplattform. Der Staatsschutz ermittelt gegen acht polizeibekannte Verdächtige wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs, der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole sowie des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Die Besetzer hatten sich Hakenkreuze auf die Stirn gemalt.

Der Zugang zum Turm soll in der Adventszeit trotzdem weiter für alle Menschen geöffnet bleiben. "Wir werden keine Kontrollen einführen, aber verstärkt darauf achten, wer zu uns hereinkommt", sagte Schlüter. Die evangelische Kirchenarbeit in Dortmund setze seit Jahren klare Zeichen gegen rechts und werde das auch weiter tun.

lov/AFP/dpa

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